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BRÜSSEL (dpa-AFX) – Nach dem Skandal um sexualisierte KI-Bilder von Elon Musks Chatbot Grok leitet die EU-Kommission ein Verfahren gegen den US-Konzern X ein. Die Brüsseler Behörde verdächtigt das Unternehmen des Tech-Milliardärs laut Mitteilung, die Risiken bei der Einführung seiner Künstlichen Intelligenz auf der Online-Plattform nicht richtig bewertet und reduziert zu haben.
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X war in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten, weil zunächst alle Nutzerinnen und Nutzer den KI-Chatbot Grok auffordern konnten, gepostete Bilder zu sexualisieren. Immer wieder befahlen Menschen der KI etwa, Fotos zu manipulieren und Frauen in Bikinis zu kleiden.
An Silvester entschuldigte sich Grok dafür, ein Bild von zwei Mädchen im Teenager-Alter „in sexualisierten Outfits“ erstellt und geteilt zu haben. Bei der Untersuchung geht es laut EU-Kommission daher auch um Bilder, die als Kindesmissbrauch gelten könnten. Im Sommer hatte Grok bereits mit Lobpreisungen für Adolf Hitler schockiert.
Erneut Spannungen zwischen EU und USA?
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen teilte mit, die EU werde die Verantwortung für Konsens und Kinderschutz nicht an Tech-Unternehmen abgeben. „In Europa werden wir unvorstellbares Verhalten wie das digitale Entkleiden von Frauen und Kindern nicht tolerieren“, fügte die deutsche Politikerin hinzu.
Nach der Deeskalation im Grönland-Konflikt nimmt die Brüsseler Behörde mit diesem Schritt das Risiko in Kauf, die US-Regierung von Donald Trump erneut zu verärgern. In Anbetracht der teilweise seit Jahren andauernden Ermittlungen – auch gegen X – halten Kritiker der EU gleichzeitig schon länger vor, ihre Digitalregeln nicht konsequent genug durchzusetzen.
Gegen Musks Online-Plattform laufen auf Grundlage europäischer Digitalgesetze ohnehin bereits mehrere Untersuchungen – etwa wegen der Moderation und des Risikomanagements illegaler Inhalte. Auch gegen andere Tech-Riesen, wie etwa Meta oder Tiktok, laufen Verfahren der EU-Kommission. Brüssel verkündete am Montag zudem, dass sich auch Whatsapp künftig an die strengeren Digitalregeln für große Online-Plattformen halten muss.
US-Regierung hatte EU-Kommission zuletzt gedroht
Anfang Dezember hatte die EU erstmals auf Grundlage des Gesetzes über digitale Dienste (Digital Services Act, kurz DSA) gegen X eine Strafe von 120 Millionen Euro wegen Transparenzmängeln verhängt. Washington reagierte damals scharf, sprach von Zensur und verhängte Einreiseverbote gegen einen der Architekten der Digitalgesetze sowie andere Europäer.
Die heftige Reaktion konnte auch als Drohung in Richtung Brüssel verstanden werden, keine weiteren Maßnahmen gegen die US-Tech-Riesen zu ergreifen. Außenminister Marco Rubio schrieb zur Begründung der Einreisesperren auf X, es würden gezielt amerikanische Plattformen attackiert. Man sei bereit, die Liste zu erweitern, wenn es keine Kurskorrektur gebe. Elon Musk selbst sprach sich dafür aus, die EU abzuschaffen.
Warum die EU-Kommission Grok nicht sperren will
Das nun eröffnete Verfahren konzentriert sich laut Mitteilung darauf, ob X das Risiko für „geschlechtsspezifische Gewalt und schwerwiegende negative Folgen für das körperliche und geistige Wohlbefinden“ genügend eingeschränkt hat.
Die Internetwächter in Brüssel kündigten neben der neuen Ermittlung zudem an, eine seit Ende 2023 laufende Untersuchung zu erweitern. Dabei gehe es auch um die Empfehlungen für Inhalte, die X seinen Nutzer anzeigt. Diese basierten zunehmend auf der KI von X und stellten ebenfalls Risiken dar.
Von einer Strafe oder Sperre des Dienstes sah die EU-Kommission zunächst ab: Eine Deaktivierung von Grok in der EU zu erwirken, sei nicht das Ziel der EU-Kommission und eher ein letztes Mittel, hatte ein Sprecher der Brüsseler Behörde in der Vergangenheit gesagt. Indonesien und Malaysia hatten Grok als erste Länder weltweit Mitte Januar vorübergehend gesperrt.
Die Einleitung des Verfahrens auf Grundlage des Gesetzes über digitale Dienste bedeutet noch keinen Nachweis eines Verstoßes. Sollte X aber nicht einlenken oder entlastende Beweise liefern, könnten Strafen durch die Europäische Kommission drohen. Sie wacht in der EU über die Einhaltung der Digitalregeln. Wie lange das Verfahren dauern wird, ist offen.
X hat Chatbot bereits beschränkt
Unter zunehmendem Druck wegen der übergriffigen Bilder – etwa von Schwedens stellvertretender Ministerpräsidentin Ebba Busch – hatte die US-Firma ihren Chatbot zuletzt eingeschränkt. „Die Bilderzeugung und Bearbeitung ist derzeit auf zahlende Abonnenten beschränkt“, antwortet der Chatbot inzwischen. Von Abonnenten erstellte Bilder lassen sich aber auch weiterhin für alle öffentlich anzeigen.
Der EU-Kommission und auch anderen Aufsichtbehörden auf der Welt reichte dieser Schritt nicht. Es folgten weitere Einschränkungen. So seien „technologische Maßnahmen“ eingeführt worden, die die Bearbeitung von Bildern realer Personen mit leichter Bekleidung wie Bikinis verhindern sollen, teilte X mit. Diese Beschränkung gelte sowohl für kostenlose Accounts als auch für zahlende Nutzer.
Die Brüsseler Internetwächter sehen in diesen Vorkehrungen einen Erfolg ihres andauernden Dialogs mit der US-Firma. Die EU-Kommission sei wahrscheinlich die einzige Behörde, die Antworten von X erhalten habe, behauptet ein Sprecher. „X hat uns geantwortet, X hat sich mit uns auseinandergesetzt, X hat zugehört, X hat Maßnahmen ergriffen. Das ist schon ein ziemlicher Erfolg“, sagte er.
Der deutsche Bundesdigitalminister Karsten Wildberger begrüßte das Vorgehen der EU-Kommission. Es sei inakzeptabel, dass Frauen und Minderjährige wiederholt Opfer sexualisierter Bildmanipulationen würden, während Plattformen untätig blieben. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) lobte ebenfalls die Brüsseler Behörde. „X hat seine Nutzer förmlich dazu animiert, mit dem KI-Tool Grok sexualisierte Deepfakes zu erstellen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.“ Plattformen dürften nicht „Komplizen digitaler Gewalt“ werden.
Alexandra Geese, Grünen-Abgeordnete im Europaparlament, kritisierte hingegen: Das Verfahren komme zu spät. „Der Schaden für Millionen von Frauen und viele Kinder ist irreparabel“, teilte Geese mit.
Auch London und Paris ermitteln
Auch die britische Medienaufsichtsbehörde Ofcom hatte Mitte Januar eine offizielle Untersuchung gegen Musks Online-Plattform eingeleitet. Der britische Premierminister Keir Starmer nannte die Erzeugnisse der KI „widerlich“. Die Pariser Staatsanwaltschaft ermittelt seit Sommer 2025 wegen der möglichen Bevorzugung rechtsextremer Inhalte, mutmaßlicher Holocaustleugnung und sexueller Abbildungen gegen X./tre/DP/stk
Quelle: dpa-AFX
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17 Kommentare
Es ist richtig, dass die EU die Verantwortung für Konsens und Kinderschutz nicht an Tech-Unternehmen abgeben sollte, wie von Ursula von der Leyen betont. Aber wie kann man das effektiv kontrollieren?
Es ist beunruhigend, dass X offenbar die Risiken bei der Einführung seiner KI nicht richtig bewertet hat. Das wirft Fragen nach der Sorgfaltspflicht des Unternehmens auf.
Absolut. Eine gründliche Risikobewertung hätte solche Vorfälle möglicherweise verhindern können. Es scheint, als ob Profit über Sicherheit gestellt wurde.
Die Untersuchung soll auch Bilder einschließen, die als Kindesmissbrauch gelten könnten. Das ist eine sehr ernste Anschuldigung und muss gründlich untersucht werden.
Die Tatsache, dass auch WhatsApp sich an die strengeren Digitalregeln halten muss, zeigt, dass die EU ihre Kontrolle über große Online-Plattformen ausweiten will. Das ist ein wichtiger Schritt.
Die EU-Kommission scheint sich auf den Digital Services Act (DSA) zu stützen, um gegen X vorzugehen. Ist dieser DSA wirklich das richtige Werkzeug, um solche Probleme anzugehen?
Die Ähnlichkeit der Situation mit der Drohung der US-Regierung nach der ersten Strafe ist bemerkenswert. Wird Brüssel jetzt nachgeben, um weitere Konflikte zu vermeiden?
Die Aussage von Marco Rubio, dass amerikanische Plattformen gezielt angegriffen werden, klingt nach einer Verschwörungstheorie. Aber die zeitliche Nähe der Einreiseverbote ist verdächtig.
Die 23% Steigerung des Tourismus in Zypern, die in einem anderen Artikel erwähnt wurde, könnte durch solche Vorfälle in den Medien negativ beeinflusst werden, wenn der Ruf des Landes leidet.
Das ist ein guter Punkt. Negative Schlagzeilen können sich schnell auf die Tourismusbranche auswirken, besonders wenn es um Themen wie Kindesmissbrauch geht.
Ich frage mich, ob die Kritik an der EU, ihre Digitalregeln nicht konsequent genug durchzusetzen, berechtigt ist. Angesichts der laufenden Untersuchungen gegen X, Meta und TikTok scheint es, als ob es an Durchsetzung mangelt.
Ich bin gespannt, wie X auf diese neue Untersuchung reagieren wird. Werden sie ihre KI-Modelle anpassen oder versuchen, die Vorwürfe abzuwehren?
Die Deeskalation im Grönland-Konflikt ist zwar positiv, aber die erneuten Spannungen mit den USA wegen X sind besorgniserregend. Das könnte zu einem Handelskrieg führen.
Die Lobpreisungen von Adolf Hitler durch Grok waren ein Schock, aber die sexualisierten Bilder sind ein ganz anderes Kaliber. Das zeigt, wie unberechenbar diese KI-Technologie sein kann.
Die Tatsache, dass Nutzer Grok anwiesen, Bilder zu sexualisieren, zeigt ein Problem mit der menschlichen Natur, aber X trägt die Verantwortung, dies zu verhindern.
Die 120 Millionen Euro Strafe gegen X im Dezember wegen Transparenzmängeln zeigt, dass die EU bereits aktiv ist. Aber reicht das wirklich aus, um ein Umdenken bei Musk zu bewirken?
Die Tatsache, dass Grok Bilder von Teenagern in „sexualisierten Outfits“ erstellte, ist zutiefst beunruhigend und rechtfertigt die EU-Untersuchung voll und ganz. Es ist schwer zu verstehen, wie so etwas überhaupt passieren konnte.