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Trump greift die Fed an – doch wie unabhängig sind Notenbanken wirklich? Zwischen politischem Einfluss, Schuldenkrise und Dollar-Druck steht die Geldpolitik vor einem Dilemma.
Es wird immer davon gesprochen, dass Notenbanken unabhängig sein sollten. Nur dann könnten sie ihre Aufgaben im Sinne der Bevölkerung wahrnehmen, ohne von der Politik beeinflusst zu werden. In diesem Sinne wären Donald Trumps Attacken auf die Notenbank falsch und zum Nachteil der Bevölkerung. Aber wie unabhängig ist die Notenbank überhaupt?
Es fängt damit an, dass der Chef der Notenbank von der Politik benannt wird. Interessanterweise hat Trump den aktuellen Fed-Chef Jerome Powell selbst auf diesen Post gesetzt, jetzt ist er dennoch nicht mehr zufrieden.
Mario Draghi hat als Chef der Europäischen Zentralbank 2012 im Zuge der Euro-Krise gesagt, er werde alles tun, was notwendig sei, um den Euro zu erhalten. Ob das im Sinne seiner Aufgabe, der Sicherung der Preisstabilität im Euroraum (Inflation unter zwei Prozent), war, muss jeder für sich beurteilen.
Von einer absoluten Unabhängigkeit der Notenbank von der Politik auszugehen, führt daher vermutlich nicht zum richtigen Ergebnis.
Wie verhält sich die Notenbank, um die akuten Herausforderungen zu lösen?
Die Frage ist also vielmehr, welche Probleme aktuell am dringlichsten gelöst werden müssen und welche Positionen die Notenbank einnimmt, dabei zu helfen. Drei Probleme sind offensichtlich:
- Die Schulden steigen ungebremst weiter und die Schuldenlast könnte bald nicht mehr tragfähig sein.
- Der Deckung des US-Dollars durch Öl (Petrodollar) nimmt durch das Angebot von Öl in anderen Währungen ab.
- Der Private Credit-Markt zeigt erste Risse, es droht ein erneutes Liquiditätsproblem, ähnlich dem der Finanzkrise 2008.
Eine Senkung der Zinsen, wie Trump sie fordert, würde die hohen Schulden tragfähiger machen und damit helfen. Die Zinslast würde sinken, das verbessert die Tragfähigkeit.
Wie auch immer man zur Absetzung von Venezuelas Präsidenten Nicolas Maduro stehen mag, die Aktion stärkt den US-Dollar im Hinblick auf das Öl-Angebot in US-Dollar. Auf den Punkt 2. hat die Notenbank keinen Einfluss.
Eine Ausweitung der Geldmenge, wie sie von der Fed schon letzten Dezember begonnen wurde, sorgt für Liquidität und erleichtert die Bedienung von Krediten. Der Beschluss der Notenbank zu 3. war daher wahrscheinlich richtig.
Der US-Dollar wird schwächer – vor allem gegenüber Gold und Silber
Im Ergebnis bleibt damit die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder muss der Dollar nachgeben oder das System könnte brechen, weil eine erneute Finanzkrise wesentlich größere Finanzspritzen erfordern würde – vielleicht sogar mehr, als die Notenbank zur Verfügung stellen könnte.
Der US-Dollar wird also weiter schwächer werden, wobei sich das nicht unbedingt gegenüber den anderen FIAT-Währungen zeigen muss, also beispielsweise Euro, Yen, etc., sondern mehr gegenüber Gold und Silber.
Und genau in diesem Bereich ist der Wertverlust bereits deutlich sichtbar. Der US-Dollar, in Gold gemessen, ist sowohl 2024 als auch 2025 deutlich gefallen (jeweils um rund 30 Prozent), gegenüber Silber in 2025 allein rund 60 Prozent.
Anleger sollten Edelmetallen und Rohstoffen eine größere Bedeutung beimessen
Niedrigere Zinsen und eine dadurch resultieren höhere Inflation werden den Prozess vermutlich weiter beschleunigen, aber die aktuellen Zinsen haben die Abwertung nicht verhindert.
Gleichzeitig würde gerade eine Liquiditätskrise zu einem Crash am Aktienmarkt (und Immobilienmarkt) führen, weshalb niedrigere Zinsen und viel Liquidität zumindest Zeit verschaffen. Ob eine Krise damit abgewendet werden kann, wird die Zeit zeigen.
Anleger sollten daher Edelmetallen und Rohstoffen, also physischen Werten, eine größere Bedeutung beimessen. Während Gold in der aktuellen durchschnittlichen Portfolio-Aufteilung noch einen Anteil von unter 2 Prozent hat, haben einzelne Banken und Experten schon einen Anteil von rund 20 – 25 Prozent als Ziel ausgegeben.
Welcher Anteil der richtige ist, hängt von verschiedenen individuellen Faktoren ab, unter anderem der finanziellen Situation. Ebenso, wie die Aufteilung zwischen Gold, Silber und anderen Rohstoffen, sowie Minen-Unternehmen sein sollte und welche Art der Anlage geeignet ist.
Dr. Daniel Walther ist Finanzexperte mit 30 Jahren Erfahrung in Vermögensanlage, -verwaltung und Vertriebssteuerung. Er schreibt Kolumnen für FAZ und das Deutsche Institut für Altersvorsorge und ist Gründer der Finanz-App Vermögensheld. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
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27 Kommentare
Die Beschreibung des ‚Petrodollar‘-Systems und dessen potenziellen Auseinanderbrechen ist besorgniserregend. Welche Alternativen gibt es für den US-Dollar als Weltreservewährung?
Der Artikel beschreibt den sinkenden Wert des US-Dollars gegenüber Gold und Silber. Ist das ein Zeichen für eine bevorstehende Abwertung oder eine natürliche Verschiebung im Wertesystem?
Die Wahl zwischen einem schwächeren Dollar und einem möglichen Systembruch klingt nach einem unlösbaren Dilemma. Gibt es keine dritte Option, um die Stabilität zu gewährleisten?
Die Entscheidung der Fed, die Geldmenge zu erweitern, scheint kurzfristig die Liquidität zu sichern, aber welche langfristigen Konsequenzen hat das für die Inflation?
Die Liquiditätsprobleme im Private Credit-Markt erinnern tatsächlich an 2008. Wie gut sind die Banken dieses Mal auf eine solche Krise vorbereitet?
Die Erwähnung der Euro-Krise und Draghis Interventionen ist ein wichtiger historischer Kontext. Zeigt das, dass Notenbanken in Krisenzeiten bereit sind, ihre Unabhängigkeit zu opfern?
Die steigenden Schulden sind ein großes Problem, das der Artikel richtig anspricht. Aber welche konkreten Maßnahmen können ergriffen werden, um die Schuldenlast zu reduzieren, ohne das Wirtschaftswachstum zu gefährden?
Die Situation ist komplex und erfordert eine sorgfältige Abwägung der Risiken und Chancen. Der Artikel liefert eine gute Grundlage für die Diskussion.
Der Artikel sagt, die Fed habe im Dezember die Geldmenge ausgeweitet, um Liquidität zu schaffen. War das eine angemessene Reaktion auf die Risse im Private Credit-Markt, oder könnte das langfristig Probleme verursachen?
Die Fokussierung auf Gold und Silber als Wertspeicher in Zeiten des Dollar-Schwäche ist interessant. Könnte das eine Hinwendung zu traditionellen Anlagen bedeuten?
Ich bin besorgt über die mögliche Auswirkung einer erneuten Finanzkrise. Könnte die Notenbank überhaupt genügend Ressourcen mobilisieren, um das System zu retten?
Ich finde es bemerkenswert, dass die Aktion gegen Nicolás Maduro den US-Dollar im Hinblick auf das Öl-Angebot stärkte. Das zeigt, wie geopolitische Entscheidungen die Währung beeinflussen können.
Die steigende Verschuldung ist ein tickendes Zeitbombe. Eine Zinsreduktion könnte kurzfristig helfen, aber löst sie das Problem wirklich?
Ich glaube nicht, dass eine Zinsreduktion die Ursachen der Verschuldung angeht. Es ist eher ein Symptommanagement.
Der Wertverlust des US-Dollars gegenüber Gold und Silber ist ein deutliches Signal. Ist das ein Zeichen für das Ende der Dollar-Dominanz?
Die Erwähnung von Mario Draghis Aussage im Jahr 2012, er werde ‚alles tun, um den Euro zu erhalten‘, ist ein starkes Beispiel dafür, wie Notenbanken in Krisenzeiten agieren. War das wirklich im Sinne der Preisstabilität?
Die Analyse des Petrodollar-Systems und die zunehmende Akzeptanz von Öl in anderen Währungen ist sehr aufschlussreich. Das könnte die globale Machtbalance verändern.
Die Beschreibung der drei Probleme – Schulden, Petrodollar, Private Credit – ist sehr präzise. Es scheint, als ob sich die Weltwirtschaft an einem Scheideweg befindet.
Mich wundert, dass die Artikel die Ähnlichkeit zur Finanzkrise 2008 im Private Credit-Markt hervorhebt. Könnte das ein Vorbote für noch größere Probleme sein, als damals?
Die Tatsache, dass Trump seinen eigenen Fed-Chef kritisiert, zeigt, wie unzufrieden er mit der aktuellen Geldpolitik ist. Aber ist seine Kritik berechtigt, oder geht es ihm nur um seine eigenen politischen Ziele?
Ich frage mich, ob die Notenbanken die langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen wirklich abschätzen können. Die Ausweitung der Geldmenge könnte beispielsweise zu unerwarteten Inflationseffekten führen.
Das ist ein berechtigter Einwand. Die Komplexität der globalen Wirtschaft macht präzise Vorhersagen nahezu unmöglich.
Der Artikel stellt die Frage nach der tatsächlichen Unabhängigkeit der Notenbanken sehr gut. Es ist offensichtlich, dass politische und wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen.
Ich bin skeptisch, ob die Notenbanken wirklich so unabhängig sind, wie oft behauptet wird. Die politische Einflussnahme scheint unvermeidlich, wie das Beispiel Trump zeigt.
Die Aussage, dass der Fed-Chef von der Politik ernannt wird, wirft natürlich Fragen nach der tatsächlichen Unabhängigkeit auf, besonders wenn man bedenkt, dass Trump Jerome Powell selbst vorgeschlagen hat. Ist das ein inhärenter Konflikt?
Die These, dass die Senkung der Zinsen die Schuldenlast tragfähiger machen würde, klingt logisch, aber ignoriert sie nicht die Gefahr einer steigenden Inflation? Das ist ein wichtiger Punkt.
Die Aussage, dass der Dollar gegenüber anderen FIAT-Währungen nicht unbedingt schwächer wird, sondern eher gegenüber Gold und Silber, ist ein wichtiger Unterschied. Das sollte man im Auge behalten.