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- Merck & Co. Inc. – WKN: A0YD8Q – ISIN: US58933Y1055 – Kurs: 110,990 $ (NYSE)
- BB Biotech AG – WKN: A0NFN3 – ISIN: CH0038389992 – Kurs: 50,200 € (XETRA)
- Revolution Medicines Inc. – WKN: A2PYWG – ISIN: US76155X1000 – Kurs: 107,470 $ (Nasdaq)
Merck & Co. plant den nächsten Mega-Deal im Onkologie-Sektor: Der US-Pharmakonzern verhandelt laut Medienberichten über die Übernahme von Revolution Medicines für bis zu 32 Mrd. USD und setzt damit seine aggressive M&A-Strategie vor dem Keytruda-Patentablauf fort.
Was bislang passiert ist
Am Mittwoch kamen erste Übernahmegerüchte, geschürt vom Wall Street Journal auf. Dieses hatte AbbVie als Übernahmeinteressenten ausgemacht und einen Preis um die 20 Mrd. USD genannt. Reuters wiederum zitierte wenig späterAbbVie, dass man nicht in Gesprächen mit Revolution Medicines sei. Nun legt ein weiteres Finanzportal nach:
Laut Financial Times verhandelt Merck & Co. über den Kauf von Revolution Medicines, einem auf Krebsmedikamente spezialisierten Biotech-Unternehmen mit Sitz in Redwood City (Kalifornien) und einer aktuellen Marktkapitalisierung von mehr als 20 Mrd. USD. Diskutiert wird demnach eine Preisspanne von 28 bis 32 Mrd. USD, ein Abschluss wäre aber frühestens in einigen Wochen zu erwarten und ist ausdrücklich nicht sicher, da auch andere Pharmaunternehmen Interesse zeigen.
Revolution Medicines arbeitet an zielgerichteten Krebstherapien auf Basis der Hemmung von Genmutationen. Im Fokus steht ein Wirkstoffkandidat gegen die häufigste Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs, eine der tödlichsten Krebsarten mit bisher wenigen wirksamen Behandlungsoptionen. Zudem wird derselbe Ansatz auch bei Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs in Studien getestet. Die Projekte befinden sich noch im frühen Stadium, Analysten rechnen nicht vor Ende des Jahres mit möglichen Marktzulassungen, eher später. Ein Merck-Deal wäre damit eine der größten Biotech-Transaktionen überhaupt, noch bevor nennenswerte Umsätze fließen.
Die Spekulationen haben die Revolution-Medicines-Aktie bereits deutlich nach oben getrieben: Der Kurs legte im regulären Handel um 4,6 % zu und sprang nachbörslich noch einmal um rund 15 %, was die Marktkapitalisierung auf etwa 24 Mrd. USD erhöhte.

Merck & Co. unter Zeitdruck
Merck & Co. steht unter massivem Ertragsdruck ab Ende dieses Jahrzehnts, da der Blockbuster Keytruda ab 2028 schrittweise den Patentschutz verliert. Genau deshalb ist der Konzern seit einiger Zeit auf Einkaufstour, um die entstehende Umsatzlücke durch neue Produkte zu schließen. Bereits 2024 wurden mehrere größere Deals gemeldet, darunter Käufe des Atemwegs-Spezialisten Verona Pharma und von Cidara Therapeutics mit Schwerpunkt Grippeprävention.
Die mögliche Übernahme von Revolution Medicines würde diese Strategie konsequent fortführen, wäre aber eine andere Dimension: Erstens handelt es sich um ein klassisches „Pre-Revenue“- oder „Pre-Commercial“-Target mit deutlich höherem Entwicklungs- und Zulassungsrisiko, zweitens wäre die Transaktionssumme mit bis zu 32 Mrd. USD der größte Onkologie-Deal seit Pfizers 43-Mrd.-USD-Kauf von Seagen und gleichzeitig einer der größten Biotech-Deals überhaupt in einer noch frühen Pipeline-Phase.

Ein Dauerthema im Biotech-Sektor
Kommt ein Deal zustande, würde das gleich mehrere Signale aussenden. Zum einen bestätigt es das Dauerthema für Investoren, dass Biotech-Unternehmen aufgrund zahlreicher Innovationen attraktive Übernahmeziele für Pharmakonzerne darstellen können. Zum anderen zeigen die zahlreichen Übernahmen, dass die Bewertungen im Sektor durch die jahrelange Seitwärtsphase attraktiv sind. Zugegebenermaßen ist Revolution Medicines hier ein Spezialfall, denn das Unternehmen würde mit einer Bewertung von 30 Mrd. USD mit dem fast 20-fachen prognostizierten Umsatz für 2029 bezahlt werden. Ein dritter Punkt: Pharmaunternehmen haben oftmals mit Patentklippen zu kämpfen. Das Beispiel Merck zeigt, wie sich der Übernahmedruck durch diese Situation verschärfen kann.
Kurzum: Der Biotech-Sektor steht unter Starkstrom, die Rally der vergangenen Monate ist fundamental untermauert. Käme eine Übernahme von Revolution Medicines zustande, könnten sich übrigens auch BB-Biotech-Aktionäre freuen. Mit einer Gewichtung von 9,3 % im Portfolio ist Revolution Medicines nach Ionis und Argenx die drittgrößte Position der Beteiligungsgesellschaft.

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16 Kommentare
Die Entwicklung von Medikamenten gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs ist so wichtig, da die Behandlungsmöglichkeiten bisher sehr begrenzt sind. Hoffentlich bringt diese Übernahme Fortschritte.
Die Tatsache, dass die Studien auch bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs laufen, erweitert das potenzielle Anwendungsgebiet des Wirkstoffkandidaten und erhöht den Wert für Merck.
Es ist verständlich, dass Merck unter Zeitdruck steht, da Keytruda ab 2028 den Patentschutz verliert, aber ist eine Übernahme in dieser Größenordnung wirklich die beste Strategie, um die Umsatzlücke zu schließen?
Die Marktkapitalisierung von Revolution Medicines ist von über 20 Milliarden US-Dollar auf etwa 24 Milliarden US-Dollar gestiegen – das zeigt, wie stark die Spekulationen den Aktienkurs beeinflussen.
Die Erwähnung des Wall Street Journal und der Financial Times als Quellen verleiht den Übernahmegerüchten eine gewisse Glaubwürdigkeit, aber bis zum Abschluss ist noch viel Zeit.
Die Übernahme von Revolution Medicines wäre eine der größten Biotech-Transaktionen überhaupt, selbst ohne nennenswerte Umsätze – das unterstreicht die Bedeutung der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich.
Ich frage mich, wie die Hemmung von Genmutationen, an der Revolution Medicines arbeitet, im Vergleich zu bestehenden Therapien bei Bauchspeicheldrüsenkrebs abschneiden wird, da dies eine besonders schwer behandelbare Krebsart ist.
Die aggressive M&A-Strategie von Merck ist offensichtlich ein Versuch, sich vor dem Keytruda-Patentablauf zu positionieren, aber wie integrieren sie all diese neuen Unternehmen effektiv?
Ich bin gespannt, ob andere Pharmaunternehmen tatsächlich Interesse an Revolution Medicines zeigen, wie im Artikel erwähnt, und ob es zu einem Bieterwettstreit kommen wird.
Es ist interessant, dass zunächst AbbVie als möglicher Käufer genannt wurde, sich dann aber zurückzog – deutet das darauf hin, dass Merck wirklich entschlossen ist, Revolution Medicines zu übernehmen?
Das ist eine gute Frage. Die schnelle Distanzierung von AbbVie könnte darauf hindeuten, dass Merck bereit war, einen deutlich höheren Preis zu zahlen.
Die Konzentration auf zielgerichtete Krebstherapien ist ein vielversprechender Ansatz, aber die Tatsache, dass Analysten keine Marktzulassungen vor Ende des Jahres erwarten, birgt ein erhebliches Risiko für Merck.
Merck hat bereits 2024 mehrere Akquisitionen getätigt, darunter Verona Pharma und Cidara Therapeutics. Ist das ein Zeichen für eine generelle Trendwende im Pharmasektor?
Es könnte ein Zeichen dafür sein, dass große Pharmaunternehmen verstärkt auf Innovationen durch Akquisitionen setzen, um ihre Pipeline zu füllen.
Die potenzielle Übernahme von Revolution Medicines für bis zu 32 Milliarden US-Dollar ist enorm, besonders wenn man bedenkt, dass die Projekte sich noch in einem frühen Stadium befinden und keine Marktzulassungen bevorstehen.
Die Tatsache, dass die Revolution Medicines Aktie nachbörslich um rund 15% sprang, zeigt deutlich, wie stark der Markt auf diese Übernahmegerüchte reagiert und wie viel Potenzial in dem Unternehmen gesehen wird.