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Minus 10 Prozent bei Gold, minus 35 Prozent bei Silber – an nur einem Tag: Der Edelmetallmarkt befindet sich im Ausnahmezustand. Was ist da los?

Die Ausschläge an den Edelmetallmärkten im Januar und Februar 2026 waren extrem. Gold und Silber stiegen zunächst in eine Phase ein, die eher an Momentum-Märkte erinnert als an das klassische Bild vom Stabilitätsanker – und drehten dann in scharfe Abverkäufe.

Am 30. Januar 2026 verlor Gold zwischenzeitlich mehr als 10 Prozent und Silber brach um 35 Prozent ein. Auslöser waren nicht nur Gewinnmitnahmen, sondern auch ein Cocktail aus Positionierungsabbau, Margin-Effekten und einem Stimmungsumschwung, der sich binnen Stunden durch die Märkte fraß.

Von wegen Gold ist tot: Die Spielregeln haben sich nur verschoben

Reuters berichtete in diesem Zusammenhang über einen breiten Rohstoff-Rutsch und steigende Margin-Anforderungen nach der abrupten Bewegung. Gleichzeitig gilt: Die strukturellen Gründe, die Gold und Silber in den vergangenen Jahren gestützt haben, sind nicht verschwunden.

Sebastian Wieschowski ist leidenschaftlicher Münzsammler und Fachmann für Numismatik und Edelmetalle. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.

Im Gegenteil – die Nachfragebasis hat sich teils sogar verbreitert. Der World Gold Council meldete für 2025 Rekordwerte bei der Gesamtnachfrage, getrieben insbesondere durch Investmentnachfrage (beispielsweise ETF-Zuflüsse sowie physische Nachfrage nach Barren und Münzen), während die Nachfrage aus der Schmuckindustrie unter hohen Preisen leitet.

 

Der Kern der aktuellen Debatte lautet daher nicht „Gold ist tot“ oder „Silber ist überflüssig“, sondern: Die Spielregeln haben sich verschoben. 

Edelmetalle verhalten sich kurzfristig stärker wie risikobehaftete Assets – und verlangen von Anlegern eine professionellere Herangehensweise. 

Der gegenwärtige „Regimewechsel“ am Edelmetallmarkt ist weniger eine neue Fundamentallogik und eher eine neue Marktmechanik.

Mehr spekulatives Kapital, mehr Hebel, mehr Zwangsliquidationen

In Phasen schneller Anstiege baut sich häufig eine gehebelte Positionierung auf. Mit „Hebel“ ist gemeint, dass Anleger über Hebelprodukte, also vor allem Optionsscheine oder Zertifikate profitieren wollen. Diese Produkte ermöglichen, den Gewinn bei der Spekulation auf steigende oder fallende Preise zu vervielfachen.

Steigt Gold um zwei Prozent und liegt der Hebel bei Faktor 3, erzielt der Anleger also eine Rendite von sechs Prozent. Allerdings wirkt dieser Mechanismus auch in die entgegengesetzte Richtung – nicht nur Gewinne werden potenziert, sondern auch Verluste.

Dreht der Markt, werden Stopps gerissen, Margins (also die Sicherheitsleistungen für die Teilnahme an solchen Finanzwetten) steigen, Positionen werden zwangsweise reduziert. Das verstärkt die Bewegungen – nach oben wie nach unten.

ETF-Flüsse und Retail-Verhalten wirken als Beschleuniger

Besonders bei Silber sind die Märkte „dünner“ als bei Gold: Preissprünge können dadurch heftiger ausfallen.

Die „Financial Times” berichtete Anfang Februar über erhebliche Zuflüsse privater Anleger einen den großen Silber-ETF, ausgerechnet in eine Phase hinein, in der der Preis stark gefallen war. 

Das ist kein Beweis für „richtig“ oder „falsch“, aber ein Signal: Silber wird stärker als volatilitätsgetriebenes Spekulationsvehikel gehandelt.

Makro-Impulse wirken kurzfristig dominanter

Ein konkreter Trigger der jüngsten Bewegung war der Stimmungswechsel nach politischen und geldpolitischen Signalen in den USA. Reuters führte den Rohstoff-Rutsch unter anderem auf die Marktreaktion rund um die Personalie des künftigen Fed-Chefs zurück.

Auch Reuters berichtete über Rekordstände und anschließende Rücksetzer bei Gold im Kontext genau dieses Ereignisfensters.

Gold–Silber-Verhältnis wird wieder zum Risikobarometer

Das Gold–Silber-Verhältnis fiel im Januar zeitweise unter 50 – ein seltener Wert, den Forbes als bemerkenswertes Signal einordnete. Solche Extremwerte sind weniger „Prognosen“ als Hinweise auf Überhitzung – oft gefolgt von Normalisierung, die bei Silber typischerweise über stärkere Gegenbewegungen läuft.

Positionsbestimmung: Sicherheit oder Spekulation?

Im Edelmetallmarkt etablieren sich gerade neuen Spielregeln. Zu allererst: Anleger sollten sich bewusst machen, warum sie Gold oder Silber kaufen. Absicherung ist nicht gleich Trading. Gold als strategische Versicherung funktioniert in der Regel über Jahre, nicht über Tage.

Im neuen Regime kann Gold kurzfristig trotzdem wie ein Risk-Asset schwanken – die Absicherungsfunktion ist damit nicht weg, aber weniger verlässlich im Wochenfenster. Wer Gold als Krisenversicherung hält, sollte die Position also nicht an kurzfristigen Bewegungen messen.

Wer Rendite in Wochen oder Monaten sucht, betreibt de facto Trading – mit anderer Risikologik.

Privatanleger: Finger weg von Hebelprodukten

Außerdem sollten Privatanleger genau prüfen, ob sie mit den Folgen einer gehebelten Spekulation klarkommen. Im neuen Umfeld versprechen Hebelprodukte nicht nur Chancen, sie sind häufig der Grund, warum Anleger im falschen Moment aus dem Markt gedrückt werden – durch Stopps, Margins, Zwangsliquidationen.

Die Konsequenz für Sie als Privatanleger: Wenn Sie Ihr Portfolio nicht professionell (also praktisch rund um die Uhr) managen: Kein Hebel, keine CFDs, keine zu engen Knock-outs, keine übergroßen Futures-Positionen. Wenn Sie hebeln, dann nur mit klarer Verlusttoleranz, definierter Liquiditätsreserve und dem Bewusstsein, dass die Margins (also die Sicherheitsleistungen) steigen können.

Silber ist nicht „kleines Gold“, sondern ein eigenes Risiko-Asset

Silber reagiert stärker, weil es zusätzlich neben der Investment-Nachfrage einen industriellen Hebel hat – und weil Marktstruktur und Liquidität völlig anders sind. Wenn Retail-Zuflüsse und Momentum zusammenkommen, wird es besonders extrem.

Die Konsequenz für Privatanleger: Silber eignet sich eher als Baustein mit einem kleinen Anteil, nicht als „Basisanlage“. Wer Silber kauft, muss Bewegungen aushalten können, die bei Gold ungewöhnlich wären.

Liquidität wird zur Sicherheitsfrage

Im neuen Regime entscheidet nicht nur „Recht haben“, sondern „durchhalten können“. Wer in einer Korrektur verkaufen muss, realisiert Verluste – unabhängig davon, ob die Langfriststory stimmt.

Deshalb sollten Privatanleger stets eine Liquiditätsreserve außerhalb der Edelmetallpositionen halten, und Konstruktionen vermeiden, die bei Volatilität zusätzlichen Cashbedarf auslösen (zum Beispiel stark gehebelte Instrumente).

Langfristiger Investment-Horizont statt kurzfristiger Trades

Wenn die Schwankungsbreite zunimmt, sollten Sie als Privatanleger das Timing-Risiko reduzieren. Das heißt: Arbeiten Sie mit Tranchen (zum Beispiel monatlich oder vierteljährlich), statt „alles auf einmal“.

Definieren Sie vorher Ihren Anlagehorizont, ihre gewünschte Rendite und legen Sie auch Rebalancing-Regeln fest (wenn Ihr Goldbestand durch Wertzuwächse einen zu hohen Anteil am Portfolio einnimmt).

Wie könnte es weitergehen?

Eine belastbare Prognose ist im gegenwärtigen hochvolatilen Regime unseriös, doch die Leitplanken des Edelmetallmarktes im Jahr 2026 sind absehbar. Die Volatilität bleibt wahrscheinlich erhöht.

Nach solchen Bewegungen folgt oft eine längere Phase der „Enthebelung“ und Neupositionierung. Das spricht eher für Monate als für Wochen, bis sich das Marktverhalten beruhigt.

Gold dürfte aufgrund der vielen Argumente, die weiterhin ihre Gültigkeit haben, vom Rückenwind durch die Investoren- und Notenbanknachfrage profitieren, aber anfällig für Makro-Schocks bleiben. Bei Silber ist die langfristige Erfolgsgeschichte ebenfalls weiter gültig, aber es bleibt das riskantere Investment.

Wer Silber spielt, spielt Volatilität – auch dann, wenn die fundamentalen Argumente (Anwendungsnachfrage, Angebotslage, Investmentinteresse) grundsätzlich intakt sind.

Auch hier lohnt sich ein Investment

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Sebastian Wieschowski

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6 Kommentare

  1. Interesting update on Wer denkt, Gold sei tot, kennt nur die neuen Spielregeln noch nicht. Looking forward to seeing how this develops.

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