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(aktualisierte Fassung)
WASHINGTON/CARACAS (dpa-AFX) – Venezuelas Vizepräsidentin Delcy Rodríguez gibt den USA Kontra: Der von Präsident Donald Trump forcierte Machtwechsel in dem ölreichen südamerikanischen Land stößt auf Widerstand. Rodriguez gehört zur Machelite um Präsident Nicolás Maduro, den US-Elitetruppen am Samstag spektakulär in der venezolanischen Hauptstadt Caracas quasi aus dem Bett heraus festnahmen und außer Landes brachten.
Maduro sitzt inzwischen in einem Gefängnis in New York, wo er und seine Frau Cilia Flores – gegen die US-Haftbefehle vorlagen – auf ihren Prozess unter anderem wegen „Drogenterrorismus“ warten. Der linksautoritäre Maduro war seit 2013 an der Macht, die er auch mit Wahlfälschungen sicherte.
Operation „Absolute Entschlossenheit“: Angriff auf Venezuela
Am Freitagabend 22.46 Uhr (US-Ostküstenzeit) hatte Trump den Beginn des Militäreinsatzes angeordnet. Bei der Operation „Absolute Resolve“ (deutsch: „Absolute Entschlossenheit“) waren nach US-Darstellung mehr als 150 Bomber, Kampfjets, Aufklärer, Hubschrauber und Drohnen im Einsatz. Dem Einsatz ging nach US-Angaben monatelange Planung voraus.
Um 2.01 Uhr Ortszeit Caracas (7.01 Uhr MEZ) erreichten nach der Schilderung von Generalstabschef Dan Caine US-Hubschrauber Maduros Anwesen. Nach Information der US-Sender CBS und CNN nahmen Soldaten der US-Spezialeinheit Delta Force das Ehepaar Maduro gefangen. Die beiden wurden zum Kriegsschiff „USS Iwo Jima“ geflogen. Später ging es vom US-Stützpunkt Guantánamo auf Kuba mit dem Flugzeug nach New York.
Laut Trump gab es bei der Operation nur wenige, nicht schwerwiegend Verletzte aufseiten der Einsatzkräfte. Die Behörden in Venezuela sprachen von mehreren Dutzend Toten und Verletzten – Soldaten wie Zivilisten.
Rodriguez: „Wir werden nie wieder Sklaven sein“
Nach der gewaltsamen Entmachtung Maduros übernahm Vizepräsidentin Rodríguez auf Anordnung des Obersten Gerichtshofes geschäftsführend das Präsidentenamt bis zu Neuwahlen.
Sie nannte bei einer Sitzung des Verteidigungsrates Maduro den „einzigen Präsidenten“. „Wir werden nie wieder Sklaven sein“, sagte sie Richtung Trump und bezeichnete den US-Angriff als Verstoß gegen die UN-Charta.
Trump: Führen Venezuela – notfalls mit Hilfe des Militärs
Die Aussagen Rodriguez‘ stehen im Widerspruch zu den Worten Trumps, dass sie zur Zusammenarbeit bereit sei. „Wir haben gerade ein Gespräch mit ihr geführt, und sie ist im Grunde bereit, das zu tun, was wir für notwendig halten, um Venezuela wieder groß zu machen, ganz einfach“, sagte er bei einer Pressekonferenz in seiner Residenz Mar-a-Lago in Florida. „Wir werden das Land so lange führen, bis wir einen sicheren, ordnungsgemäßen und umsichtigen Übergang gewährleisten können.“ Details nannte er nicht.
Trump machte aber klar, dass die USA auch militärisch bereit seien, ihre Interessen in Venezuela durchzusetzen. „Wir haben keine Angst vor Bodentruppen. Und wir müssen welche haben, wir hatten vergangene Nacht Bodentruppen vor Ort.“
Auch dass die USA wirtschaftliche Interessen in dem ölreichen Venezuela haben, betonte Trump. Eine Partnerschaft werde Venezuela „reich, unabhängig und sicher“ machen. Millionen Venezolaner im Exil – auch in den USA – würden von den geplanten Maßnahmen profitieren. Das südamerikanische Land verfügt über die größten Ölreserven der Welt.
Friedensnobelpreisträgerin: González soll Präsident werden
Es war unklar, ob und wann es Neuwahlen gibt. Venezuelas Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado forderte die Einsetzung des Oppositionspolitikers Edmundo González Urrutia als Nachfolger. Er habe die Präsidentenwahl vor eineinhalb Jahren gegen Maduro gewonnen und sollte sein verfassungsmäßiges Amt nun unverzüglich antreten, heißt es in einer auf X veröffentlichten Mitteilung Machados.
Kritik Russlands und Chinas an Trumps Militäroperation
Russland forderte die US-Führung auf, ihre Position zu überdenken und den „rechtmäßig gewählten Präsidenten eines souveränen Landes und seine Ehefrau“ freizulassen, wie das Außenministerium mitteilte.
Auch China rief die USA zur sofortigen Freilassung Maduros und seiner Ehefrau auf. Die Vereinigten Staaten sollten Versuche, die venezolanische Regierung zu destabilisieren, einstellen, sagte ein Sprecher des Außenministeriums.
Jurist zweifelt Rechtmäßigkeit der US-Operation an
Nach Darstellung des Juristen Kai Ambos haben die USA gegen das Völkerrecht verstoßen. Dem WDR sagte Ambos: „Es ist völkerrechtswidrig, weil es eigentlich nur zwei Rechtfertigungsgründe für Anwendung militärischer Gewalt gibt.“ Entweder sei das die Selbstverteidigung oder ein Mandat der Vereinten Nationen.
US-Außenminister Marco Rubio rechtfertigte den Einsatz. Die Maßnahmen seien „zum Schutz und zur Verteidigung“ derer, die den Haftbefehl gegen Maduro vollstreckten, nötig gewesen. Die USA hatten für Informationen, die zu seiner Festnahme Maduros führt, eine Belohnung von bis zu 50 Millionen Dollar (rund 43 Millionen Euro) ausgesetzt.
Merz: Brauchen Zeit zur Einordnung
Die Bundesregierung erbat Zeit für die Bewertung der Operation. „Die rechtliche Einordnung des US-Einsatzes ist komplex“, äußerte sich Bundeskanzler Friedrich Merz.
Das Auswärtige Amt weitete die Reisewarnung für Venezuela aus./rom/DP/he
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17 Kommentare
Die schnelle Übernahme des Präsidentenamtes durch Rodríguez nach Maduros Entmachtung, gestützt durch den Obersten Gerichtshof, deutet auf eine vorgefertigte Strategie hin. Wie stabil ist diese Übergangsregierung?
Rodriguez‘ Forderung nach einem Ende der „Sklaverei“ gegenüber den USA ist starkes Wort. Glaubt sie wirklich, dass die USA so einfach aus Venezuela vertrieben werden können?
Die informationen, dass Maduro und seine Frau zunächst nach Guantánamo gebracht wurden, sind beunruhigend. Dies wirft Fragen nach den menschenrechtlichen Standards auf, die bei dieser Operation angewendet wurden.
Trump spricht von „Bodentruppen“ bei der Operation, was die Intensität und den Umfang des Militäreinsatzes weiter erhöht. Was waren die spezifischen Aufgaben dieser Truppen?
Es ist faszinierend, wie sich die Ereignisse um 2:01 Uhr Ortszeit zugetragen haben. Die Präzision der Zeitangaben lässt auf detaillierte Aufzeichnungen und eine koordinierte Aktion schließen.
Der Vorwurf des „Drogenterrorismus“ gegen Maduro ist schwerwiegend. Welche Beweise liegen den USA vor, um diese Anschuldigung zu untermauern und diesen Schritt zu rechtfertigen?
Es ist bemerkenswert, dass Trump die Operation „Absolute Entschlossenheit“ mit über 150 Flugzeugen durchführte, während er gleichzeitig behauptet, Rodríguez sei kooperativ. Diese Diskrepanz wirft Fragen nach der tatsächlichen Ausgangslage und Trumps Strategie auf.
Das stimmt. Die Größe des Militäreinsatzes deutet auf eine deutlich größere Widerstandserwartung hin, als Trump zugibt.
Die zeitliche Abfolge der Ereignisse ist präzise dargelegt: 22:46 Uhr Ortszeit Beginn des Einsatzes, 2:01 Uhr Ankunft der Hubschrauber bei Maduro. Dies unterstreicht die sorgfältige Planung und Durchführung der Operation.
Die Aussage von Rodríguez, dass Venezuela „nie wieder Sklaven sein wird“, klingt nach einer klaren Ablehnung der US-Intervention und einer Verteidigung der nationalen Souveränität. Wie realistisch ist diese Haltung angesichts der militärischen Übermacht der USA?
Die monatelange Planung der Operation „Absolute Entschlossenheit“, wie von US-Seiten angegeben, deutet auf eine lange bestehende Strategie hin, Maduro zu stürzen. Warum hat es so lange gedauert, diese Strategie umzusetzen?
Die Verwendung des Kriegsschiffs „USS Iwo Jima“ zur Überführung von Maduro wirkt symbolisch und demonstriert die US-Militärmacht. Welche rechtlichen Grundlagen rechtfertigen diese außerordentliche Maßnahme?
Die Behauptung von Trump, Venezuela wieder „groß“ zu machen, klingt sehr nach einer Wiederholung bekannter Rhetorik. Wie will er das konkret erreichen und welche Rolle spielt dabei die angebliche Bereitschaft von Rodríguez zur Kooperation?
Es ist schwer vorstellbar, wie man ein Land ‚groß‘ macht, indem man seinen Präsidenten verhaftet und nach New York bringt.
Es ist schockierend zu hören, dass venezolanische Behörden von mehreren Dutzend Toten und Verletzten sprechen, während Trump nur von geringfügigen Verletzungen auf US-Seite berichtet. Eine unabhängige Untersuchung wäre dringend erforderlich.
Es ist erwähnenswert, dass Maduro seit 2013 an der Macht war und diese auch durch Wahlfälschungen gesichert haben soll. Wie bewerten die USA diese Vorwürfe im Kontext ihrer jetzigen Handlungen?
Die Tatsache, dass Maduro in New York inhaftiert ist und ein Prozess wegen „Drogenterrorismus“ bevorsteht, erinnert an ähnliche Vorgehensweisen in anderen geopolitisch sensiblen Fällen. Ist dies ein strategischer Schachzug, um Druck auf die venezolanische Regierung auszuüben?