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Goldman Sachs senkt die Ölpreisprognosen nach der Hormus-Einigung deutlich. Doch der Markt bleibt nervös: Ein Rückschlag könnte Brent wieder massiv nach oben treiben.
Für dich zusammengefasst:
Die Entspannung im Persischen Golf verändert den Blick auf den Ölmarkt. Goldman Sachs hat seine Preisprognosen für Brent und die Rohölsorte US-amerikanische West Texas Intermediate (WTI) gesenkt. Grund ist die vorläufige Einigung zwischen US-Präsident Donald Trump und dem Iran über eine Verlängerung der Waffenruhe und die Wiederöffnung der Straße von Hormus.
Die Wall-Street-Bank erwartet nun, dass Brent-Rohöl im vierten Quartal 2026 im Schnitt 80 US-Dollar je Barrel kostet. Zuvor hatte Goldman Sachs 90 US-Dollar erwartet. Für 2027 senkte die Bank ihre Prognose von 80 auf 75 US-Dollar. Auch für WTI reduzierte Goldman die Schätzungen. Der Preis soll im vierten Quartal 2026 bei 75 US-Dollar liegen und 2027 auf 70 US-Dollar fallen.
Ein Strategenteam um Daan Struyven, Co-Leiter der globalen Rohstoffanalyse bei Goldman Sachs, rechnet mit einer schnelleren Normalisierung der Exporte aus dem Persischen Golf. Die Bank zog ihren Zeitplan um einen Monat nach vorn. Die Lieferungen könnten demnach bis Ende Juli wieder nahe am Vorkriegsniveau liegen. Die vollständige Erholung der Ölproduktion erwartet Goldman bis Oktober.
Die Märkte reagierten deutlich. Brent fiel am Montag um fast fünf Prozent und schloss so niedrig wie seit Anfang März nicht mehr. Händler setzten darauf, dass der schwere Energieschock seinen Höhepunkt überschritten hat.
Der Konflikt hatte den Ölmarkt zuvor stark belastet. Brent war von rund 70 US-Dollar je Barrel vor Kriegsbeginn auf bis zu 118 US-Dollar gestiegen. Danach fiel der Preis wieder in Richtung 83 US-Dollar. Die Sperrung der Straße von Hormus hatte zeitweise rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggasangebots vom Markt genommen.
Laut der US-amerikanischen Energieinformationsbehörde sanken die globalen Lagerbestände zwischen März und Mai im Schnitt um 5,3 Millionen Barrel pro Tag.
Reuters-Kolumnist Ron Bousso sieht darin eine klare Marktlogik. Händler hätten nicht die Risiken ausgeblendet. Sie hätten vielmehr Trumps politische Schmerzgrenze eingepreist. Der sogenannte Trump-Put wirkte damit nicht nur am Aktienmarkt, sondern auch bei Rohstoffen.
Lage bleibt angespannt
Die Krise hat nach Schätzungen große Lücken in die weltweiten Vorräte gerissen. Raffinerien, Händler und Regierungen müssen Lager wieder auffüllen. Das kann die Nachfrage stützen, gerade während der sommerlichen Hochsaison.
Goldman Sachs sieht zugleich Spielraum für mehr Angebot. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate könnten ihre Förderung über das Vorkriegsniveau hinaus erhöhen. Auch eine Lockerung der Sanktionen gegen iranisches Öl könnte zusätzliche Mengen auf den Markt bringen.
Nach Einschätzung der Bank müsste der Durchfluss durch die Straße von Hormus um 12 Millionen Barrel pro Tag steigen, um eine weitgehende Normalisierung zu erreichen. Dann lägen die Mengen wieder bei knapp 70 Prozent des Vorkriegsniveaus.
Ganz ohne Risiko ist die neue Prognose nicht. Die Details der Vereinbarung sind noch nicht vollständig bekannt. Neue Gefechte, Verzögerungen bei der Minenräumung oder ein Scheitern der Atomgespräche könnten die Lage wieder verschärfen. In einem Stressszenario hält Goldman Sachs einen Brent-Preis von mehr als 130 US-Dollar Ende 2026 für möglich.
Im günstigeren Fall könnten die Preise dagegen deutlich stärker fallen. Normalisiert sich der Handel früh, wächst das Angebot schneller und bleibt die Nachfrage stabil, könnte Brent im vierten Quartal 2026 unter 70 US-Dollar liegen. Für 2027 wären dann Preise von unter 60 US-Dollar möglich.
Der Ölmarkt hat damit Zeit gewonnen. Der große Preisschock scheint vorerst abgewendet. Doch die Lager sind knapp, die geopolitischen Risiken bleiben hoch, und die nächste Bewegung dürfte stark davon abhängen, wie belastbar die Einigung wirklich ist.
Autor: Nicolas Ebert, sbh-Redaktion
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6 Kommentare
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Interesting update on Öl-Schock abgewendet? Goldman nennt die neue Schmerzgrenze. Looking forward to seeing how this develops.
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