Amprion hat im ersten Halbjahr 2026 ein Ergebnis vorgelegt, das deutlich über dem Vorjahreswert liegt. Das adjustierte Konzernergebnis stieg um rund 19 Prozent auf 343 Millionen Euro. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – dem adjustierten EBITDA – betrug das Plus rund 16 Prozent auf rund 920 Millionen Euro.
Die Finanzierungsseite dürfte Anleihegläubiger stärker beschäftigen als die Ergebniszahlen. RWE hält nach Zukäufen im ersten Halbjahr nun insgesamt einen indirekten Anteil von rund 55 Prozent an Amprion und hat zugesagt, bis 2031 rund 6,5 Milliarden Euro Eigenkapital bereitzustellen. Das deckt nach Unternehmensangaben mehr als die Hälfte des geplanten Eigenkapitalbedarfs für die kommenden Jahre ab. Die direkte Eigentümerstruktur ändert sich dabei nicht.
Amprion hat seine Finanzierungsinstrumente im Berichtszeitraum erheblich ausgebaut. Zum Jahresbeginn begab das Unternehmen grüne Senior-Anleihen in drei Tranchen mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Milliarden Euro. Im April folgte erstmals eine grüne Hybridanleihe in zwei Tranchen über insgesamt 1,0 Milliarden Euro. Hybridkapital – eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital – soll künftig ein dauerhafter Bestandteil der Kapitalstruktur bleiben.
Der bestehende Konsortialkreditvertrag wurde frühzeitig refinanziert und das Volumen auf 6,5 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. An dem syndizierten Kredit sind 15 Banken beteiligt. Amprion begründet den erweiterten Bankenkreis unter anderem damit, den Anforderungen der Ratingagenturen Rechnung zu tragen, die das Unternehmen weiterhin mit Investmentgrade-Ratings bewerten.
Die Umsatzerlöse nach IFRS gingen im ersten Halbjahr um rund 11 Prozent auf 2,7 Milliarden Euro zurück. Amprion führt diesen Rückgang auf geplante regulatorische Ausgleichseffekte zurück, weshalb das Unternehmen für die Ergebnisdarstellung adjustierte Kennzahlen verwendet.
Die Investitionen nach HGB stiegen um rund 4 Prozent auf rund 2,0 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr 2026 plant Amprion Investitionen von rund 7 Milliarden Euro in den Um- und Ausbau des Übertragungsnetzes. Bis Ende 2030 sind rund 42 Milliarden Euro vorgesehen.
Das erste Großprojekt, das in diesem Investitionsrahmen fertiggestellt werden soll, ist Ultranet – eine Gleichstromverbindung, die den Norden mit dem Westen und Süden Deutschlands verbindet. Die Fertigstellung ist für Ende 2026 geplant. Ab dann will Amprion jedes Jahr mindestens ein solches Projekt abschließen.
Der um regulatorische Effekte bereinigte Mittelzufluss aus dem laufenden Betrieb – das sogenannte Funds from Operations – lag mit 702 Millionen Euro rund 26 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Ob dieses Tempo in der zweiten Jahreshälfte zu halten ist, hängt wesentlich davon ab, ob Ultranet wie geplant fertiggestellt wird und regulatorische Effekte stabil bleiben.
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