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Der Einstieg in die Rüstungsindustrie erweitert die Absatzmöglichkeiten der Autozulieferer, kann die Transformationsverluste aber nicht kompensieren.
Die Transformation in der Automobilindustrie ist in vollem Gange, die Elektrifizierung der deutschen Autoflotten macht große Entwicklungsschritte. Getrieben wird dies nicht nur politisch, sondern auch durch die grundsätzliche Akzeptanz der E-Mobilität.
Der Ausbau der Ladestationen, die höheren Reichweiten dank technologischem Fortschritt und die wirtschaftlichen Anreize entwickeln sich alle nur in die eine Richtung: mehr, weiter und höher.
Chancen vs. existenzbedrohende Transformation
Das mag für einige mittlerweile auch ein lukratives Geschäft sein, für viele Automobilzulieferer ist es aber eine teils existenzbedrohende Transformation des Geschäftsmodells. Wer zum Beispiel ein Spezialist für Getriebe für klassische Verbrenner ist, der sieht seinen Absatzmarkt in Rekordgeschwindigkeit einbrechen. So liegen die Zulassungen für ohne Getriebe auskommende Elektroautos Anfang 2026 bereits bei rund 20 Prozent des Gesamtvolumens.
Bertram Brossardt war in leitenden Funktionen im bayerischen Wirtschaftsministerium und im Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie tätig. Seit 2005 ist er Hauptgeschäftsführer von vbw, BayME und VBM. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Mitnichten hat sich aber der Gesamtabsatz an Pkw in gleichem Maße erhöht – die abzusetzende Menge ist also gesunken. Im Gegenteil: seit Jahren drückt eine Krise nach der anderen auf die weltweiten Absatzzahlen. Das bedroht den Erfolg der betroffenen Unternehmen.
Das Herz der deutschen Wirtschaft steht auf dem Spiel
Nun ist nicht allein die Transformation an der bedrohlichen Lage schuld, Deutschland deindustrialisiert sich durch zu hohe Energiekosten, zu hohe Unternehmenssteuern, zu hohe Sozialabgaben, zu hohe Arbeitskosten und zu viel Bürokratie zunehmend selbst.
Das führt zu einem dramatischen Arbeitsplatzabbau in der Metall- und Elektroindustrie, seit 2018 sind bundesweit rund 270.000 davon verloren gegangen, für 2026 stehen weitere rund 150.000 Arbeitsplätze zur Disposition.
Das ist verheerend, ist doch die M+E-Industrie das Herz der deutschen Industrie und die Industrie das Herz der deutschen Wirtschaft.
Potenzial der Verteidigungsindustrie bleibt trotz Wachstum klein
Die Verteidigungsindustrie bietet demgegenüber großes Wachstumspotenzial. Durch die insbesondere infolge von Russlands Aggressionen stark steigenden Ausgaben des Bundes gehört dieser Bereich zu den wenigen konjunkturellen Zugpferden in Deutschland.
Zusätzlich profitiert die Branche von der weltweit anziehenden Nachfrage nach Rüstungsgütern infolge wachsender geopolitischer Spannungen und schafft dadurch neue Arbeitsplätze.
Klar ist aber auch: Die Rüstungsindustrie ist deutlich kleiner als die Automobilindustrie – und sie wird es trotz des erwarteten weiteren Wachstums auch bleiben. In Bayern etwa ist der Automobilsektor nach Berechnungen der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. im Hinblick auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung etwa fünf Mal so groß wie der Verteidigungssektor.
Rüstung wird Automobil nicht ganz kompensieren können
Wenn man jetzt noch berücksichtigt, dass es in Teilen durchaus unterschiedliche Qualifikationsanforderungen gibt und viele Beschäftigte nur begrenzt mobil sind, dann zeigt sich: Der Rüstungsbereich wird die erwarteten Arbeitsplatzverluste in der Automobilindustrie nicht annähernd kompensieren können. Für Automobilzulieferer, deren Absatz im klassischen Geschäft wegzubrechen droht, kann der Rüstungsbereich gleichwohl eine große Chance sein.
Vier Erkenntnisse für Autozulieferer, die Rüstung erschließen wollen
1. Ja, die Verteidigungsindustrie und die Bundeswehr bieten gute Absatzchancen für viele Industrieunternehmen. Das Geld, also die Nachfrage, ist da und die Branche steht vor der Herausforderung, ihre Kapazitäten schnell und massiv hochzufahren.
2. Die Rüstungsindustrie produziert in vielen Bereichen vergleichsweise geringe Stückzahlen (Stichwort: Manufaktur-Betrieb). Für viele Automobilzulieferer, die sich in der Regel durch sehr hohe Stückzahlen auszeichnen, lohnen sich die geringen Stückzahlen häufig nicht.
3. Branchenspezifische Besonderheiten erschweren den Einstieg in die Rüstungsbranche: Aufwändige und zeitintensive Anforderungen an die Zertifizierungen der Produkte, ein spezielles Preisrecht sowie Geheimschutz-Anforderungen sind Hürden, die man als Unternehmen ernst nehmen muss, bevor man in dem Sektor durchstarten kann.
4. Der Einstieg in die Verteidigungsbranche ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Ein Unternehmen, das sich für diesen Weg entschiedet, muss ihn mit aller Konsequenz gehen und auch etwas Geduld mitbringen.
Dort aber, wo die eigenen Produkte und Fähigkeiten in die Rüstungslandschaft passen und wo man das eigene Unternehmen konsequent auf die Anforderungen der Branche einstellt, können als Belohnung sehr lukrative, stabile und langfristige Absatzchancen winken.
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6 Kommentare
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