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Silber ist in letzter enorm gestiegen – geht der Anstieg weiter oder fällt Silber wieder zurück? Nur der Wert könnte eine Orientierung geben.

Steigende Preise rücken Silber immer wieder ins Rampenlicht von Anlegern. Doch lohnt es sich aktuell, in das Edelmetall zu investieren? Die jüngste Entwicklung klingt zwar verführerisch, hat aber auch ihre Tücken. Silber ist ganz sicher nichts für Anfänger. Um die aktuelle Entwicklung einigermaßen nachvollziehen zu können, lohnt sich ein Blick zurück. Denn Silber blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Von 1970 bis 2000 lag der Preis bei rund 5 US-Dollar (pro Feinunze à 31,1 Gramm) oder sogar darunter. Das klingt stabil, doch 1980 gab es eine kurze Phase, in der der Preis bis auf 50 US-Dollar anstieg.

Der radikale Silberkauf-Versuch zweier Brüder ging nach hinten los

Damals trieben die Hunt-Brüder den Markt in die Enge, indem sie alles Silber aufkauften. Nelson und William Hunt versuchten, den Silbermarkt künstlich zu verknappen und zu kontrollieren. Sie kauften nicht nur physisches Metall, sondern auch Futures, also Termingeschäfte auf die zukünftige Lieferung von Silber. Das war ihr Fehler, der sie ihr gesamtes Vermögen gekostet hat.

Denn bei diesen Geschäften wird nur ein Teil des Wertes des Silbers hinterlegt. Die Börse änderte die Regeln und es kam zu Zwangsverkäufen, die den Silberpreis einbrechen ließen. Abgesehen von zwei kurzen Hochs bei rund 15 und 10 US-Dollar war der Kurs am Ende wieder da, wo er sich vor der Hunt-Episode jahrelang bewegt hatte.

Erst in den 2000er-Jahren gab es etwas Bewegung auf dem Silbermarkt

Was lässt sich daraus für den Silberpreis ableiten? Erkenntnisse zu gewinnen ist äußerst schwierig, da die folgenden 30 Jahre eine enorm lange Zeitspanne sind, in der sich der Preis kaum bewegt hat. Allein durch die Inflation hätte der Silberpreis deutlich steigen müssen, zumal die Inflation in den 1970er Jahren hoch war.

Sie betrug im Durchschnitt ungefähr fünf Prozent pro Jahr, insgesamt waren es fast 400 Prozent. Die Inflation hätte den Silberpreis also zumindest verfünffachen sollen – von circa 5 US-Dollar auf 25 US-Dollar. Aber: Nichts ist passiert.

Erst in den 2000er-Jahren stieg der Preis langsam auf zunächst 20 US-Dollar, bevor er wieder um fast 50 Prozent auf rund 10 US-Dollar fiel. Wer sich davon nicht verunsichern ließ, konnte vom folgenden Anstieg auf rund 50 US-Dollar im Jahr 2011 deutlich profitieren.

Dr. Daniel Walther ist Finanzexperte mit 30 Jahren Erfahrung in Vermögensanlage, -verwaltung und Vertriebssteuerung. Er schreibt Kolumnen für FAZ und das Deutsche Institut für Altersvorsorge und ist Gründer der Finanz-App Vermögensheld. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Doch auch dieses Hoch war nur von kurzer Dauer, bevor der Kurs wieder in eine Bandbreite zwischen 15 und 20 US-Dollar fiel. Anschließend stieg er im Jahr 2020 auf eine Bandbreite zwischen 20 und 30 US-Dollar, zuletzt 35 US-Dollar, bevor er aus dieser Spanne ausbrach und innerhalb eines halben Jahres bis auf über 90 US-Dollar anstieg. Eine Verdreifachung!

Warum ist der Silberpreis zuletzt so angestiegen? Und bleibt das so?

Der Anstieg im Jahr 2011 fiel in die Zeit der Eurokrise und kann daher auch auf den allgemeinen Vertrauensverlust in den Euro zurückgeführt werden. Vor diesem Hintergrund: Welche Gründe liegen heute vor, die zum Anstieg des Silberpreises geführt haben?

Die Situation ist komplex. Einerseits ist die Nachfrage nach Silber durch den Anstieg der erneuerbaren Energien, insbesondere der Solarenergie, deutlich gestiegen.

Auch Autobatterien und das Militär verbrauchen deutlich mehr Silber als früher, sodass seit Jahren ein Defizit vorliegt. Es wird deutlich weniger Silber gefördert, als verbraucht wird. Das Verhältnis beträgt rund eine Milliarde Unzen zu 1,2 Milliarden Unzen.

Durch das jährliche Defizit von 200 Millionen Unzen könnte in den letzten Jahren fast der komplette Silberbestand aufgebraucht worden sein. Dies könnte den Anstieg erklären.

An den Börsen wird ein Vielfaches des vorhandenen Silbers gehandelt

Andererseits ist durch die steigenden Schulden das Vertrauen in Fiat-Währungen gesunken. Dies lässt sich an den gestiegenen Renditen für Staatsschulden mit langen Laufzeiten ablesen. Besonders Japan und Amerika stehen nicht mehr gut da.

Ähnlich sieht es an den Börsen aus, an denen täglich ein Vielfaches des vorhandenen Silbers gehandelt wird. Es wurde also mehr Silber verkauft, als überhaupt vorhanden ist.

Das könnte sich jetzt ändern, wenn physisches Silber tatsächlich knapp wird. Dann werden die Käufer zunehmend auf Lieferung bestehen und alle Verkäufer müssen sich darum kümmern, an Silber zu kommen. 

Lohnt es sich, in Silber anzulegen?

Das könnte schwierig werden, wenn tatsächlich für jede vorhandene Unze mehr als 300 Unzen gehandelt werden. Das wäre die umgekehrte Situation zu der mit den Hunt-Brüdern damals, die zu einem massiven Anstieg geführt hat.

Wo liegt also der faire Preis? Das weiß niemand. Auch das Verhältnis des Silberpreises zum Goldpreis hilft nur bedingt weiter. Seit der Zeit der Römer vor rund 200 v. Chr. lag das Verhältnis grob bei 1:15.

Verdoppelt sich der Silberpreis in naher Zukunft?

Bei einem Goldpreis von 4.800 US-Dollar würde der aktuelle Silberpreis 320 US-Dollar betragen. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus: Mit einem Verhältnis von rund 1:50 sind wir davon weit entfernt. Selbst wenn der Anstieg nur bis zu einem Verhältnis von 1:20 oder 1:30 verläuft, würde sich der Silberpreis weiter verdoppeln.

Nicht einmal die größten Fachleute können diese Entwicklung vorhersagen. Es ist auch möglich, dass der Preis wieder auf 60 US-Dollar oder sogar auf das niedrigere Niveau von 30 US-Dollar zurückfällt. Das entspräche einem Rückgang von rund 35 bzw. 70 Prozent. Das wäre ein herber Verlust für Anleger, die jetzt erstmals kaufen.

Niemand kennt den wahren Wert von Silber

Silber ist sehr volatil. Selbst Preissprünge von zehn Prozent an einem Tag – nach oben wie nach unten – sind keine Seltenheit. Wer an einen weiteren Anstieg glaubt, hat gute Chancen, von der Wertsteigerung von physischem Silber zu profitieren.

Mit einem Kredithebel wäre das jedoch gefährlich, ebenso wie auf fallende Kurse zu spekulieren. Doch niemand kennt den wahren Wert von Silber. Selbst wenn man ihn kennen würde, wäre die Entwicklung hin zu diesem Wert spannend.

Daniel Walther

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26 Kommentare

  1. Die Geschichte des Silberpreises ist ein Lehrstück über Spekulation, Inflation und Marktkontrolle. Es lohnt sich, diese Zusammenhänge zu verstehen.

  2. Hans J. Fischer am

    Ich bin neugierig, wie sich die aktuelle geopolitische Lage auf den Silberpreis auswirken wird. Könnte dies zu einer erneuten Verknappung führen?

  3. Die 30-jährige Erfahrung von Dr. Walther im Finanzbereich ist beeindruckend. Seine Einschätzung zum Silbermarkt ist daher besonders wertvoll.

  4. Die Tatsache, dass der Silberpreis nach dem Hoch von 2011 wieder in eine Bandbreite von 15 bis 20 US-Dollar fiel, zeigt, dass man bei Silber nicht auf kurzfristige Gewinne setzen sollte.

  5. Die Tatsache, dass der Silberpreis von 2000 bis 2020 nur langsam stieg, deutet darauf hin, dass es sich um ein sehr langfristiges Investment handeln muss, um wirklich zu profitieren.

  6. Es ist faszinierend, dass der Silberpreis trotz einer durchschnittlichen Inflation von fünf Prozent pro Jahr in den 70ern fast 400 Prozent, eigentlich verfünffacht hätte werden sollen, aber stattdessen so lange stagniert ist.

  7. Emma Schneider am

    Die Aussage, dass Silber von 1970 bis 2000 bei rund 5 US-Dollar lag, unterstreicht, wie lange es gedauert hat, bis es wieder an Wert gewann.

  8. Jonas L. Meyer am

    Dr. Daniel Walther scheint ein Experte zu sein, aber die Tatsache, dass selbst sein Fachwissen keine klare Prognose für den Silberpreis ermöglicht, ist beunruhigend.

  9. Es ist bemerkenswert, dass der Silberpreis nach dem Anstieg auf 50 US-Dollar im Jahr 1980 wieder auf das Niveau von 5 US-Dollar zurückfiel. Das zeigt die Macht des Marktes.

  10. Die Tatsache, dass die Inflation den Silberpreis eigentlich verfünffachen sollte, aber dies nicht geschah, wirft die Frage auf, welche anderen Faktoren den Preis beeinflussen.

  11. Die Warnung, dass Silber nichts für Anfänger ist, sollte ernst genommen werden. Man muss sich intensiv mit dem Markt auseinandersetzen, bevor man investiert.

  12. Die Geschichte mit den Hunt-Brüdern ist wirklich bemerkenswert – wie konnten zwei Einzelpersonen den Silbermarkt so stark beeinflussen und dann so katastrophal scheitern?

  13. Die Entwicklung des Silberpreises zwischen 2000 und 2011, mit dem Anstieg auf 50 US-Dollar und dem anschließenden Rückgang, ist ein gutes Beispiel für die Volatilität des Marktes.

  14. Die 30 Jahre Stagnation nach dem Silberkauf der Hunts sind ein warnendes Beispiel. Man sollte sich nicht von kurzfristigen Gewinnen blenden lassen.

  15. Lea U. Fischer am

    Die Hunt-Brüder haben durch ihre Futures-Geschäfte den Kurs manipuliert, weil nur ein Teil des Wertes hinterlegt wurde. Ist das System heute sicherer?

  16. Der Artikel erwähnt, dass Silber nichts für Anfänger ist. Könnte man das genauer ausführen, welche Vorkenntnisse oder Risikobereitschaft man speziell bei Silberinvestitionen benötigt?

  17. Die Bandbreite zwischen 15 und 20 US-Dollar, in die der Preis nach dem Hoch von 2011 zurückfiel, zeigt, wie volatil Silber sein kann. Das ist ein Risiko, das man bedenken muss.

  18. Peter I. Hoffmann am

    Ich frage mich, ob die aktuelle Situation mit der von 1980 vergleichbar ist, auch wenn die Akteure und Mechanismen anders sein mögen. Könnte es wieder zu einer künstlichen Verknappung kommen?

  19. Die Erwähnung der Hunt-Brüder und ihres gescheiterten Versuchs, den Silbermarkt zu kontrollieren, ist eine wichtige Lektion für jeden Investor.

  20. Ich bin skeptisch, ob der Anstieg im Jahr 2020 nachhaltig ist. Die Geschichte zeigt, dass solche Hochs oft von Korrekturen gefolgt werden.

  21. Peter Schäfer am

    Ich bin seit einigen Jahren im Edelmetallbereich und finde es wichtig, dass der Artikel die historische Volatilität von Silber hervorhebt. Das wird oft unterschätzt.

  22. Ich finde es gut, dass der Artikel die persönliche Auffassung von Dr. Walther betont. Das schafft Transparenz und zeigt, dass es keine Garantie für Gewinne gibt.

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