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- Berkshire Hathaway Inc. – WKN: A0YJQ2 – ISIN: US0846707026 – Kurs: 502,650 $ (NYSE)
Nie zuvor hatte der Industriekonzern mehr Liquidität in der Kasse. Für Investoren ist das zwar komfortabel, aber eben auch eine offene Frage: Wie setzt der neue Vorstandschef dieses Kapital ein, nachdem Warren Buffett den Staffelstab weitergereicht hat?
Berkshire hatte zuletzt zwölf Quartale in Folge per saldo Aktien verkauft, eigene Rückkäufe fünf Quartale lang ausgesetzt und die Kassen gefüllt. Ende September summierten sich Cash und kurzfristige Anlagen auf 358 Mrd. USD. Gleichzeitig legte der S&P 500 im Jahr 2025 um 16 % zu, viele Bewertungen wirken aus Sicht eines Value-Investors ambitioniert. Berkshire selbst wird mit einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von rund 1,6 gehandelt. Der berühmte „Buffett-Aufschlag“ ist also in abgeschwächter Form weiterhin vorhanden.
Abel weiß, wie es geht
Abel, 63, ist kein Unbekannter im Konzern. Seit 2018 verantwortet er als Vizechef alle Nicht-Versicherungsgeschäfte, zuvor baute er Berkshire Hathaway Energy zu einem der größten Stromversorger der USA aus. Buffett attestiert ihm, die Erwartungen „in jeder Hinsicht übertroffen“ zu haben. Inhaltlich setzt Abel auf Kontinuität. Kapitalallokation, so betonte er auf der Hauptversammlung 2025, bleibe der Kern der Berkshire-DNA.
Doch Kontinuität heißt in diesem Zyklus vor allem Geduld. Buffett selbst hatte den hohen Kassenbestand stets als Versicherung für Stressphasen verteidigt. In der Finanzkrise 2008 nutzte Berkshire seine Liquidität, um Goldman Sachs und General Electric zu stützen, zu damals außergewöhnlichen Konditionen. Ein ähnliches Fenster ist derzeit nicht in Sicht. Sinkende Zinsen könnten die Verzinsung des Cashpolsters schmälern, zugleich erhöht Liquidität die Handlungsfreiheit bei Marktverwerfungen.
Der Konzern ist heute größer und träger geworden. Rund 400.000 Beschäftigte, Beteiligungen von BNSF Railway bis Geico, eine Marktkapitalisierung jenseits von 1 Bio. USD, große Würfe bewegen den Konzern nur noch langsam. Entsprechend erwarten viele Investoren, dass Abel erst bei deutlichen Kursrückgängen zugreift. Spekulationen über eine Dividende gelten als Randnotiz. Buffett hat Ausschüttungen stets abgelehnt, nicht zuletzt aus steuerlichen Gründen; seit 1967 gab es nur eine einzige.
Hinzu kommt der personelle Umbruch im Investmentteam. Mit dem Abgang von Todd Combs zu JPMorgan ist klar, dass Abel die Letztentscheidung bei der Kapitalallokation tragen wird. Buffett traute ihm das schon 2024 ausdrücklich zu: Wer Unternehmen verstehe, verstehe auch Aktien.
Fazit: Die Staffelübergabe war von langer Hand geplant worden. Ich mache mir hier wenig Sorgen. Abel muss beweisen, dass Berkshire auch ohne den Mythos Buffett Opportunitäten erkennt und entschlossen handelt. Erst die Generation nach Abel könnte dann wirkliche Schwierigkeiten bekommen, das Erbe zu verteidigen. Irgendwann kommen die Geier und die wollen Rendite sehen, sei es durch Abspaltungen oder eine veränderte Kapitalallokation. Abel dürfte hier resistent sein, doch künftige Manager werden es da meiner Einschätzung nach schwerer haben.
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19 Kommentare
Die These, dass erst die Generation nach Abel Schwierigkeiten haben wird, das Erbe zu verteidigen, ist plausibel. Der Mythos Buffett ist enorm, aber irgendwann verblasst er.
Abel scheint ja auf Kontinuität zu setzen, was die Kapitalallokation angeht, aber die Finanzkrise 2008 zeigt, dass Buffett Liquidität für außergewöhnliche Deals genutzt hat. Wie realistisch ist es, ein solches Umfeld heute zu erwarten?
Gute Frage! Die Märkte sind derzeit deutlich stabiler als 2008, aber das bedeutet nicht, dass keine Chancen entstehen können. Abel muss eben andere Wege finden.
Die 358 Milliarden USD an Cash und kurzfristigen Anlagen sind eine enorme Summe – es stellt sich die Frage, ob Abel wirklich in der Lage ist, diese effektiv anzulegen, insbesondere angesichts des aktuellen Kurs-Buchwert-Verhältnisses von 1,6 bei Berkshire selbst.
Das ist ein berechtigter Punkt. Berkshire ist ja schon jetzt ein riesiger Konzern, und wirklich große, renditestarke Akquisitionen zu finden, wird immer schwieriger.
Obwohl es um 358 Milliarden geht, ist es doch beruhigend zu lesen, dass der Übergang von langer Hand geplant wurde und es erstmal keine großen Sorgen gibt.
Man fragt sich, ob das ausbleibende Interesse an Dividenden durch zukünftige Aktienrückkäufe angekurbelt werden könnte, falls keine passenden Akquisitionen gefunden werden.
Ich finde es bemerkenswert, dass Berkshire seit 1967 nur einmal eine Dividende ausgeschüttet hat. Wird Abel an dieser Tradition festhalten, selbst wenn der Druck von Investoren steigt, Rendite zu sehen?
Mich beunruhigt der personelle Umbruch im Investmentteam, insbesondere der Abgang von Todd Combs zu JPMorgan. Werden Abels Entscheidungen genauso fundiert sein wie die von Buffett und seinem Team?
Buffett scheint volles Vertrauen in Abel zu haben und betonte, dass er Unternehmen versteht, was auch Aktien impliziert. Das sollte zumindest eine gewisse Sicherheit geben.
Abel hat Berkshire Hathaway Energy erfolgreich zu einem der größten Stromversorger der USA ausgebaut. Könnte dies ein Hinweis darauf sein, dass er verstärkt in Infrastruktur investieren wird?
Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Kapitalallokation unter Abel entwickeln wird, da er nun die alleinige Entscheidungsgewalt hat, nachdem Combs zu JPMorgan gewechselt ist.
Das Argument, dass Berkshire mit rund 400.000 Mitarbeitern und einer Marktkapitalisierung von über 1 Billion USD träger geworden ist, überzeugt mich. Schnelle Reaktionen auf Marktverwerfungen werden schwieriger.
Die Betonung auf Geduld ist wichtig, aber angesichts der Performance des S&P 500 im Jahr 2025 könnte der Druck auf Abel, aktiv zu werden, bald zunehmen.
Die Tatsache, dass Berkshire zwölf Quartale in Folge Aktien verkauft hat, bevor Buffett abtrat, deutet auf eine gewisse Vorsicht hin. War das eine bewusste Vorbereitung auf eine mögliche Marktkorrektur?
Das hohe Maß an Liquidität könnte aber auch ein Nachteil sein, wenn die Zinsen weiter sinken. Die Rendite des Cash-Polsters wird dann geringer.
Wenn Abel wie der Artikel sagt, Geduld bewahren muss, wie lange werden die Investoren diese Geduld mitgehen, besonders wenn der S&P 500 weiter um 16 % steigt?
Ich bin gespannt, ob Abel tatsächlich ‚große Würfe‘ bewegen kann, oder ob Berkshire unter seiner Führung eher einen konservativen Kurs einschlagen wird, trotz der hohen Liquidität.
Die Information, dass Buffett Abel ausdrücklich zutraute, Unternehmen und somit auch Aktien zu verstehen, stärkt mein Vertrauen in die Zukunft von Berkshire.