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Sie saßen bei Trumps Amtseinführung in der ersten Reihe und wurden um Milliarden reicher: Wie die Tech-Bosse des Silicon Valley von Nähe zur Macht profitieren und warum 2025 das Jahr der „Broligarchie“ wurde.
Wussten Sie es schon? Nähe zum Machtzentrum eines Staates kann ein profitables Geschäftsmodell sein. Als Donald Trump im Januar 2025 zu seiner zweiten Amtszeit vereidigt wurde, saßen auch die mächtigsten Unternehmer des Silicon Valley auffallend nah am politischen Zentrum. Was damals wie demonstrative Loyalität wirkte, hat sich binnen eines Jahres als ökonomischer Schachzug erwiesen.
Eine Analyse der „Financial Times“ zeigt, wie stark sich Big Tech und das Weiße Haus in Trumps zweiter Präsidentschaft auf ein ausgesprochen transaktionales Verhältnis eingelassen haben – mit materiellen Gewinnen für die Unternehmen und ihre Eigentümer.
Die FT zeichnet nach, wie Konzerne, die Trump in seiner ersten Amtszeit offen attackiert hatte, nun regulatorische Erleichterungen, politische Rückendeckung und teils lukrative Staatsaufträge erhalten. Der Schulterschluss fällt zeitlich zusammen mit einem kräftigen Vermögenszuwachs vieler Tech-Gründer und mit einer politischen Agenda, die Deregulierung, Energieexpansion und industriepolitische Großprojekte verbindet.
Big Tech und Politik: Die neuen Spielregeln der „Broligarchie“
Diese Entwicklung lässt sich mit einem Begriff beschreiben, der auch in der deutschen Debatte an Bedeutung gewonnen hat: „Broligarchie“. Gemeint ist damit eine Machtkonstellation, in der wenige extrem wohlhabende Tech-Unternehmer – die „Bros“ – wirtschaftlichen Einfluss, technologische Deutungshoheit und politischen Zugang bündeln. Anders als klassische Lobbyarbeit ist diese Beziehung persönlicher, direkter und stärker auf Gegenseitigkeit angelegt.
Während frühere demokratische Regierungen auf Kartellrecht, Regulierung und Verbraucherschutz setzten, bietet Trump den Tech-Konzernen vor allem eines: Freiraum. Freiraum für Künstliche Intelligenz, für energieintensive Rechenzentren, für Kryptowährungen und für globale Expansion ohne kleinteilige Auflagen. Der politische Preis: Loyalität, Investitionszusagen und finanzielle Unterstützung.
Wer profitiert – und wie?
- Elon Musk
Musk startete Trumps zweite Amtszeit mit enormem politischem Einfluss, verlor diesen zwischenzeitlich durch interne Machtkämpfe, fand aber rasch zurück ins Lager des Präsidenten.
Die FT beschreibt, wie Teslas Kursverluste nach Musks Rückzug aus Washington wieder aufgeholt wurden, flankiert von einem bundesweiten Rahmen für autonomes Fahren, der Teslas Robotaxi-Pläne begünstigt, sowie neuen Regierungsaufträgen für SpaceX und Musks KI-Projekte.
Sein Vermögenszuwachs in Trumps zweiter Amtszeit: dreistellig in Milliardenhöhe. In Zahlen: 200.201.056.614 Euro.
2026 ist Musk damit erneut der mit Abstand reichste Unternehmer der Tech-Branche. Sein Gesamtvermögen wird aktuell auf rund 660 Milliarden Euro geschätzt. Der Großteil entfällt auf seine Beteiligungen an Tesla und SpaceX, hinzu kommen Anteile an KI- und Plattformunternehmen.
Musks Vermögen ist stark marktabhängig und schwankt erheblich, hat sich in den vergangenen Jahren jedoch strukturell nach oben verschoben. Damit verkörpert er wie kaum ein anderer die neue Machtkonzentration an der Schnittstelle von Technologie, Kapitalmarkt und Politik.
- Jeff Bezos
Bezos setzte sichtbar auf Deeskalation. Amazon vermied Konfrontationen über Zölle, investierte massiv in US-Rechenzentren und hielt sich aus Klagen gegen Trumps Handelspolitik heraus. Die FT wertet dies als bewusste Strategie, politische Angriffsflächen zu minimieren.
Das Ergebnis: stabile Beziehungen zur Regierung – und ein zweistelliger Milliardenzuwachs beim Privatvermögen. In Zahlen: rund 12.800.000.000 Euro.
Jeff Bezos verfügt 2026 damit über ein geschätztes Gesamtvermögen von rund 220 Milliarden Euro. Trotz seines formalen Rückzugs aus dem operativen Amazon-Geschäft bleibt er über seinen Aktienbesitz und strategische Investitionen eng mit dem Konzern verbunden. Hinzu kommen Beteiligungen an Raumfahrt, Medien und Infrastruktur.
Bezos’ Vermögen ist weniger volatil als das von Musk, wächst aber stetig mit der globalen Expansion von Cloud-, Logistik- und Datendiensten. Er gehört damit weiterhin zur absoluten Spitze der globalen Vermögenselite.
- Mark Zuckerberg
Vom politischen Feindbild zum akzeptierten Partner: Zuckerbergs Kurswechsel wurde mit beschleunigten Genehmigungen für energiehungrige KI-Infrastruktur und klarer Unterstützung Washingtons gegen europäische Digitalregulierung belohnt.
Gleichzeitig laufen Ermittlungen zu Jugend- und Verbraucherschutz weiter. Ein Hinweis darauf, dass Nähe zur Macht kein vollständiger Schutz ist.
Dennoch wuchs Zuckerbergs Vermögen unter Trump II um fast zwei Milliarden an. In Zahlen: rund 1.600.000.000 Euro.
Mark Zuckerberg bringt es 2026 auf ein geschätztes Vermögen von rund 205 Milliarden Euro. Als Gründer und Großaktionär von Meta ist sein Reichtum eng an die Entwicklung der Plattformen Facebook, Instagram und WhatsApp sowie an die milliardenschweren KI-Investitionen des Konzerns gekoppelt.
Nach Jahren hoher Volatilität hat sich Zuckerbergs Vermögensposition zuletzt stabilisiert, bleibt jedoch sensibel für strategische Fehlentscheidungen.
- Tim Cook
Apple geriet zu Beginn von Trumps zweiter Amtszeit durch neue China-Zölle und scharfe öffentliche Kritik des Präsidenten unter Druck. Trump griff den Konzern offen dafür an, iPhones weiterhin überwiegend außerhalb der USA zu produzieren und Lieferketten nach Indien zu verlagern.
Laut der FT gelang es Cook jedoch, die Spannungen durch persönliche Gespräche und erweiterte Investitionszusagen zu entschärfen. Apple vermied daraufhin eine Eskalation des Handelskonflikts und konnte einen Teil der Belastungen durch die Zölle begrenzen. Trotz anhaltender kartellrechtlicher Verfahren in den USA und Europa haben sich die Apple-Aktien seit Trumps Amtsantritt spürbar erholt.
Cook selbst konnte sein Vermögen in dieser Zeit ebenfalls erheblich aufpolieren. Die Apple-Aktien, von denen er 3,3 Millionen besitzt, sind seit Trumps Amtseinführung um fast 15 Prozent gestiegen.
Cook zählt trotz seiner Rolle an der Spitze des wertvollsten börsennotierten Unternehmens der Welt nicht zu den Superreichen der Branche. Sein Gesamtvermögen wird 2026 auf rund zwei bis drei Milliarden Euro geschätzt.
Anders als die Tech-Gründer hält Cook vergleichsweise geringe Unternehmensanteile; sein Vermögen speist sich vor allem aus Aktienvergütungen und langfristigen Bonusprogrammen.
- Sam Altman
Altman steht exemplarisch für den strategischen Schulterschluss zwischen KI-Industrie und Staat. Öffentliche Großprojekte für Rechenzentren, sicherheitspolitische Argumente gegen Regulierung und der Verweis auf den technologischen Wettbewerb mit China haben OpenAI zur Schlüsseladresse in Washington gemacht. Die Bewertung des privaten Unternehmens hat sich laut FT binnen eines Jahres vervielfacht.
OpenAI, ein privates Unternehmen, hat einen Vermögenszuwachs von 157 Milliarden Dollar Ende 2024 auf 500 Milliarden Dollar verzeichnet. In Zahlen: rund 428.000.000.000 Euro.
Das persönliche Vermögen von Sam Altman lässt sich nicht verlässlich beziffern. Altmans individuelle Beteiligungsstruktur an OpenAI ist nicht öffentlich ausgewiesen.
- Sundar Pichai
Google suchte früh die Annäherung – mit Spenden, Investitionszusagen und Preisnachlässen für staatliche Cloud-Dienste. Dennoch hält das Justizministerium an Kartellverfahren fest.
Der Fall zeigt: Auch in der Broligarchie gibt es Grenzen, wenn strukturelle Marktmacht betroffen ist. Für Aktionäre zahlte sich die Phase dennoch aus. Der Aktienkurs von Alphabet ist im vergangenen Jahr um 66 Prozent gestiegen. Alphabet gehört wieder zu den wertvollsten Konzernen der Welt.
Pichai hat 2026 die Schwelle zum Milliardär überschritten. Sein Gesamtvermögen wird auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Obwohl er einen der mächtigsten Konzerne der Welt als CEO führt, besitzt Pichai nur eine vergleichsweise kleine direkte Beteiligung an Alphabet.
Ökonomische Rationalität statt Ideologie
Die Financial Times macht deutlich: Der Schulterschluss zwischen Big Tech und Trump ist weniger ideologisch als ökonomisch motiviert. Für die Unternehmen geht es um Skalierung, Energie, Kapitalrenditen und regulatorische Planungssicherheit. Für Trump um Investitionen, Börsenkurse, Wahlkampfunterstützung – und um eine industriepolitische Erfolgserzählung im globalen Wettbewerb, insbesondere mit China.
Klar ist auch: Der Investitionsboom im KI-Sektor hat wesentlich dazu beigetragen, die US-Wirtschaft vor einer Stagnation zu bewahren. Steigende Tech-Aktien stützten Konsum und Vermögenseffekte. Insofern ist die Broligarchie nicht nur ein politisches, sondern auch ein makroökonomisches Phänomen.
Trumps zweite Amtszeit markiert keinen Bruch, sondern eine Zuspitzung: Staatliche Macht und private Technologiekonzerne sind enger verflochten als je zuvor. Die Financial Times umschreibt dies nüchtern als transaktionales System. Kritiker sprechen von Oligarchisierung.
Solange Wachstum, Aktienmärkte und Investitionen liefern, wird diese Allianz politisch schwer angreifbar bleiben, auch wenn ihre langfristigen Folgen für Wettbewerb, Demokratie und Regulierung offen sind.
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26 Kommentare
Die Entwicklung hin zu einer ‚Broligarchie‘ erinnert an frühere Phasen der Geschichte, in denen wirtschaftliche Eliten die Politik dominierten. Was können wir aus diesen Erfahrungen lernen?
Die Förderung von Kryptowährungen durch Trump ist überraschend, da er in der Vergangenheit eher skeptisch gegenüber digitalen Währungen war. Was hat seine Meinung geändert?
Die Tatsache, dass Musks Vermögenszuwachs dreistellig in Milliardenhöhe ist, unterstreicht die enorme Diskrepanz zwischen Arm und Reich. Ist das ein nachhaltiges Modell für eine Gesellschaft?
Die Entwicklung rund um Musk und seine Unternehmen zeigt, wie schnell sich politische und wirtschaftliche Interessen verändern können.
Die direkte und gegenseitige Beziehung zwischen Big Tech und der Politik ist besorgniserregend. Wo bleibt da der Schutz der Bürgerinteressen?
Die Energieexpansion, die Trump fördert, scheint energieintensive Rechenzentren zu begünstigen. Welche Auswirkungen hat das auf den Energieverbrauch und die Umwelt?
Der Fokus auf Deregulierung im Bereich der Künstlichen Intelligenz ist riskant. Welche Sicherheitsvorkehrungen werden vernachlässigt, um den Unternehmen mehr ‚Freiraum‘ zu gewähren?
Es ist beunruhigend zu lesen, dass Unternehmen, die Trump zuvor kritisiert hatten, nun von regulatorischen Erleichterungen profitieren. Zeigt das, dass Prinzipien in der Politik keine Rolle mehr spielen?
Das wirft definitiv Fragen nach der Integrität politischer Entscheidungen auf, wenn wirtschaftliche Interessen so offensichtlich im Vordergrund stehen.
Die FT-Analyse deutet auf ein ‚transaktionales Verhältnis‘ zwischen Big Tech und dem Weißen Haus hin. Könnte das langfristig die Innovationskraft der Technologiebranche untergraben, wenn Wettbewerb durch politische Bevorzugung ersetzt wird?
Es ist bezeichnend, dass Trump den Tech-Konzernen ‚Freiraum‘ bietet, während er gleichzeitig andere Branchen stärker reguliert.
Die Förderung der globalen Expansion ohne ‚kleinteilige Auflagen‘ könnte zu einem Wettlauf nach unten führen, bei dem Umwelt- und Sozialstandards vernachlässigt werden.
Die Investitionszusagen und finanzielle Unterstützung der Tech-Unternehmer könnten Trumps Wahlkampfkasse füllen und ihm so einen unfairen Vorteil gegenüber seinen Gegnern verschaffen.
Die Tatsache, dass der Vermögenszuwachs in Milliardenhöhe gemessen wird, verdeutlicht die immense Macht, die diese Tech-Unternehmer besitzen.
Die Tatsache, dass Musk 2026 voraussichtlich der reichste Unternehmer der Tech-Branche sein wird, ist ein deutliches Zeichen für die Machtverschiebung in den USA.
Es ist wichtig zu verstehen, wie diese politischen Entscheidungen die Zukunft der Technologiebranche gestalten werden. Werden wir eine Monopolisierung erleben, bei der wenige Unternehmen den Markt kontrollieren?
Der Begriff ‚Broligarchie‘ scheint treffend zu sein, um diese neue Machtkonstellation zu beschreiben. Ist das ein Phänomen, das sich auch in anderen Ländern beobachten lässt, oder ist es spezifisch für die USA?
Die Konzentration von Macht und Reichtum in den Händen weniger Technologieunternehmen ist global, aber die direkte Verflechtung mit der Politik wie in diesem Fall scheint besonders ausgeprägt.
Ich bin gespannt, wie sich diese ‚Broligarchie‘ auf die Arbeitsbedingungen in der Tech-Branche auswirken wird. Werden die Mitarbeiter von den enormen Gewinnen profitieren?
Es ist faszinierend, wie sich die politische Landschaft verändert hat, um Musks Pläne für Robotaxis zu begünstigen. Wie wirkt sich dieser bundesweite Rahmen konkret auf andere Automobilhersteller aus?
Ich frage mich, ob diese ‚Broligarchie‘ auch Auswirkungen auf die Medienlandschaft hat. Werden kritische Stimmen unterdrückt, um die Interessen dieser Tech-Unternehmer zu schützen?
Es ist bemerkenswert, dass Musk nach anfänglichen politischen Rückschlägen wieder an Einfluss gewonnen hat. Wie hat er es geschafft, sich so schnell wieder im Lager Trumps zu positionieren?
Die Analyse der Financial Times ist sehr aufschlussreich. Es wäre interessant zu sehen, welche konkreten regulatorischen Erleichterungen die Tech-Konzerne erhalten haben.
Die FT-Analyse zeigt, dass die Nähe zur Macht ein profitables Geschäftsmodell sein kann. Ist das ein Zeichen für den Niedergang der Demokratie?
Die Summe von 200.201.056.614 Euro, die Musk zugewachsen ist, ist schlichtweg astronomisch. Wie genau lässt sich dieser massive Vermögenszuwachs auf die politischen Entscheidungen Trumps zurückführen, insbesondere im Hinblick auf SpaceX?
Es scheint, als ob die neuen Regierungsaufträge für SpaceX einen wesentlichen Teil dazu beitragen, wie die FT andeutet. Die Details dieser Aufträge wären interessant zu sehen.