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Digitalisierung, Energiewende und geopolitische Aufrüstung vervielfachen die Rohstoff-Nachfrage nachhaltig. Finanzexperte Wagner erklärt, was das bedeutet.

Wir erzählen uns gern, wir lebten im Zeitalter der Schwerelosigkeit: Daten statt Stahl, Software statt Minen, Plattformen statt Pipelines. Das klingt nach Fortschritt und ist eine intellektuelle Abkürzung, denn jedes digitale Geschäftsmodell endet in etwas sehr Handfestem: Transformatoren, Kupfer für Stromleitungen, Silberkontakte, Uranbrennstäbe, Seltene Erden und der Bedarf an dieser physischen Substanz vervielfacht sich gerade.

Künstliche Intelligenz braucht Rechenzentren und diese brauchen Energie. Energie braucht Rohstoffe. Der neue Rohstoff-Superzyklus ist kein nostalgisches Comeback der Industrieökonomie oder ein kurzfristiger Investmenttrend. Er ist die materielle Basis einer Welt, die gleichzeitig digitalisiert und aufrüstet. Wer das ignoriert, investiert in Erzählungen. Wer es versteht, investiert in die materielle Realität von Macht.

Die Kupfergeschichte wiederholt sich mit politischer Nachfrage

Der Boom der 2000er war vor allem chinesisch getrieben mit Urbanisierung, Infrastruktur und Exportwachstum. Der Kupferpreis vervielfachte sich. Früh setzte etwa Jim Rogers auf diesen Zyklus – Mitgründer des Quantum Fund mit George Soros in den 1970er-Jahren.

In den 1990ern gründete er den Rogers International Commodities Index und positionierte sich offensiv gegen den damaligen Aktien-Hype. Er argumentierte, dass jahrzehntelange Unterinvestitionen im Rohstoffsektor auf eine strukturelle Nachfragewelle treffen würden.

Damals wurde er belächelt, doch dann kam der Boom. Er dachte stets in Dekaden, Angebotsschocks und Machtverschiebungen. Die Geschichte wiederholt sich gerade. Wir sehen heute erneut Unterinvestitionen – nur dass die Nachfrage heute breiter, aggressiver und politischer ist.

Ronny Wagner, Finanzstratege und Geschäftsführer der Nobel Metal Factory OHG, setzt seit fast 30 Jahren auf Rohstoffe und Edelmetalle. Er berät zu Krisenvorsorge, Vermögensschutz und finanzieller Eigenverantwortung. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Rohstoff-Bedarfe und Militärausgaben steigen parallel – kein Zufall

Der globale Kupferbedarf liegt bei rund 25 Millionen Tonnen jährlich. Schätzungen gehen davon aus, dass er sich bis Mitte der 2030er Jahre nahezu verdoppeln könnte. Neue Minen brauchen oft mehr als ein Jahrzehnt bis zur Produktion.

Parallel dazu sind die weltweiten Militärausgaben auf über zwei Billionen Dollar pro Jahr gestiegen. Diese beiden Entwicklungen verlaufen nicht zufällig gleichzeitig.

Moderne Rüstung ist rohstoffintensiv, Kampfjets enthalten Tonnen an Aluminium, Titan und Speziallegierungen. Präzisionswaffen und Radarsysteme benötigen seltene Erden und Hochleistungselektronik setzt auf Silberkontakte, militärische Kommunikation basiert auf komplexer Halbleitertechnik.

Wenn Staaten aufrüsten, steigt nicht nur das Budget. Es steigt der Bedarf an strategischen Materialien. Genau hier wird es politisch konkret. Unter Donald Trump wurden kritische Mineralien offiziell als strategisch relevante Ressourcen eingestuft. Per Executive Order wurde eine Liste „critical minerals“ definiert, auf der neben seltenen Erden auch Silber, Uran und zahlreiche weitere Materialien geführt werden.

Staatlich verankerte Rohstoffpolitik

Ziel war es, die Abhängigkeit von ausländischen Lieferketten insbesondere von China zu reduzieren und heimische Förderung sowie strategische Reserven zu stärken. Das ist keine Randnotiz, sondern staatlich verankerte Rohstoffpolitik. Wenn ein Staat bestimmte Metalle offiziell als sicherheitsrelevant klassifiziert, dann sind sie nicht mehr nur Handelsgüter, sondern Teil der nationalen Sicherheitsarchitektur.

Als Donald Trump öffentlich Interesse an Grönland äußerte, wurde das vielerorts als Kuriosität behandelt. Doch Analysen etwa vom Center for Strategic and International Studies und dem Atlantic Council verweisen auf die dort vermuteten Vorkommen seltener Erden und anderer kritischer Mineralien.

China dominiert große Teile der Verarbeitung seltener Erden. Diese Materialien sind für Hightech-Industrien und militärische Systeme essenziell. Wer strategisch denkt, denkt in Lieferketten. Die Frage, ob es bei geopolitischen Interessen auch um Rohstoffe geht, ist keine Spekulation. Sie ist nüchterne Machtanalyse.

Struktureller Druck auf begrenzte Ressourcen

Silber ist mehr als ein Edelmetall. Rund die Hälfte der globalen Nachfrage ist industriell. Es steckt in Photovoltaik, Elektronik, Sensorik. Energiewende, Digitalisierung und militärische Modernisierung erhöhen die strukturelle Nachfrage.

Uran erlebt ein Comeback, weil Kernenergie neu bewertet wird – nicht aus Idealismus, sondern aus Sicherheitsdenken, denn Energieunabhängigkeit ist nationale Sicherheit. Reaktorneubauten und langfristige Lieferverträge spiegeln diese strategische Neubewertung wider.

Wenn Energiepolitik, Digitalisierung und Aufrüstung zusammenlaufen, entsteht kein normaler Konjunkturimpuls. Es entsteht ein struktureller Druck auf begrenzte Ressourcen.

Wie steigende Rohstoff-Bedarfe das gesamte System verteuern

Das Entscheidende ist nicht nur die steigende Nachfrage, es ist die Nichtlinearität. Nachfrage kann schnell wachsen, Angebot jedoch nicht, denn Minen brauchen Jahre. Genehmigungen dauern. Politische Risiken verzögern Projekte. Gleichzeitig konkurrieren Staaten, Tech-Konzerne und Militärs um dieselben Materialien.

Das ist kein Markt mit sanften Anpassungen. Es ist ein Markt mit Sprüngen. Rogers verstand genau diese Dynamik und wusste: Rohstoffzyklen sind selten linear. Sie sind Überreaktionen auf lange Vernachlässigung.

Hier kommt der Punkt, den viele unterschätzen: Rohstoffe stehen immer am Anfang jeder Wertschöpfungskette. Wenn Kupfer, Energie, Silber oder Uran strukturell teurer werden, verteuert sich das gesamte System. Höhere Energiepreise schlagen auf Produktion, Transport und Dienstleistungen durch. Steigende Metallpreise verteuern Infrastruktur, Maschinenbau, Baukosten und Technologie.

Auswirkungen auch für Verbraucher

Wenn ein Rohstoff-Superzyklus strukturell und nicht nur zyklisch ist, dann wird er neben Assetpreisen auch Verbraucherpreise beeinflussen. In einer Welt, in der Staaten gleichzeitig aufrüsten, Energiewende betreiben und Lieferketten regionalisieren, steigen die Kosten der Resilienz.

Sicherheit ist teurer als Globalisierung. Das bedeutet: strukturell höherer Kostendruck. Und damit höhere Inflationsraten als in der Phase billiger Energie und globaler Überkapazitäten. Nicht hyperinflationär, aber dauerhaft höher als die vergangenen Dekaden ultraniedriger Teuerung.

Ronny Wagner

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