NVIDIA hat in einer Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC – einem sogenannten 8-K, das wesentliche Ereignisse zwischen zwei Quartalsberichten dokumentiert – offengelegt, was viele Berichte als schlichte Partnerschaft beschrieben haben. Es handelt sich um etwas anderes: NVIDIA übernimmt Restwertgarantien für Leasingverträge an einem großen KI-Rechenzentrum in Ohio, mit einer OpenAI-Tochter als Mieterin und einer Haftungsobergrenze von bis zu 105 Milliarden US-Dollar.

NVIDIA Corporation

ISIN US67066G1040

Chart: Nasdaq, 3 Monate · Kursangabe im Text: Schlusskurs vom 21. August 2026

Was das für Aktionärinnen und Aktionäre bedeutet: NVIDIA trägt künftig ein Ausfallrisiko, das direkt an die Zahlungsfähigkeit von OpenAI geknüpft ist. Kommt es zu einer Insolvenz oder einem Zahlungsausfall des Mieters, muss NVIDIA die Differenz zwischen dem garantierten Mindestwert der Leasingverträge und den tatsächlich erzielten Erlösen aus Neuvermietung oder Verkauf ausgleichen. Die kumulierte Zahlungspflicht ist auf 105 Milliarden US-Dollar begrenzt – vorausgesetzt, der Vermieter hat die vereinbarten Bereitschaftsbedingungen erfüllt.

Im Einzelnen sieht die Vereinbarung so aus: NVIDIA hat mehrere Restwertgarantien mit SB Energy Corp. abgeschlossen, dem Vermieter des sogenannten PORTS Technology Campus im Landkreis Pike County in Ohio. Die Garantien beziehen sich auf IT-Last von insgesamt rund 4,25 Gigawatt. Zusätzlich hat sich NVIDIA das Recht gesichert, nach eigenem Ermessen Kreditsicherheiten für weitere rund 3,8 Gigawatt bereitzustellen – ob und wann davon Gebrauch gemacht wird, liegt allein bei NVIDIA.

Tritt ein Ausfallfall ein, stehen NVIDIA mehrere Optionen offen: Es kann den Mietvertrag selbst übernehmen, den Vermieter zur Suche eines neuen Mieters veranlassen, einen Verkaufsprozess einleiten, den Vertrag auflaufen lassen oder diese Entscheidung bis zu ein Jahr aufschieben – gegen Zahlung bestimmter Projektkosten. OpenAI hat vereinbart, NVIDIA für alle tatsächlich geleisteten Zahlungen an SB Energy zu entschädigen. Die Garantien enden spätestens zwanzig Jahre nach Beginn des jeweiligen Mietvertrags, früher, wenn OpenAI eine hinreichende Bonitätseinstufung erreicht oder der Vertrag regulär endet.

Die Rechenzentrumskapazität am Standort soll von OpenAI genutzt werden, um NVIDIAs eigene KI-Plattform namens DSX AI Factory zu betreiben. Frühestens ab 2028 soll der Standort betriebsbereit sein – abhängig davon, wann SB Energy die vereinbarten Bereitschaftsvoraussetzungen erfüllt.

Die NVIDIA-Aktie schloss am 21. August bei 214,72 US-Dollar und gab damit gegenüber dem Vortag rund ein Prozent nach.

Wie hoch das Risiko tatsächlich wiegt, hängt letztlich davon ab, ob OpenAI seinen Verpflichtungen nachkommt – und ob die Rückerstattungszusage im Ernstfall durchsetzbar ist.

Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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