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In unseren angepassten US-Wirtschaftsszenarien stellt eine weiche Landung (~2% BIP-Wachstum) nunmehr unser Basisszenario dar mit einer Wahrscheinlichkeit von 35%. Danach folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 25% das Szenario der Weakflation, also eine leicht über dem Ziel liegende Inflation, straffere Bedingungen und ein geringeres Tempo des realen BIP-Wachstums. Weltweit sehen wir eine Verlangsamung in den großen westlichen Volkswirtschaften, wobei der Euroraum 2025 einen Aufwärtstrend verzeichnen und das Wachstum in China durch politische Anreize gestützt wird.
Während die Konjunkturerholung in Europa die Kreditmärkte positiv unterstützt hat, ist auch die Politik aus Portfolioperspektive von Bedeutung. Die jüngsten Spreadausweitungen und Volatilitäten in Mexiko, Südafrika, Indien, Frankreich und in geringerem Maße auch in Großbritannien lassen erahnen, was nach den Wahlen in den USA passieren könnte. Der Dollar hat aufgrund der strafferen Geldpolitik und der guten Wirtschaftsdaten zugelegt, und wir gehen davon aus, dass er seine relative Stärke insgesamt beibehalten wird.
Zinsen in strategischer Kaufzone
Wir gehen davon aus, dass sich die Renditen 10-jähriger Staatsanleihen zwischen 3,8% und 5,0% einpendeln werden, ohne dass ein Absinken in den Bereich der letzten Jahre zu erwarten ist. Dies schafft ein günstiges Szenario für Anleiheinvestoren mit attraktiven Anfangsrenditen. Aus Sicht der Vermögensallokation befinden wir uns in einem viel ausgewogeneren Risiko-Ertrags-Verhältnis als früher. Die Renditen 10-jähriger US-Anleihen liegen derzeit über den am S&P 500 gemessenen Aktienrenditen, so dass festverzinsliche Wertpapiere aus Sicht der risikobereinigten Rendite eine günstigere Option darstellen. Anleihen haben in der Vergangenheit eine attraktive Sharpe Ratio erzielt, wenn die Anleiherenditen höher waren als die Ertragsrenditen, was unsere optimistischen Aussichten für Fixed Income weiter unterstützt.
Die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen und deutscher Staatsanleihen werden wahrscheinlich hoch bleiben und die Hauptquelle für Renditen darstellen. Die Entwicklung ist weniger eindeutig, da wir zwei Risiken sehen: Reflation und fiskalische Risiken auf der einen Seite, Disinflation und Rezession auf der anderen Seite. Die Kreditpreads von Investment Grade-Anleihen haben sich sowohl in den USA als auch in Europa verengt, sodass Carrys eine wahrscheinlichere Renditequelle darstellen als Spread-Kompressionen. Spread-Dispersion und Makro-Volatilität bieten Chancen für aktive Manager, insbesondere bei höheren Gesamtrenditen im Kreditbereich.
Schwellenländeranleihen in Hartwährung bieten ebenfalls Opportunitäten aufgrund makroökonomischer Unsicherheiten sowie der Streuung bei Qualität, Fundamentaldaten und Bewertungen. Lokale Schwellenländeranleihen bieten ein hohes Carry- und Kurssteigerungspotenzial, wenn die Zentralbanken der Schwellenländer Spielraum für Zinssenkungen haben. Die Spreads von Hochzinsanleihen liegen nahe dem fairen Wert, doch ist die Streuung in diesem Segment so groß wie seit einigen Jahrzehnten nicht mehr. Wir sind der Ansicht, dass der Markt das globale geopolitische Risiko und die Unsicherheit unterbewertet, sodass sich Möglichkeiten bieten, um das Risikoprofil zu verbessern und eine sorgfältige Kreditauswahl belohnt werden kann.
Ausblick: Gute Ausgangssituation für Fixed Income-Investments
Das wirtschaftliche Umfeld ist risikofreundlich, aber die Bewertungen spiegeln sich nicht unbedingt in den Risikoanlagen wider. Wir haben uns bei der Qualität nach höherwertigen Titeln umgeschaut und sind auf der Suche nach Vermögenswerten mit geringerer Verschuldung, sei es in strukturierten Krediten, die in der Kapitalstruktur höher angesiedelt sind, in Teilen von Investment Grade-Unternehmen oder in Hochzinsanleihen.
Wir setzen in unserem ausgewogenen Portfolio derzeit auf Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten und sind insgesamt relativ neutral positioniert: Wir haben Anleihen mit kurzen Laufzeiten und solche mit langen Laufzeiten, glauben jedoch, dass Anleihen mit mittleren Laufzeiten immer noch recht teuer sind.
Ein neues Regime höherer Anleiherenditen macht Fixed Income für langfristige Anleger sehr attraktiv. Unser Basisszenario eines schwächeren, aber nicht einbrechenden Weltwirtschaftswachstums und einer rückläufigen Inflation stützt Spread-Produkte. Obwohl wir uns in geopolitisch und wirtschaftlich unsicheren Zeiten befinden, bieten das Umfeld höherer Zinsen und der anhaltende Carry eine gute Ausgangssituation für Fixed Income-Investments.
www.fixed-income.org
Foto: Gregory Peters © PGIM Fixed Income
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18 Kommentare
Die Prognose, dass die Renditen von US- und deutschen Staatsanleihen die Hauptquelle für Renditen bleiben werden, ist realistisch. Das bedeutet aber auch, dass Anleger sich auf eine längere Phase höherer Zinsen einstellen müssen.
Ich bin etwas skeptisch, ob der Dollar seine relative Stärke angesichts der globalen wirtschaftlichen Entwicklungen tatsächlich beibehalten kann. Welche Faktoren könnten diese Annahme in Frage stellen?
Die robuste US-Wirtschaft und die straffere Geldpolitik sind die Hauptstützen für den Dollar. Eine deutliche Verschlechterung der US-Konjunktur könnte diese Dynamik jedoch umkehren.
Die Erwähnung der Sharpe Ratio als Indikator für die Attraktivität von Anleihen ist ein guter Ansatz. Wie hat sich die Sharpe Ratio historisch entwickelt und wie verhält sie sich aktuell?
Die gleichzeitige Nennung von Reflation und Disinflation als Risiken für die Anleiherenditen zeigt die Unsicherheit der aktuellen Lage. Wie wahrscheinlich ist jedes dieser Szenarien?
Die Betonung der Bedeutung von aktiven Managern angesichts von Spread-Dispersion und Makro-Volatilität ist nachvollziehbar. Passives Investieren scheint in diesem Umfeld weniger vorteilhaft zu sein.
Die Prognose einer weichen Landung mit 35% Wahrscheinlichkeit erscheint mir optimistisch, angesichts der globalen Verlangsamung, die im Artikel erwähnt wird. Wie robust ist diese Einschätzung wirklich gegenüber unerwarteten Schocks?
Die Tatsache, dass die Spreads von Hochzinsanleihen niedrig sind, deutet auf eine geringere Risikoprämie hin. Ist das ein Zeichen für eine Überbewertung in diesem Segment?
Das ist eine berechtigte Frage. Die niedrigen Spreads könnten tatsächlich auf eine gewisse Selbstzufriedenheit hindeuten, aber die makroökonomische Volatilität bietet immer noch Chancen für aktive Manager.
Ich finde es interessant, dass der Euroraum 2025 einen Aufwärtstrend verzeichnen soll, während andere westliche Volkswirtschaften sich verlangsamen. Welche Faktoren treiben diese Divergenz an?
Die Möglichkeit von Zinssenkungen in Schwellenländern, die das Potenzial lokaler Anleihen erhöht, klingt vielversprechend. Welche Länder haben hier die besten Aussichten?
Die Erwähnung von ‚Carry‘-Trades als wahrscheinlicherer Renditequelle als Spread-Kompressionen bei Investment Grade-Anleihen ist ein wichtiger Hinweis für aktive Anleger. Das deutet auf eine veränderte Marktdynamik hin.
Es ist bemerkenswert, dass die Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen voraussichtlich zwischen 3,8% und 5,0% liegen werden, was deutlich über dem Niveau der letzten Jahre liegt. Könnte dies eine nachhaltige Verschiebung im Anlageverhalten bedeuten?
Die Analyse der politischen Anreize in China, die das Wachstum stützen sollen, ist wichtig. Können diese Anreize die langfristige Nachhaltigkeit des chinesischen Wachstums gewährleisten?
Die Volatilität in Märkten wie Mexiko und Südafrika, die als Vorboten für die US-Wahlen genannt werden, beunruhigt mich. Welche spezifischen politischen Risiken werden hier antizipiert?
Die Aussage, dass die Sharpe Ratio von Anleihen tendenziell höher ist, wenn die Renditen über den Ertragsrenditen liegen, ist überzeugend. Das unterstreicht die Attraktivität des aktuellen Anleihemarktes.
Die Fokussierung auf Schwellenländeranleihen in Hartwährung aufgrund makroökonomischer Unsicherheiten erscheint mir eine kluge Diversifizierungsstrategie. Welche spezifischen Länder werden besonders empfohlen?
Die Beobachtung, dass festverzinsliche Wertpapiere derzeit eine höhere risikobereinigte Rendite als S&P 500 Aktien bieten, ist ein starkes Argument für eine Umschichtung des Portfolios. Das ist ein wichtiger Punkt für langfristige Investoren.