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Bei Rohstoffen bahnt sich ein neuer Superzyklus an. Unter anderem befeuert China die Entwicklung. Zwei Experten klären auf.
Seit mehreren Jahren schließt Peking die Faust immer fester um seine seltenen Erden und andere kritische Rohstoffe. Problematisch für den Westen: Fortschrittliche Technologien kommen ohne diese Rohstoffe nicht aus und China kontrolliert die Lieferketten in einem erheblichen Maße. Westliche Regierungen kämpfen daher um seltene Rohstoffe, aber in einem sogenannten Superzyklus tun sich auch für Privatanleger Möglichkeiten auf.
Was ist ein Rohstoff-Superzyklus?
Von einem Superzyklus bei Rohstoffen ist immer dann die Rede, wenn der Markt über einen längeren Zeitraum Schwankungen erlebt, die über das reguläre Maß hinausgehen. Üblicherweise entwickeln sich die Rohstoffpreise in Zyklen, aber hin und wieder kommt es vor, dass äußere Faktoren den typischen Zyklus verlängern. Dabei kann es sich um eine grundlegend veränderte Nachfrage handeln oder um technologischen Wandel.
Carsten Roemheld, Kapitalmarkstratege bei Fidelity International, betont gegenüber FOCUS online an, er wolle noch nicht von einem Superzyklus sprechen. „Die Voraussetzungen für einen starken Zyklus bei Rohstoffen sind aktuell so gut wie seit einigen Jahren nicht mehr“, sagt der Experte. Aber: Ein Superzyklus sei es für ihn nur dann, wenn Rohstoffe in der ganzen Breite betroffen wären.
Matthias Rüth, Geschäftsführer des Frankfurter Rohstoffhändlers Tradium, sieht das anders. „Für mich würden die aktuellen Parameter ausreichen, dass man von einem Superzyklus sprechen kann“, sagt er im Gespräch mit FOCUS online.
Welche Rohstoffe der Superzyklus trifft
Im aktuellen Zyklus stehen Metalle im Vordergrund. Neben der Rüstungsindustrie geht es um Technologien, die mit der Energiewende zusammenhängen. „Wir sprechen dabei nicht nur von der Künstlichen Intelligenz und dem dafür notwendigen Bau von Datencentern, sondern auch von dem Aus- und Umbau der Energie- und Kommunikationsnetze, der Infrastruktur für Transportwege, Nahrungsmittel und dem Gesundheitswesen,“, erklärt Roemheld.
Abseits vom Gold, das als reine Krisenwährung benutzt wird, sind Technologiemetalle im Kommen. „Die meisten Menschen denken, Gold sei ein besonders seltenes Produkt. Jährlich werden weltweit rund 3000 bis 3500 Tonnen Gold produziert“, so Rüth. „Im Vergleich zu den übrigen Rohstoffen, die wir anbieten, ist das viel. Bei Rhenium und Hafnium zum Beispiel bewegt man sich in der Größenordnung von etwa 40 bis 50 Tonnen im Jahr.“
Das ist ein Bruchteil der Goldproduktion – und hinzukommt, dass diese Technologiemetalle auch noch massiv industriell verbraucht werden. „Dann ist natürlich auch klar, warum diese Rohstoffe relativ große Chancen auf Preissteigerungen haben.“ Angesichts dessen spricht Rüth bei den hohen Goldpreisen von einer „absurden“ Entwicklung.
Das China-Problem bei seltenen Rohstoffen
China nutzt ein Quasi-Monopol, um dem Westen wichtige Rohstoffe vorzuenthalten. Deswegen, und weil bei Edelmetallen die globale Unsicherheit für zusätzliche Nachfrage sorgt, sieht Roemheld hier Chancen für eine gute Entwicklung.
„Es ist in vielerlei Hinsicht kompliziert. Der Bedarf steigt, die Produktion – die vorher einigermaßen in Balance war – wird zusätzlich durch die strategische Lagerhaltung weiter verknappt“, sagt Rüth. Zusätzlich zu den Exportbeschränkungen haben chinesische Investoren zum Beispiel beim Schwermetall Indium für Knappheit gesorgt, indem sie große Mengen eingekauft haben. Indium kommt unter anderem in der Touchscreen-Herstellung zum Einsatz.
Wie Anleger vom Rohstoff-Superzyklus profitieren
Der Stratege Carsten Roemheld erklärt, dass eine Anlagestrategie immer auch Rohstoffinvestments beinhalten sollte, allein schon aus Gründen der Diversifikation. „In der übergeordneten Asset Allocation sollten Anleger sicherstellen, dass sie eine Gewichtung im Rohstoffsektor aufbauen, um von Trends zu profitieren“, rät der Experte.
Dabei sollten Anleger auf die geeignete Anlageform oder ein geeignetes Instrument achten und ihre individuellen Anlagekriterien berücksichtigen. Rohstoffe wie Gold dienen auch dem Inflationsschutz. Sollte es innerhalb der kommenden Jahre eine höhere Inflation geben, so können Rohstoffinvestments eine ausgleichende Wirkung haben. Eine andere Möglichkeit: Rohstoffe kaufen, ähnlich wie Aktien, und auf eine positive Preisentwicklung warten.
Risiken bei der Anlage in Rohstoffe
Roemheld mahnt, dass Rohstoffe immer wieder Zyklen mit starken Preisanstiegen erleben, aber sobald die Unternehmen entsprechende Vorräte angelegt haben, schwächt die Nachfrage tendenziell wieder ab, was die Preise fallen lässt.
Das könnte im aktuellen Zyklus passieren, wenn China zum Beispiel sämtliche Handelsrestriktionen fallenlässt oder innerhalb von Europa zusätzliche Kapazitäten für die Seltenerd-Produktion fertiggestellt werden.
„Fundamental günstige Periode“ für Investments
Der zweite Risiko hängt mit dem Anlageinstrument zusammen. Wenn Anleger auf Zertifikate oder Derivate ausweichen, bringen diese ganz eigene Risiken mit sich. Alternativ gibt es Rohstoffaktien, bei denen Probleme der einzelnen Unternehmen zusätzliche Risiken mit sich bringen.
„In der Summe sehen wir aktuell eine fundamental günstige und strukturell interessante Periode für Rohstoffinvestments vor uns, weshalb wir eine gut ausgewogene Beimischung selektiver Rohstoffpositionen empfehlen“, sagt Roemheld.
Bei Rohstoffhändlern wie Tradium haben Privatanleger die Möglichkeit, physische Rohstoffe zu kaufen und einzulagern. „Ich würde die Wette wagen, dass die meisten Rohstoffe in zehn Jahren deutlich höher bewertet werden als heute“, sagt Rüth. Er sehe nicht, dass ein einzelnes Problem in näherer Zukunft die Preise radikal drücken könnte. Trotz allem aber warnt er, dass die Anlage in Rohstoffe nach wie vor eine Spekulation ist.
Wie es in 2026 für Rohstoffe weitergeht
Kurz- bis mittelfristig wird sich die Lage nicht groß ändern. Die Europäische Union versucht weiterhin, alternative Bezugsquellen zu finden, aber der Aufbau neuer Kapazitäten wird sich Jahre hinziehen. Es gibt bereits vielversprechende Minenprojekte. Bei der Weiterverarbeitung, also dem zweiten Schritt nach Abbau der kritischen Rohstoffe, kontrolliert China jedoch 90 Prozent der Kapazitäten. Das zu ändern, wird die größere Herausforderung.
Auch Tradium-Chef Rüth sieht so schnell keine Verbesserung an den Märkten. „Sollte China die Restriktionen aufheben, werden sich die Rohstoffe auf einem deutlich niedrigeren Preisniveau einfinden. Der steigende Bedarf ist aber trotzdem da. Im Moment bin ich der Ansicht, dass es erst einmal so weitergehen wird wie bisher. Beim Gold zum Beispiel hatten wir im letzten Jahr mehr als 20 Alltime-Highs, und Parallelen dazu gibt es auch bei anderen Rohstoffen, die ebenfalls rasant ansteigen.“
Die Abhängigkeit Europas von Chinas Rohstoffen soll fürs Erste groß bleiben. Mehr noch: China könnte in Reaktion auf alternative Produzenten für kritische Rohstoffe die Restriktionen auf bestimmte Produkte lockern. Wettbewerber hätten dann das Problem, dass sie preislich nicht mithalten können. „Das ist im Moment schon ein sehr harter Kampf.“
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6 Kommentare
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