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Frank Sell ist Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Bosch. In einem Video, das FOCUS online vorliegt, schildert er die dramatische Lage des Konzerns und die Folgen und Herausforderungen der Elektroauto-Politik.
Im Rahmen des internationalen Motorenkongresses in Baden-Baden hat Frank Sell (50), Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei Bosch, eine schonungslose Abrechnung mit der Situation des Konzerns abgeliefert. Das 18-minütige Video war nach Informationen von FOCUS online gar nicht zur Veröffentlichung bestimmt, wurde dann aber auf einer Webpräsenz der IG Metall Mitgliedern zur Verfügung gestellt.
„Wir haben falsche Entscheidungen getroffen“
Sell vertritt nach eigenen Angaben 80.000 Beschäftigte in Deutschland. Bosch, einer der wichtigsten und traditionsreichsten Automobilzulieferer, hat sich laut Sell bei der Transformation der Autoindustrie hin zu mehr Elektroautos drei Ziele gesetzt: Diese Transformation müsse „sozial, ökologisch und ökonomisch“ sein. Gleichzeitig müsse man die Technologieführerschaft im Automobilsegment behalten. „Leider haben wir dieses Versprechen an vielen Stellen gebrochen“, so Sell weiter. Die Beschäftigten hätten „extreme Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren“ und dem Betriebsrat „blute das Herz“ angesichts vieler Kündigungen – 22.000 Stellen will Bosch abbauen. Dies sei auch deshalb so, weil man an vielen Stellen falsche Entscheidungen getroffen habe.
„Ich habe noch nie so viele Menschen weinen sehen“
Sell beschreibt Enttäuschung und Frust bei der Belegschaft, die zum Teil seit Generationen bei Bosch arbeite. Die Transformation verlaufe derzeit „alles andere als sozial“, so Sell. Noch nie habe er „so viele Menschen weinen sehen“. Gleichzeitig hätten Technologien wie die Elektromobilität oder autonomes Fahren zu erheblichen ökonomischen Risiken in dem Unternehmen geführt. Die neuen Bereiche würden noch viel zu wenig Gewinn abwerfen im Vergleich zu den traditionellen Geschäftsfeldern. Neue Player wie China setzten den Unternehmen stark zu. Die Folge seien „wahnsinnig viele Insolvenzen“ bei kleinen und mittelständischen Zulieferbetrieben.
Abrechnung mit dem Verbrenner-Verbot
Dann folgt eine Abrechnung mit der europäischen Klimapolitik und dem Verbrenner-Verbot der EU, die man in dieser Deutlichkeit selten von einem Gewerkschaftler hört: „Es kann doch in drei Teufels Namen nicht sein, dass sich Europa ein Ziel gibt, und 21 Länder in Europa nichts dafür tun – sei es Infrastruktur oder Ausbau von Ladesäulen – und wir dann weiter an einem Ziel festhalten, von dem wir wissen, dass es auch technisch nicht geht.“ Es verstehe „kein normaler Mensch da draußen“, dass man von diesen Zielen nicht abrücke. Es sei völlig unrealistisch zu sagen: „Am 31.12.2024 ist das eine Modell zu Ende und wenn der Zeiger auf 0 Uhr geht, gilt das andere Modell.“ Was momentan in Brüssel diskutiert werde, sei eher eine Verschärfung des Verbrenner-Aus als eine Anpassung an die tatsächlichen Entwicklungen auf dem Automarkt.
Technik-Führerschaft beim Verbrenner geht an China verloren
Das sei nicht nur politischer Irrsinn, so Sell, es spiegele auch die Realitäten auf dem Automarkt nicht. Bosch müsse die Technologieführerschaft bei allen Antriebsarten behalten. Selbst auf dem chinesischen Markt sei keineswegs alles nur in Richtung E-Auto gepolt, wo man bei Bosch zugeben müsse, dass „die uns zwei bis drei Jahre voraus sind“. In China würden jedoch parallel dazu nicht nur neue Hybridantriebe entwickelt, sondern es gebe auch Anfragen für neue Hochdruck-Einspritzsysteme bei Benzinmotoren und sogar neue effiziente Diesel.
2035: Ein Drittel Elektro, ein Drittel Hybride, ein Drittel Benziner
Für den weltweiten Markt gehe Bosch davon aus, dass 2035 – also das Jahr, ab dem die EU alle neuen nicht-elektrischen Antriebe faktisch verbietet – der Marktanteil von Batteriefahrzeugen bei einem Drittel liegen werde, zwei Drittel aller Autos aber weiter einen Verbrenner an Bord haben, sei es als normaler Benziner oder als Hybrid. Man werde sich also von zwei Dritteln des Weltmarktes verabschieden, wenn man weiter beim Verbrenner-Aus 2035 bleibe, so Sell.
eFuel Alliance
„Entweder könnt ihr zu China-Preisen anbieten oder seid draußen“
„Wir verabschieden uns damit aber auch von unserem Knowhow beim Systemverständnis“, so der Gewerkschafter – genau das sei aber immer noch die Stärke gegenüber China, aber auch gegenüber den USA. Damit schieße man sich „mehr und mehr aus dem Markt heraus“. Es dürfe kein „Entweder oder“ beim Antrieb geben, sondern nur ein „Sowohl als auch“.
Gleichzeitig sei die Zulieferindustrie extrem unter Druck, weil die in China aufgebaute Zulieferindustrie Produkte günstiger anbiete und man dann vom Autohersteller die Pistole auf die Brust gesetzt bekomme: „Entweder könnt ihr zu chinesischen Preisen anbieten oder ihr seid draußen.“ Gleichzeitig könne China aber auch Vorbild sein, etwa bei der Zusammenarbeit zwischen Autobauern und Zulieferern, die den vielbeschworenen „China-Speed“ erst möglich mache. Mit einer neuen Zusammenarbeit könne man auch in Deutschland die Entwicklungsgeschwindigkeit deutlich steigern und gleichzeitig höhere Qualität und bessere Produktsicherheit liefern.
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6 Kommentare
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Great insights on News. Thanks for sharing!
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.
Interesting update on Video liegt FOCUS online vor
Dramatische Lage bei Bosch: "Noch nie so viele weinen sehen"
Finanzen100
12:16. Looking forward to seeing how this develops.
Solid analysis. Will be watching this space.
Good point. Watching closely.