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Das Berliner Weizenbaum-Institut hat eine neue Erhebungsrunde seines Forschungsprojekts „Dein Feed, Deine Wahl“ gestartet. Im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern und der Berliner Abgeordnetenhauswahl im September 2026 können TikTok-Nutzende ab 18 Jahren freiwillig ihre Nutzungsdaten im Rahmen des Citizen-Science-Projekts spenden.
Ziel der Untersuchung ist es, einen genaueren Überblick darüber zu erhalten, welche politischen Inhalte der Empfehlungsalgorithmus der Plattform tatsächlich in individuelle Feeds zusammenstellt – und wie sich diese Informationsräume je nach Region, Alter und politischer Einstellung unterscheiden. Das Projekt konzentriert sich dabei explizit auf Wahlen im östlichen Teil Deutschlands, da Datenspenden zu kommunalen Direktwahlen in Niedersachsen am 13. September 2026 nicht angefragt werden. Datenspenden können sowohl online erfolgen als auch bei ausgewählten Vor-Ort-Aktionen.
Unterschiede zwischen Bundes- und Landtagswahl
Die neue Studie des Weizenbaum-Instituts knüpft an eine bereits erfolgte Erhebung zur Bundestagswahl 2025 an. Dem Institut zufolge nahmen an der Erhebung zur jüngsten Bundestagswahl mehr als 900 TikTok-Nutzende teil. Damals zeigte sich, dass am 1. Januar die Gesamtmenge aller politischen Inhalte in den Feeds (inklusive traditioneller Nachrichten) bei circa zwei Prozent lag, zum Wahltag am 23. Februar 2025 bei circa 10–11 Prozent.
Die Studie 2026 soll nun beobachten, ob es anlässlich der Landtagswahlen regionale Unterschiede in den Informationsumgebungen gibt, und vergleichen sowie prüfen, ob sich die Mechanismen anders auswirken als bei einer Bundestagswahl. Außerdem soll die Datenspende klären, bei wem welche Inhalte tatsächlich im Feed landen – und ob die hohen Reichweiten bestimmter Akteure sich gleichmäßig über alle Nutzergruppen verteilen oder primär in bestimmten politischen Lagern verbleiben.
Das Projekt betont ausdrücklich, dass es TikTok nicht als „Wahlentscheidungsmaschine“ voraussetzt. Untersucht werden Mechanismen der Informationsversorgung und mögliche Zusammenhänge mit Einstellungen und Wahlentscheidungen – ohne automatisch Kausalität zu behaupten. Bei der Kategorisierung politischer Inhalte ordnen die Forschenden etwa Videos anhand von Hashtags, Accounttypen und Metadaten Parteien, einzelnen Politikerinnen und Politikern, parteinahen Influencern sowie nutzergenerierten Inhalten zu.
Ablauf der Datenspende
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Nutzerinnen und Nutzern, die ihre TikTok-Daten spenden wollen, verspricht das Projekt Anonymität und einen starken Datenschutz. Politische Meinungen gelten unter anderem nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) als besondere Kategorie personenbezogener Daten. Das Projekt stützt sich somit auf die ausdrückliche Einwilligung der Teilnehmenden und das Forschungsprivileg nach Artikel 89 DSGVO. Die wissenschaftliche Auswertung erfolge ausschließlich in anonymisierter und aggregierter Form. Die Daten sollen auch weder an TikTok weitergegeben noch kommerziell genutzt werden. Forschungsdaten sollen allerdings der wissenschaftlichen Community in anonymisierter Form zugänglich gemacht werden und eine wissenschaftliche Publikation ist für 2027 vorgesehen.

Das Projekt zeigt schon jetzt erste Auswertungen zu Parteipostings auf TikTok.
(Bild: Dein Feed, Deine Wahl)
Methodisch basiert die Erhebung darauf, dass Teilnehmende über die TikTok-App eine DSGVO-Datenauskunft anfordern und die heruntergeladenen Daten ab dem 24. August über ein Webformular auf der Projektplattform hochladen. Erfasst werden angezeigte Videos, Interaktionen wie Likes und Shares sowie Metadaten wie Hashtags – nicht jedoch Accountnamen der Spendenden, Shopping-Daten oder private Nachrichten. Serverseitig werden die Rohdaten auf Weizenbaum-Servern gespeichert, identifizierende Felder abgetrennt und pseudonyme IDs vergeben.
Neben der Teilnahme über das Webformular ist auch die Teilnahme an sogenannten Data-Donation-Days während ausgewählter Veranstaltungen möglich. Unter anderem können am 29. August 2026 in Halle an der Saale beim Laternenfest, am 12. September in Rostock beim Warnemünder Brückenfest und am 13. September in Berlin beim Demokratietag TikTok-Daten gespendet werden. Vor Ort werden auch Datenbotschafterinnen und -botschafter des für das Projekt eingesetzten Citizen-Science-Gremiums sein, welches das Projekt mitgestaltet.
Da DSGVO-Datenauskünfte etwas Zeit in Anspruch nehmen können, sollten Interessierte den Antrag bei TikTok rechtzeitig im Vorfeld stellen.
Erste und folgende Ergebnisse
Bereits jetzt zeichnen sich laut Institut erhebliche Reichweitenunterschiede auf TikTok ab: Accounts von AfD-Politikerinnen, -Politikern und der Partei erzielten seit dem 1. Juli 2026 mehr als 26 Millionen Views. Die CDU folgt mit fast vier Millionen, Die Linke mit knapp 1,5 Millionen Views. Diese Kennzahlen stammen aus einem systematischen Monitoring öffentlicher Partei-Accounts. Einen Teil davon visualisiert das Projekt schon jetzt auf seiner Webseite.
Eine erste „Blitzauswertung“ der Datenspenden ist für Mitte Oktober 2026 geplant. Fundierte Analysen sollen gegen Jahresende folgen. Teilnehmende erhalten zudem eine individuelle Sofortanalyse ihres Feeds, die zeigt, welche politischen Akteure und Inhalte ihre persönliche Informationsumgebung prägen.
Die 2025er-Studie zeigte laut Weizenbaum-Institut, dass AfD und CDU/CSU ihre Feed-Dominanz weniger über eigene Videos als über die häufige Thematisierung in nutzergenerierten Beiträgen aufgebaut haben. Außerdem gab es eine deutliche Übereinstimmung zwischen der Wahlentscheidung der Nutzer und den Inhalten, die ihnen in ihrem Feed ausgespielt wurden. Nutzende bekamen Beiträge der Partei, die sie wählten, etwa 2,2- bis 2,7-mal häufiger angezeigt als Inhalte anderer Parteien.
(kbe)
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