Wachstum, Preise und die geldpolitische Antwort darauf bestimmen den Terminkalender der kommenden Woche. Nach einer Übersicht von Dow Jones Newswires stehen die zweiten BIP-Veröffentlichungen für das zweite Quartal in Deutschland und den USA, das Ifo-Geschäftsklima, Inflationsdaten aus den USA, Frankreich und Spanien, das Protokoll der EZB-Ratssitzung sowie das geldpolitische Symposium in Jackson Hole auf dem Programm. Hinzu kommt ein Vorbereitungstreffen der G20 in den USA.
Deutsches BIP: Bestätigung von 0,2 Prozent erwartet
Den Auftakt macht am Dienstag um 8.00 Uhr das Statistische Bundesamt mit den detaillierten Zahlen zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal. Nach vorläufigen Berechnungen legte das Bruttoinlandsprodukt um 0,2 Prozent zu, nach 0,4 Prozent im ersten Quartal. Analysten erwarten, dass Destatis den vorläufigen Wert von 0,2 Prozent bestätigt. Die Erholung fällt damit robuster aus, als es nach dem Beginn des Iran-Kriegs im Februar erwartet worden war.
Ifo-Index: Volkswirte rechnen mit leichtem Anstieg
Zwei Stunden später folgt das Ifo-Geschäftsklima für August. Die aktuellen Aktivitätsindikatoren zeichneten zuletzt ein etwas schwächeres Bild als die rückwärtsgewandten BIP-Daten. Für das dritte Quartal wird eine Abkühlung des Wachstums erwartet – ausschlaggebend ist dabei nach Einschätzung von Dow Jones Newswires weniger die anhaltende Sperrung der Straße von Hormus als vielmehr die Bremswirkung niedriger Wasserstände wichtiger Flüsse, vor allem des Rheins, auf den industriellen Aufschwung. Das Thema dürfte sich in der Ifo-Umfrage niedergeschlagen haben. Dennoch prognostizieren die befragten Volkswirte einen Anstieg des Ifo-Index auf 87,1 Punkte nach 86,6 im Juli.
USA: BIP-Revision und PCE-Deflator am Mittwoch
Am Mittwoch um 14.30 Uhr veröffentlicht das Bureau of Economic Analysis (BEA) die zweite Schätzung zum US-Bruttoinlandsprodukt. Ende Juli hatte die Behörde ein auf das Jahr hochgerechnetes Wachstum von 1,5 Prozent im zweiten Quartal gemeldet, nach 2,1 Prozent im ersten Jahresviertel. Der Factset-Konsens geht davon aus, dass der vorläufige Wert bestätigt wird.
Zeitgleich kommen die Inflationsdaten für Juli. Der PCE-Deflator, der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben, dürfte gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen sein. Im Jahresvergleich erwarten Analysten eine Rate von 3,6 Prozent nach 3,7 Prozent im Juni. Für den von der Federal Reserve besonders beachteten Kernindex ohne Nahrungsmittel und Energie werden ein monatliches Plus von 0,2 Prozent und eine Jahresrate von 3,2 Prozent nach zuvor 3,3 Prozent prognostiziert.
Jackson Hole: Erster großer Auftritt von Kevin Warsh
Den Höhepunkt der Woche markiert das geldpolitische Symposium in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. Traditionell eröffnet der amtierende Fed-Vorsitzende die Konferenz am Freitag um 16.00 Uhr; mehrere seiner Vorgänger nutzten den Termin für programmatische Reden. Diesmal spricht mit Kevin Warsh erstmals der neue Fed-Chairman. Unter Marktteilnehmern besteht laut Dow Jones Newswires Verunsicherung, weil sich der Notenbankchef bislang sparsam geäußert hat. Thema und Rednerliste des Symposiums werden üblicherweise erst kurz vor Beginn bekannt gegeben.
Ein weiterer Termin steht bereits fest: EZB-Direktorin Isabel Schnabel nimmt am Freitag ab 17.55 Uhr an einem Panel zum Thema „Financial Innovation: Implications for Payments and Policy“ teil.
EZB-Protokoll und Preisdaten aus Frankreich und Spanien
Am Donnerstag um 13.30 Uhr veröffentlicht die EZB das Protokoll ihrer Ratssitzung vom 22. und 23. Juli. Der Rat hatte den Leitzins bei 2,25 Prozent belassen, zugleich hatte Präsidentin Christine Lagarde erklärt, einige Ratsmitglieder hätten eine sofortige Zinsanhebung für erwägenswert gehalten. Damit rückte eine mögliche Entscheidung im September in den Blick. Der Inflationsausblick hat sich seither nicht verbessert; zum Zeitpunkt der Julisitzung war gerade eine Sperrung des Roten Meers für den Tankerverkehr in Kraft getreten.
Vor der nächsten Ratssitzung am 10. September rücken die Verbraucherpreise in den Mittelpunkt. Frankreich und Spanien melden am Freitag um 8.45 Uhr beziehungsweise 9.00 Uhr vorläufige Daten. Erwartet werden 2,7 Prozent für Frankreich nach 2,4 Prozent und 4,4 Prozent für Spanien nach 3,8 Prozent, jeweils gemessen am Harmonisierten Verbraucherpreisindex. Eurostat und Deutschland folgen in der Woche darauf.
G20-Deputies bereiten Ministertreffen vor
Am Samstag und Sonntag kommen in den USA die stellvertretenden Finanzminister und Notenbankgouverneure der G20 zusammen, um das Treffen ihrer Vorgesetzten in der Folgewoche vorzubereiten und ein Kommuniqué zu entwerfen. Der Abstimmungsbedarf ist gewachsen, seit die USA die Veranstaltung verlassen haben. Zuletzt sorgte eine nicht kommunizierte Intervention zur Stützung des Yen über den Verkauf von Euro für Irritationen. Auch der angekündigte verstärkte Rückkauf langlaufender Treasuries durch das US-Finanzministerium gilt als erläuterungsbedürftiger Eingriff in das Finanzsystem – ob diese Punkte in der Abschlusserklärung auftauchen, ist offen.
Quelle: FinanzNachrichten.de: Aktuelle Nachrichten
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