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- NVIDIA Corp. – WKN: 918422 – ISIN: US67066G1040 – Kurs: 192,090 $ (Nasdaq)
Wer die Seite nicht kennt, die Plattform liefert technisch detaillierte Recherchen zu Halbleitern, KI-Rechenzentren, Speicher, Networking und Infrastruktur. Deren Aussagen haben am Markt Gewicht. Doch gerade dieses Gewicht macht die jüngsten Fälle so problematisch. Es ging beispielsweise um gescheiterte Qualifikationen von Micron in Sachen HBM4 bei NVIDIA – alles Falschmeldungen, die aber erhebliche Auswirkungen hatten.
Am Wochenende stand mit NVIDIAs Kyber NVL144 der nächste Fall im Raum. Laut Berichten, die sich alle auf SemiAnalysis stützen, soll NVIDIAs Kyber-NVL144-Rackarchitektur wegen Fertigungsproblemen um mehr als zwölf Monate auf 2028 verschoben worden sein. Der Aktienmarkt, so kennen wir ihn die letzten Monate, liest daraus sofort ein mögliches Risiko für NVIDIAs gesamte nächste Rack-Scale-Roadmap und diverse Optics-Werte. Interessant, dass SemiAnalysis selbst einen Optics ETF auflegen möchte. Ein Schelm, wer da was Böses denkt.
Was ihr hoffentlich mittlerweile verstanden habt: Bei NVIDIA geht es nicht um einen Chip, sondern um ein Rack-System. Ein Rack ist im Grunde ein großer Schrank voller GPUs, CPUs, Switches, Stromversorgung und Kühlung. Viele GPUs müssen zusammenarbeiten, und genau diese Verbindung entscheidet darüber, wie leistungsfähig das ganze System am Ende wirklich ist.
Damit ihr auch mal die Namenswelt versteht. Die Logik ist ganz simpel. Blackwell ist die aktuelle GPU-Generation. Rubin kommt danach, Feynman soll später folgen. NVIDIA kombiniert diese GPUs mit eigenen CPUs. Deshalb steht „Vera Rubin“ nicht für einen einzelnen Chip, sondern für eine Plattform aus Vera-CPU und Rubin-GPU. Wenn zusätzlich „Ultra“ im Namen steht, meint NVIDIA eine stärkere Variante mit mehr Dies und mehr HBM-Speicher. HBM ist besonders wichtig, weil KI-Chips ständig mit Daten gefüttert werden müssen. Ohne schnellen Speicher warten selbst teure GPUs auf Daten.
Die zweite Ebene ist die Verbindung zwischen den GPUs. NVIDIA nutzt dafür NVLink. NVLink sorgt dafür, dass viele GPUs sehr schnell miteinander sprechen können. Das ist wichtig, weil große KI-Modelle auf viele GPUs verteilt werden. Wenn diese GPUs langsam miteinander kommunizieren, verliert das ganze System Leistung. NVSwitch verbindet die GPUs innerhalb dieses schnellen Verbunds. Die Zahl hinter „NVL“ zeigt, wie viele GPUs gemeinsam als eine Einheit arbeiten. NVL72 bedeutet also, dass 72 GPUs (bzw. Packages) in einem gemeinsamen Verbund arbeiten.
Aktuell nutzt NVIDIA das Rack-Design „Oberon“. In diesem System sitzen die Compute-Trays horizontal im Rack. Die GPUs werden über viele Kupferkabel mit den NVSwitches verbunden. Kupfer ist günstig, bewährt und verbraucht weniger Energie als Optik, hat aber das Problem, dass es nur über kurze Strecken gut funktioniert. Dazu gab es schon sehr viele Wissensbeiträge von mir – schaut mal hier oder eben im AktienPuls360. Deshalb müssen die GPUs sehr dicht zusammenstehen und darum packt NVIDIA so viele GPUs in ein einzelnes Rack.
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Diese Dichte schafft aber ein neues Problem: Strom und Kühlung
Ein Hopper-Rack lag noch bei 40 Kilowatt. Blackwell kommt auf 120-130 Kilowatt pro Rack. Rubin steigt auf 190-230 Kilowatt. Damit zieht ein einzelnes Rack inzwischen so viel Strom wie eine kleine Fabrik. Das Rack bestimmt mittlerweile die Strom- und Kühlarchitektur eines ganzen Rechenzentrums. Meine Favoriten bei diesem Übergang der Strom-Rechenzentrumsarchitektur habe ich exklusiv im AktienPuls360 geteilt.
Das Kyber–Rack soll mit Rubin Ultra in der zweiten Jahreshälfte 2027 kommen. Anders als Oberon stellt Kyber die Compute-Trays vertikal. Dadurch passen mehr GPUs in ein Rack. Statt 72 GPU-Packages wie bei Oberon sollen es 144 sein. Die Leistung pro Rack steigt dadurch massiv, aber auch der Strombedarf. Bei Kyber sind es um die 600 Kilowatt.
Wenn man 144 GPUs wie bisher mit Kupferkabeln verbindet, entstehen extreme Komplexität und ein riesiger Kabelaufwand. Das wäre schwer zu bauen, schwer zu warten und anfällig. NVIDIA will deshalb eine Midplane nutzen (große Leiterplatte, in die die Verbindungen direkt eingearbeitet sind). Dadurch ersetzt eine große Platine den Kabelsalat. Daher sind nach dem SemiAnalysis-Report auch Aktien wie von Amphenol, TE Connectivity oder Credo angesprungen.
Die Midplane ist aber sehr anspruchsvoll und ist fast einen Quadratmeter groß. Leiterbahnen müssen extrem präzise sein, weil sonst die Signalqualität leidet. Damit wird auch diese große Leiterplatte selbst zum kritischen Bauteil. Durch diesen Schritt sinkt die Montagezeit eines Trays von zwei Stunden auf fünf Minuten.
SemiAnalysis hatte am Wochenende berichtet, dass Kyber NVL144 wegen der Fertigbarkeit dieses Midplanes auf 2028 rutschen könnte. NVIDIA reagierte gestern Nachmittag darauf mit der Aussage, die Roadmap sei intakt.
Charttechnische Einordnung von Rocco Gräfe
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Fazit
Es geht nicht darum, dass die SemiAnalysis-Aussagen falsch sind. Die Formulierungen erzeugen viel Angst, lassen sich aber unterschiedlich auslegen. Wenn Rubin Ultra 2027 kommt, aber zunächst in anderen Rack-Formaten, können sowohl NVIDIA als auch Teile der SemiAnalysis-Aussagen formal richtig sein.
Die Angst kam mal wieder nicht aus einem klaren Beweis, dass NVIDIA seine Roadmap nicht erfüllen kann. Es war wieder eine technische Unsicherheit, die sehr dramatisch formuliert wurde. Bei so komplexen KI-Infrastruktur-Themen reicht das oft, um den ganzen Sektor zu bewegen.
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6 Kommentare
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