Berentzen hat seit Jahrzehnten keinen Käufer gefunden, der bereit war, eine deutliche Prämie zu zahlen. Sazerac ist es jetzt.

Berentzen-Gruppe AG

WKN 520160 · ISIN DE0005201602

Chart: XETRA, 3 Monate · Kursangabe im Text: Schlusskurs vom 21. September 2026

Der US-amerikanische Spirituosenkonzern Sazerac und seine deutsche Erwerbsgesellschaft Blitz 26-877 GmbH haben eine Zusammenschlussvereinbarung mit der Berentzen-Gruppe unterzeichnet. Sazerac beabsichtigt, ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für alle Berentzen-Aktien zu unterbreiten – zu einem Preis von 5,55 Euro je Aktie in bar. Das entspricht einer Prämie von rund 68 Prozent auf den volumengewichteten Dreimonatsdurchschnittskurs vor dem 16. September 2026.

Wer die Aktie hält, muss entscheiden: Das Angebot steht, Vorstand und Aufsichtsrat wollen die Annahme empfehlen – und nach einem erfolgreichen Vollzug soll Berentzen von der Börse genommen werden. Wer nicht verkauft, hält Anteile an einem nicht mehr notierten Unternehmen.

Sazerac ist ein 1850 in New Orleans gegründetes, bis heute familiengeführtes Unternehmen. Nach eigenen Angaben erzielte es im Kalenderjahr 2025 einen Nettoumsatz von mehr als 6 Milliarden US-Dollar. Mit der Übernahme will Sazerac geografische Präsenzen bündeln und Synergien heben – konkrete Zahlen dazu nennt die Mitteilung nicht.

Bedingungen und Zeitplan

Das Angebot steht unter der Bedingung, dass mindestens 50 Prozent aller Berentzen-Aktien plus eine weitere Aktie angedient werden. Wird diese Schwelle erreicht, erlangt Sazerac die Kontrolle über das Unternehmen. Der Vollzug ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen, vorbehaltlich marktüblicher Abschlussbedingungen.

Die Angebotsunterlage muss zunächst von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geprüft und freigegeben werden. Erst danach wird sie veröffentlicht. Vorstand und Aufsichtsrat wollen anschließend unverzüglich ihre gemeinsame begründete Stellungnahme gemäß Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetz abgeben – und beabsichtigen, darin die Annahme zu empfehlen.

Die Aktie schloss am Tag der Mitteilung bei 5,54 Euro und legte damit gegenüber dem Vortag rund 22 Prozent zu – knapp unter dem Angebotspreis von 5,55 Euro.

Ob Sazerac die Mindestannahmeschwelle erreicht, entscheidet letztlich, ob Berentzen nach mehr als einem Jahrhundert als eigenständiges deutsches Unternehmen in einem amerikanischen Konzern aufgeht.

Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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