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Mehrere Milliarden US-Dollar für OpenAI – von Microsoft, Nvidia und Amazon. Dieses strategische KI-Netzwerk ist eine riskante Wette, erklärt Finanzexperte Stefan Feulner.

OpenAI steht offenbar kurz vor einer Finanzierungsrunde von historischem Ausmaß. Mehrere Milliarden US-Dollar, allein 30 Milliarden von Nvidia, sollen eingesammelt werden, die Bewertung könnte auf zwischen 730 und 830 Milliarden US-Dollar steigen. Strategische Investoren wie Microsoft, Nvidia, Amazon oder SoftBank sollen sich beteiligen, später möglicherweise auch Staats- und Finanzfonds.

Wird die KI-Revolution zum teuersten Experiment der Tech-Geschichte?

Das klingt nach einer Krönung des KI-Zeitalters. Es könnte aber ebenso ein Wendepunkt sein. Eine Bewertung in dieser Größenordnung basiert weniger auf aktuellen Gewinnen, sondern vielmehr auf der Annahme dauerhafter Dominanz.

OpenAI wächst dynamisch, die Umsätze steigen kräftig. Doch Profitabilität ist bislang nicht der Treiber. Der Engpass liegt nicht in der Nachfrage, sondern in den Kosten. KI-Modelle sind extrem rechenintensiv, der Aufbau und Betrieb von Rechenzentren verschlingt Milliarden.

Stefan Feulner verfügt über rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und ist heute Head of Content führender Finanzportale wie wallstreetONLINE.de. Zudem tritt er als Börsenexperte für Smartbroker+ auf. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

OpenAI: Vorm Start-up zum digitalen Versorger

Damit verschiebt sich das Geschäftsmodell. OpenAI ist kein klassischer Softwareanbieter mit nahezu unbegrenzter Skalierung, sondern nähert sich mit hohen Fixkosten, gewaltige Vorleistungen, Abhängigkeit von Energie, Chips und Cloud-Kapazitäten einer Infrastruktur-Logik. Das erinnert weniger an ein Start-up als an einen digitalen Versorger.

Die zentrale Frage lautet daher: Ist eine Bewertung von rund 800 Milliarden US-Dollar gerechtfertigt, wenn die künftige Gewinnstruktur noch nicht einmal annähernd bewiesen ist? Historisch waren extrem hohe private Bewertungen oft Vorboten überhitzter Phasen und darauffolgender großer Korrekturen.

Investoren finanzieren nicht mehr Cashflows, sondern strategische Optionen. Und Optionen sind Annahmen, keine Garantien.

Strategische Allianzen mit Nebenwirkungen

Besonders kritisch ist die Zusammensetzung der Investoren. Wenn Chip-Hersteller, Cloud-Anbieter und Plattformkonzerne gemeinsam investieren, entsteht ein Geflecht gegenseitiger Abhängigkeiten. Ein Teil des eingesetzten Kapitals fließt indirekt wieder in die eigene Lieferkette zurück, etwa in den Kauf von GPUs oder Cloud-Kapazitäten.

Kurzfristig stabilisiert dies Umsätze im Ökosystem. Langfristig kann es jedoch die Transparenz verzerren. Hier entsteht keine echte Endkundennachfrage, es zirkuliert vielmehr Kapital innerhalb eines strategischen Netzwerks. Zudem wächst mit der Kapitalmacht auch die politische Sensibilität.

KI ist längst nicht mehr nur Wirtschaftsthema, sondern geopolitischer Faktor. Eine weitere Konzentration könnte kartellrechtliche Debatten verschärfen. Auch für den Gesamtmarkt birgt die Runde Sprengkraft. Eine 850-Milliarden-Bewertung setzt neue Maßstäbe. Andere KI-Unternehmen werden sich daran messen lassen.

Multiples könnten weiter steigen, selbst dort, wo Geschäftsmodelle noch nicht tragfähig sind. Bewertungsanker wirken psychologisch. Sie verschieben das, was Investoren als „normal“ empfinden.

Euphorie mit extremer Fallhöhe

Und hier könnte sich die Geschichte wiederholen. Wenn Kapital im dreistelligen Milliardenbereich in einen Sektor fließt, entsteht nicht nur Innovation, sondern auch Übertreibung.

Der Dotcom-Boom Anfang des Jahrtausends wurde ebenfalls von strategischen Visionen getragen. Das Internet war alternativlos. Aber nicht jede Bewertung war es, nicht einmal annähernd.

Hinzu kommt die Dynamik des Wettbewerbs. Alphabet, Meta, Anthropic und zahlreiche Start-ups investieren ebenfalls massiv. KI ist kein Monopolmarkt. Technologische Durchbrüche können Dominanz schnell relativieren. Wer heute führend ist, muss morgen erneut Milliarden investieren. Der Kapitaleinsatz ist kein einmaliger Schritt, sondern ein permanenter Wettlauf.

„Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Lehre“

Für Anleger ergibt sich daraus eine klare Lehre. Nicht jede gigantische Finanzierung ist automatisch ein Garant für überdurchschnittliche Renditen. Mega-Deals erzeugen Momentum. Jedoch ersetzt Momentum keine Margen.

Die KI-Revolution ist real. Produktivitätseffekte, Automatisierung und neue Geschäftsmodelle werden Wirtschaft und Gesellschaft verändern. Aber die entscheidende Frage bleibt: Wer verdient nachhaltig daran?

Wenn Bewertungen stärker wachsen als belastbare Gewinne, verschiebt sich das Risiko. Je größer das Kapital, desto größer die Fallhöhe. Genau das sollten Investoren im Blick behalten.

Stefan Feulner

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