Der Cloud-Kommunikationsanbieter NFON hat nach der Senkung der Jahresprognose in der Vorwoche und vorläufigen Eckdaten nun den vollständigen Bericht zum ersten Halbjahr veröffentlicht. Die Zahlen bestätigen das bereits vorab kommunizierte Bild: Der Halbjahresumsatz sank um 3,8 Prozent auf 42,5 Millionen Euro. Im zweiten Quartal allein lag der Rückgang bei 5,2 Prozent auf 20,9 Millionen Euro.

Wiederkehrende Erlöse stabiler als Projektgeschäft

Innerhalb des Umsatzes verlief die Entwicklung unterschiedlich. Die wiederkehrenden Erlöse – also Abonnement- und Nutzungsgebühren, die planbar Monat für Monat anfallen – kamen auf 19,8 Millionen Euro und gaben um 3,6 Prozent nach. Deutlich stärker traf es das einmalige Geschäft: Die nicht wiederkehrenden Erlöse brachen um 26,8 Prozent auf 1,2 Millionen Euro ein, was auf ein geringeres Projektvolumen und rückläufige Hardwareverkäufe zurückgeführt wird. In der Folge stieg der Anteil der wiederkehrenden Umsätze auf 94,4 Prozent.

Unter der Oberfläche zeigt sich der eigentliche Druckpunkt bei der Kundenbasis: Die Zahl der Nebenstellen (Seats) fiel um 4,2 Prozent auf 630.000. Ein Teil davon geht auf die bewusste Vereinfachung des Produktportfolios zurück. Überwiegend handelt es sich nach Einschätzung der Analysten von NuWays jedoch um echte Kündigungen, hinter denen eine anhaltende Zurückhaltung der Unternehmen bei IT-Budgets steht.

ARPU legt leicht zu, KI-Produkte wachsen

Beim durchschnittlichen Umsatz je Nebenstelle konnte NFON gegensteuern. Der ARPU verbesserte sich leicht auf 9,95 Euro, ein Plus von drei Cent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Als Gründe nennt das Unternehmen gezielte Preisanpassungen und einen höheren Anteil höherwertiger Lösungen.

Wachstumsimpulse liefern die KI-gestützten Produkte. Die wiederkehrenden Umsätze mit dem Intelligent Assistant stiegen um 39 Prozent, Customer Engagement legte um 12 Prozent zu. Beide Bereiche zusammen machen allerdings erst rund zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus und können den Rückgang im klassischen Telefoniegeschäft damit noch nicht ausgleichen. NuWays wertet die Verschiebung des Produktmixes dennoch als Bewegung in die richtige Richtung und geht davon aus, dass der Umsatztiefpunkt in diesem Jahr erreicht wird – vorausgesetzt, die Abwanderung im PBX-Altgeschäft beschleunigt sich nicht weiter.

Ergebnis im zweiten Quartal sequenziell besser

Beim Ergebnis zeigte das zweite Quartal eine Verbesserung gegenüber den ersten drei Monaten. Das bereinigte EBITDA lag bei 2,6 Millionen Euro und damit 14,6 Prozent unter Vorjahr, entsprechend einer Marge von 12,5 Prozent. Gegenüber dem Vorquartal bedeutet das einen Anstieg um 4,3 Prozentpunkte.

Getragen wurde die Verbesserung vor allem von niedrigeren sonstigen betrieblichen Aufwendungen. Zusätzlich wurde eine Restrukturierungsbelastung von 0,5 Millionen Euro als Sondereffekt herausgerechnet. Sie betrifft im Wesentlichen die Support-Organisation, wo NFON Stellen abgebaut und Aufgaben ins nähere Ausland verlagert hat. Die Personalkosten selbst blieben stabil, die entsprechende Kostenquote stieg unbereinigt um 0,9 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr und um 1,5 Prozentpunkte gegenüber dem Vorquartal.

Zweites Halbjahr muss die Marge tragen

Die angepasste Jahresprognose sieht einen Umsatz von 84,5 bis 86,0 Millionen Euro und ein bereinigtes EBITDA von 9,5 bis 10,5 Millionen Euro vor. Rechnerisch bleiben damit für die zweite Jahreshälfte 42,0 bis 43,5 Millionen Euro Umsatz, was am Mittelwert einem Rückgang von 4,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Die implizite bereinigte EBITDA-Marge im zweiten Halbjahr liegt bei 11,7 bis 14,5 Prozent – nach 15,4 Prozent im zweiten Halbjahr 2025 und 10,4 Prozent im abgelaufenen ersten Halbjahr.

Aus Sicht von NuWays reicht die Restrukturierung im Support allein nicht aus, um diese Lücke zu schließen. Zusätzlich müssten sich der verbesserte Produktmix und verschobenes Projektgeschäft tatsächlich in Zahlen niederschlagen. Die Analysten positionieren sich daher am unteren Ende der EBITDA-Spanne.

Übergangsjahr statt Bruch im Geschäftsmodell

In der Gesamtschau bewertet NuWays das erste Halbjahr als Bestätigung eines Übergangsjahres und nicht als Zeichen eines beschädigten Geschäftsmodells: Der ARPU halte sich, Intelligent Assistant und Customer Engagement wüchsen mit Raten, die relevant würden, sobald die Basis groß genug sei. Entscheidend sei die Entwicklung der Seat-Zahl im zweiten Halbjahr, da sich die Verschiebung des Produktmixes erst gegen eine stabilisierte Kundenbasis auszahle. In ihrer Studie bestätigten die Analysten ihre Einstufung mit einem auf einem DCF-Modell basierenden Kursziel von 5,00 Euro.

Quelle: Nachrichten Ticker – Kategorie: Aktien & Indizes – www.wallstreet-online.de

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