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Rekordgewinne, stabile Geschäftsmodelle und überraschend starke Heimatmärkte: Die Zahlen von Allianz und Deutsche Telekom überzeugen überraschend.
Die deutschen Konzerne liefern wieder. Nicht mit Champagnerlaune, sondern so, wie Bauleute ein solides Haus errichten: Stein für Stein. Die heute vorgelegten Zahlen von Allianz und Deutscher Telekom zeigen, dass deutsche Unternehmen in der Welt ihren Standpunkt und Standort behaupten.
Der Versicherer Allianz ist dabei so etwas wie der Tanker im Sturm. Die Wellen schlagen, die Zinsen steigen, die Schäden werden teurer. Und trotzdem fährt das Schiff geradeaus. Der Versicherer hat für 2025 einen operativen Rekordgewinn von 17,4 Milliarden Euro gemeldet und erhöht die Dividende deutlich. Das ist nicht spektakulär, aber bemerkenswert.
Denn Versicherungen leben von Vertrauen, und Vertrauen wächst langsam. Dass Goldman Sachs die Aktie trotzdem nur auf „neutral“ belässt, liegt weniger an den Zahlen als an der Erwartungshaltung: Der Rekord war erwartet worden. Überraschungen bleiben aus.
Die Börse reagiert entsprechend kühl. Trotz Rekordergebnis ging die Aktie zunächst leicht ins Minus. Anleger nahmen Gewinne mit. Das klingt nach Enttäuschung, ist aber in Wahrheit ein Kompliment. Wer enttäuscht ist, hatte zuvor hohe Erwartungen.
In Wahrheit ein Kompliment
Die Stärken der Allianz liegen auf der Hand. Erstens: Stabilität. In einer Welt, die sich schneller dreht als ein Karussell auf Speed, liefern Versicherungen berechenbare Cashflows.
Zweitens: globale Präsenz. Die Allianz verdient ihr Geld nicht nur in Deutschland, sondern in den USA, in Europa und in Asien. Drittens: Preismacht. Versicherungen können steigende Risiken über Prämien weitergeben – wenn auch zeitverzögert.
Die Schwächen sind ebenfalls klar: Das Wachstum bleibt begrenzt. Versicherungen sind keine Tech-Raketen. Zudem hängt viel von der Schaden- und Unfallversicherung ab. Steigen Naturkatastrophen oder Inflation stärker als erwartet, schrumpfen die Margen. Und die Konkurrenz, etwa aus Frankreich, schläft nicht. Die Frage ist also nicht, ob die Allianz stark ist, sondern wie lange diese Stärke reicht.
Sogar der deutsche Markt erholt sich
Ganz anders das andere Schwergewicht im DAX: die Deutsche Telekom. Sie ist kein Tanker, sondern ein Netzwerk. Und Netzwerke leben davon, dass sie wachsen. Die Bonner melden steigende Umsätze und operativen Gewinn. 2025 kletterte der Umsatz um knapp drei Prozent auf rund 119 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis ebenfalls. Für 2026 peilt der Konzern ein EBITDA von rund 47,4 Milliarden Euro an, das ist mehr als Analysten erwartet hatten.
Der wichtigste Punkt aber liegt woanders. Deutschland erholt sich. Nach mehreren schwachen Quartalen wächst das Geschäft im Heimatmarkt wieder. Das klingt banal, ist aber strategisch entscheidend. Denn lange galt: Telekom wächst in den USA, stagniert in Europa. Jetzt kehrt sich das Bild langsam um.
Die Börse reagierte vorsichtig positiv. Die Aktie legte leicht zu. Kein Feuerwerk, eher ein zustimmendes Nicken. Analysten wie die von Goldman, UBS oder Bernstein empfehlen den Titel weiterhin zum Kauf. Der Grund ist simpel: Die Telekom liefert, und sie liefert verlässlich.
Die Stärken der Telekom liegen in der Kombination aus Infrastruktur und globaler Expansion. T-Mobile US bleibt der Wachstumstreiber. Gleichzeitig investiert der Konzern Milliarden in Glasfaser und KI. Wer Netze besitzt, kontrolliert die Autobahnen der digitalen Welt. Die Schwächen: hoher Kapitalbedarf, regulatorische Risiken, und ein Gewinn, der unter dem Strich zuletzt zurückging. Wachstum kostet. Zudem bleibt die Abhängigkeit von den USA groß.
Global, aber nicht heimatlos
Und trotzdem zeigen beide Konzerne eine gemeinsame Linie. Sie sind global, aber nicht heimatlos. Die Allianz versichert weltweit, aber sie versteht lokale Risiken. Die Telekom expandiert international, baut aber Netze vor Ort. Sie verdienen ihr Geld dort, wo die Kunden sind, nicht nur an den Börsen.
Das schützt insbesondere vor Zollkriegen, die andere Branchen gerade in die Verzweiflung treiben. Und das ist der entscheidende Punkt: Globalisierung funktioniert nicht mehr als Exportmodell. Sie funktioniert als Präsenzmodell. Wer vor Ort investiert, wer lokale Märkte versteht, wer Infrastruktur schafft, der gewinnt.
Deutschland hat lange geglaubt, man könne Produkte entwickeln und sie dann in die Welt schicken. Diese Zeit geht zu Ende. Jetzt zählt Nähe – zu Kunden, Märkten und Risiken. Allianz und Telekom zeigen, dass deutsche Unternehmen genau das können.
Die Märkte reagieren darauf nicht euphorisch, sondern gelassen. Und Gelassenheit ist die neue Euphorie. Sie bedeutet Vertrauen. Vertrauen in Geschäftsmodelle, die nicht vom nächsten Trend abhängen.
Die gute Nachricht lautet also: In Deutschland geht etwas. Nicht überall, nicht automatisch. Aber dort, wo Unternehmen Globalisierung als lokale Aufgabe begreifen. Wo sie nicht nur weltweit verkaufen, sondern weltweit präsent sind.
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5 Kommentare
Interesting update on Warum deutsche Top-Konzerne wieder überzeugen. Looking forward to seeing how this develops.
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