Der Münchner Anbieter von Cloud-Telefonie NFON hat den ausführlichen Bericht zum ersten Halbjahr 2026 veröffentlicht. Neue Überraschungen enthält er nicht: Die Eckdaten waren bereits in der Woche zuvor gemeinsam mit einer Senkung der Jahresprognose vorab bekannt gegeben worden. Der Halbjahresumsatz sank um 3,8 Prozent auf 42,5 Millionen Euro, im zweiten Quartal fiel der Rückgang mit 5,2 Prozent auf 20,9 Millionen Euro deutlicher aus.
Wiederkehrende Erlöse dominieren, Projektgeschäft bricht ein
Die Struktur der Umsätze verschob sich weiter zugunsten der Abonnements. Die wiederkehrenden Erlöse lagen im zweiten Quartal bei 19,8 Millionen Euro und damit 3,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das einmalige Geschäft mit Projekten und Hardware brach dagegen um 26,8 Prozent auf 1,2 Millionen Euro ein. In der Folge stieg der Anteil wiederkehrender Umsätze auf 94,4 Prozent. Für ein Abomodell ist dieser Anteil eine zentrale Kennzahl, weil er die Planbarkeit der Erlöse beschreibt – zugleich fehlt damit aber der Puffer aus dem Projektgeschäft.
Rückgang bei den Nebenstellen
Deutlicher als der Umsatz gab die Nutzerbasis nach: Die Zahl der Seats verringerte sich um 4,2 Prozent auf 630.000. Als Seats werden die einzelnen angebundenen Nebenstellen beziehungsweise Arbeitsplätze bezeichnet, sie sind für NFON die maßgebliche Mengengröße. Ein Teil des Rückgangs geht auf eine bewusste Bereinigung des Produktportfolios zurück. Nach Einschätzung des Analysehauses NuWays überwiegt jedoch echte Kündigungsquote, die auf anhaltende Zurückhaltung bei Unternehmensausgaben und verschobene IT-Budgets zurückgeführt wird.
Der durchschnittliche Erlös je Nebenstelle konnte den Mengenrückgang nur teilweise ausgleichen. Der Blended ARPU verbesserte sich leicht auf 9,95 Euro, ein Plus von drei Cent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich dafür waren gezielte Preisanpassungen und ein höherer Anteil von Premiumlösungen im Produktmix.
KI-Produkte wachsen, sind aber noch zu klein
Die neueren Softwareangebote entwickelten sich gegen den Trend. Der Intelligent Assistant legte bei den wiederkehrenden Umsätzen um 39 Prozent zu, das Produkt Customer Engagement um 12 Prozent. Beide zusammen mit weiteren KI-nahen Angeboten stehen laut NuWays allerdings erst für rund zehn Prozent der Gesamterlöse. Diese Größenordnung reicht bislang nicht aus, um die Schwäche im klassischen Telefoniegeschäft zu kompensieren. Die Analysten werten die Verschiebung dennoch als Bewegung in die richtige Richtung und sehen den Umsatztiefpunkt im laufenden Jahr erreicht – vorausgesetzt, der Abrieb bei den klassischen Anschlüssen beschleunigt sich nicht weiter.
Ergebnis erholt sich gegenüber dem Auftaktquartal
Beim Ergebnis zeigte sich im Quartalsvergleich eine Verbesserung. Das bereinigte EBITDA lag im zweiten Quartal bei 2,6 Millionen Euro, ein Minus von 14,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die entsprechende Marge von 12,5 Prozent lag jedoch 4,3 Prozentpunkte über dem ersten Quartal. Getragen wurde die Erholung vor allem von geringeren sonstigen betrieblichen Aufwendungen.
Zusätzlich fiel eine Restrukturierungsbelastung von 0,5 Millionen Euro an, die als Bereinigungsposten verbucht wurde. Sie betrifft im Wesentlichen die Support-Organisation, in der Stellen abgebaut und Tätigkeiten ins nähere Ausland verlagert wurden. Die Personalkosten selbst blieben stabil, die unbereinigte Personalkostenquote stieg gegenüber dem Vorjahr um 0,9 Prozentpunkte und gegenüber dem Vorquartal um 1,5 Prozentpunkte.
Zweites Halbjahr muss die Marge liefern
Die gesenkte Jahresprognose sieht einen Umsatz von 84,5 bis 86,0 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von 9,5 bis 10,5 Millionen Euro vor. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Halbjahresumsatz von 42,0 bis 43,5 Millionen Euro im zweiten Halbjahr, was am Mittelwert einem Rückgang von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspräche. Die implizierte bereinigte EBITDA-Marge von 11,7 bis 14,5 Prozent liegt über den 10,4 Prozent des ersten Halbjahres, aber unter den 15,4 Prozent des Vorjahreszeitraums.
NuWays hält die Umbauten im Support allein nicht für ausreichend, um diese Lücke zu schließen. Zusätzlich müssten sich der Produktmix verbessern und verschobene Projekte tatsächlich realisiert werden. Die Analysten positionieren sich deshalb am unteren Ende der Ergebnisspanne. Insgesamt bewerten sie das Halbjahr als Übergangsphase und nicht als strukturelles Problem des Geschäftsmodells; entscheidend sei die Entwicklung der Seat-Zahl im zweiten Halbjahr, da der Mixeffekt erst auf einer stabilisierten Basis wirke. NuWays bestätigte die Einstufung mit einem Kursziel von 5,00 Euro auf Basis eines Discounted-Cashflow-Modells.
Die NFON-Aktie notierte im Xetra-Handel am 20. August 2026 bei 3,730 Euro und damit 1,63 Prozent im Plus.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Aktuelle Nachrichten
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