Continental AG XETR: CON

Die portugiesische Fondsgesellschaft Oxy Capital SGOIC, S.A. hat sich zu den Halbjahreszahlen der irischen Reederei- und Logistikgruppe Irish Continental Group plc (ICG) geäußert und ihre Ablehnung des laufenden Übernahmeangebots bekräftigt. Oxy Capital hält das Gebot von 8,00 Euro je Aktie weiterhin für nicht ausreichend und fordert die übrigen unabhängigen Aktionäre auf, bei den anberaumten Versammlungen gegen die vorgeschlagenen Beschlüsse zu stimmen.

Hinter dem Angebot steht ein Management-Buy-out (MBO), also ein Übernahmeversuch, an dem Teile der Unternehmensführung selbst beteiligt sind. Über die Transaktion soll auf einer sogenannten Scheme Meeting sowie einer außerordentlichen Hauptversammlung entschieden werden. Beide Versammlungen sind für den 28. August 2026 einberufen. Die Zustimmung der Aktionäre ist Voraussetzung dafür, dass die Struktur wirksam wird.

Was Oxy Capital aus den Zahlen liest

Nach Lesart des Investors bestätigen die veröffentlichten Halbjahreszahlen die eigene Bewertungsthese. Oxy Capital traut ICG ein laufendes EBITDA vor IFRS 16 von mindestens 150 Millionen Euro zu sowie einen freien Cashflow vor Zinsaufwand und Schuldendienst von mehr als 120 Millionen Euro. Bezogen auf den Angebotspreis von 8,00 Euro je Aktie ergebe sich daraus eine unverschuldete Rendite von mindestens 9 Prozent. Die Kennzahl EBITDA vor IFRS 16 klammert die bilanziellen Effekte des Leasingstandards aus und soll die operative Ertragskraft unabhängig von Miet- und Leasingverträgen abbilden.

Im ersten Halbjahr legte der Umsatz nach Angaben von Oxy Capital um 16 Prozent zu, das EBITDA vor IFRS 16 stieg um 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die aus Sicht des Investors solide operative Entwicklung sei durch mehrere Sondereffekte überlagert worden: die letzte Stufe steigender Kosten aus dem EU-Emissionshandelssystem (ETS), deutlich höhere Treibstoffzuschläge sowie die Einführung des europäischen Ein- und Ausreisesystems (Entry/Exit System) an den Außengrenzen.

Für die zweite Jahreshälfte erwartet Oxy Capital ein spürbar günstigeres Umfeld. Das Unternehmen selbst weise darauf hin, dass rund zwei Drittel des Konzern-EBITDA typischerweise im zweiten Halbjahr anfallen. Das Fährgeschäft ist stark saisonabhängig, weil das Passagieraufkommen in den Sommermonaten seinen Höhepunkt erreicht.

Ausschüttung statt Verkauf

Der Investor argumentiert, den Aktionären stehe bereits heute eine Alternative zum Verkauf offen. In der Mitteilung heißt es wörtlich: „Aus unserer Sicht verfügen die Aktionäre von ICG bereits über eine Alternative, die einen überlegenen Wert liefern kann: die Aktien zu behalten und die Cashgenerierung des Unternehmens an die Aktionäre auszuschütten.“

Rechnerisch untermauert Oxy Capital dies mit dem Nettoergebnis, das den freien Cashflow nach eigener Einschätzung deutlich unterzeichnet. Eine vollständige Ausschüttung des Nettogewinns entspräche auf Basis der Zahlen für 2025 einer Rendite von 6,3 Prozent, gemessen am aktuellen Kurs; für 2026 erwartet der Investor mindestens 7 Prozent. Dabei handele es sich im Kern um ein Geschäft ohne nennenswerte Verschuldung.

Für den aus Sicht des Investors gedrückten Aktienkurs macht Oxy Capital auch das Unternehmen selbst mitverantwortlich. Es fehlten klare Ausschüttungsziele, eine Investor-Relations-Funktion und Analystenkonferenzen zu den Ergebnissen – Punkte, die nach Darstellung des Investors sämtlich im Einflussbereich des Verwaltungsrats liegen.

Antwort auf das unabhängige Board

Die Veröffentlichung reagiert zugleich auf öffentliche Äußerungen des unabhängigen Gremiums von ICG. Oxy Capital nimmt darin Bezug auf die Stellungnahme des Independent Board vom 18. August. Am Tag der Oxy-Mitteilung meldete sich das unabhängige Gremium erneut mit einem Update zum empfohlenen Barangebot zu Wort.

Die Position des Investors bleibt unverändert: 8,00 Euro je Aktie entschädigten die Aktionäre nicht angemessen dafür, auf künftige Erträge zu verzichten. Eine vollständige Fassung der Mitteilung hat Oxy Capital auf der eigenen Website hinterlegt. Als Ansprechpartner ist Leonel Lucas genannt.

Marktumfeld

Die ICG-Zahlen zum ersten Halbjahr waren bereits am Mittwoch veröffentlicht worden. Neben dem Umsatzplus von 16 Prozent meldete das Unternehmen einen rückläufigen Zwischengewinn und strich die Dividende. Im Frankfurter Handel notierte die ICG-Aktie am 20. August 2026 bei 6,94 Euro und damit 5,71 Prozent im Minus. Die Aktie ist im irischen Leitindex ISEQ-20 gelistet und wird der Branche Logistik und Transport zugeordnet.

Wie die Abstimmung am 28. August ausgeht, ist offen. Entscheidend dürfte sein, wie viele der unabhängigen Aktionäre der Argumentation von Oxy Capital folgen und wie hoch die erforderlichen Zustimmungsquoten für das Scheme ausfallen.

Quelle: FinanzNachrichten.de: News

Dieser Beitrag ist eine journalistische Einordnung und keine Anlageberatung. Er stellt keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

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