Der IT-Dienstleister Q.beyond hat den Einstieg in den Gesundheitssektor bekannt gegeben. Nach Unternehmensangaben erwirbt Q.beyond 51 Prozent am Hamburger SAP-Spezialisten GITG, einem Beratungshaus mit rund 40 Mitarbeitern. GITG begleitet SAP-Projekte im Gesundheitswesen und deckt dabei die administrativen Prozesse von Universitätskliniken, Akutkrankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen im deutschsprachigen Raum ab – von der Patientenverwaltung über die Abrechnung bis zur Anbindung klinischer Systeme. Das Unternehmen verweist auf mehr als 500 abgeschlossene Projekte und den Status als SAP Gold Partner.

Eigenes Produkt als Kern der Transaktion

Über das Beratungsgeschäft hinaus entwickelt GITG seit 2022 ein eigenes Produkt. Hintergrund ist die Entscheidung von SAP, das Krankenhaus-Kernsystem IS-H im Jahr 2030 auslaufen zu lassen, ohne einen Nachfolger anzubieten. GITG will diese Lücke schließen: Mit GS-H, einem eigenen S/4HANA-Ersatz für Patientenmanagement und Abrechnung, der mit der LMU München als Pilotkunde entsteht.

Der adressierbare Markt ergibt sich aus dem Auslaufdatum: mehr als 500 Kliniken im DACH-Raum nutzen weiterhin IS-H und müssen bis dahin migrieren. Die Nachfrage ist damit nicht konjunkturabhängig, sondern durch den Herstellerausstieg terminiert. GS-H richtet sich laut Analyse an Häuser, die zunächst nur die Abrechnungsschicht austauschen und ihr klinisches System unverändert lassen wollen.

Wettbewerb und Umsetzungskapazität

Konkurrenz besteht bereits: Der Anbieter ATSP steht hinter der Lösung S4.health, die am Uniklinikum Tübingen im Einsatz ist und in Österreich zum erfolgreichen Konsortium der BBG-Rahmenvereinbarung gehört. GS-H kam dort im zweiten Lot zum Zug. Als eigentlichen Engpass des Marktes sehen die Analysten von NuWays jedoch die Lieferfähigkeit. Hier sollen die Beraterkapazitäten von Q.beyond sowie die inzwischen drei Nearshore-Standorte in Lettland, Rumänien und Spanien helfen, das geistige Eigentum von GITG in Volumen umzusetzen – flankiert von Cross-Selling für Security-, Cloud- und Agenten-Orchestrierungsleistungen in dieselben Kundenkonten.

Kaufpreis nicht veröffentlicht

Zu den finanziellen Konditionen machte Q.beyond keine Angaben. NuWays leitet aus den verfügbaren Informationen eine Schätzung ab: Bei etwa 30 fakturierbaren Mitarbeitern – ohne Entwicklung, Vorstand und Verwaltung – und Tagessätzen von 1.500 Euro ergäben sich rund 8 Millionen Euro Umsatz und etwa 1 Million Euro EBITDA, was einer Marge von 12,5 Prozent entspräche. Mit dem Mittelwert einer für solche Geschäfte üblichen Bewertungsspanne von 8 bis 12 EBITDA-Multiplen käme man auf eine Bewertung von 10 Millionen Euro und damit auf einen geschätzten Mittelabfluss von 5,1 Millionen Euro. Für die restlichen 49 Prozent halten die Analysten Call- und Put-Optionen sowie eine an Meilensteine gekoppelte, gestaffelte Struktur für wahrscheinlich – ähnlich wie bei der Übernahme von productive-data.

Quartalszahlen stehen an

Q.beyond legt die Zahlen zum zweiten Quartal am kommenden Montag vor. NuWays rechnet mit einem Umsatzrückgang von 2,3 Prozent auf 43,4 Millionen Euro; das Beratungsgeschäft soll um 3 Prozent zulegen, Managed Services dagegen um 5 Prozent nachgeben. Wegen besserer Auslastung wird ein EBITDA von 2,1 Millionen Euro erwartet, entsprechend einer Marge von 4,9 Prozent. Ohne GITG halten die Analysten die unteren Enden der Jahresprognose für Umsatz (182 bis 190 Millionen Euro) und EBITDA (10 bis 16 Millionen Euro) für erreichbar. NuWays bestätigt das Rating „BUY“ und ein unverändertes Kursziel von 5,90 Euro. Offen bleibt aus Sicht der Analysten, wie schnell GS-H über den Pilotkunden hinaus produktive Referenzen gewinnt.

Quelle: FinanzNachrichten.de: Nachrichten zu Sonstige

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