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- BayWa AG – WKN: 519406 – ISIN: DE0005194062 – Kurs: 3,215 € (XETRA)
„Der Aufsichtsrat der BayWa Aktiengesellschaft hat heute in einer Sitzung über eine zukünftige personelle Ausrichtung des Vorstands ergebnisoffen beraten. Die Gesellschaft wird den Kapitalmarkt und die Öffentlichkeit über den Fortgang der Beratungen des Aufsichtsrats entsprechend den rechtlichen Anforderungen informieren.“
Das ist alles? Was wirklich dahintersteckt…
BayWa-CEO Frank Hiller schwer angeschlagen
Nach der eilig einberufenen Aufsichtsratssitzung steht wohl eindeutig fest: Es gibt einen Machtkampf an der Spitze des angeschlagenen Mischkonzerns. Und eine Vorentscheidung scheint es schon zu geben.
Frank Hiller, erst seit zehn Monaten im Amt, war Gegenstand einer Krisensitzung des Aufsichtsrats. Das Ergebnis ist für einen amtierenden CEO denkbar ungünstig: Zwar wurde Hiller nicht abberufen, doch das Gremium verweigerte den Ausspruch des Vertrauens. Aus Unternehmenskreisen verlautete lediglich, es sei keine Entscheidung getroffen worden.
Hinter den Kulissen tobt ein Richtungsstreit zwischen Hiller und dem Sanierungsvorstand (CRO=Chief Restructuring Officer) Michael Baur, der von der Beratungsgesellschaft Alix in den Vorstand entsandt wurde. Ursprünglich sollten Hiller, der Ex-Chef von Deutz, und der Restrukturierungsexperte Baur als Tandem den Konzernumbau bis Ende 2028 ausführen. Doch in der Realität gibt es starke Dissonanzen. Im Vorstand herrschen Streit um Zuständigkeiten und tiefgreifende Meinungsverschiedenheiten. Der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Georg Scheller scheint sich zunehmend auf die Seite des Sanierers Baur zu schlagen. Aber die 16 Mitglieder des Kontrollgremiums sind sich nicht einig.
Radikaler Umbauplan
Der von Hiller und Baur ursprünglich gemeinsam entworfene Sanierungsplan sieht eine drastische Schrumpfkur vor, wir berichteten auf stock3 mehrmals (siehe zum Beispiel hier).
BayWa soll sich künftig auf vier Kernsäulen fokussieren: Agrarhandel, Landtechnik, Bauwesen und Energiehandel.
Die durchaus herausfordernde und risikobehaftete Umsetzung dieses Plans erfordert selbstverständlich eine handlungsfähige Führung. Dass Hiller, der noch einen Vertrag über drei Jahre besitzt, diesen Prozess nun mit voller Autorität steuern kann, darf angesichts seiner Beschädigung durch den Aufsichtsrat bezweifelt werden. Hiller hatte sich offenbar auch deshalb Feinde im Aufsichtsrat gemacht, weil er auf eine schonungslose Aufarbeitung der Vergangenheit drängte.
Juristisches Nachspiel und Kritik am Aufsichtsrat
Die Aufarbeitung der Ära vor Hiller beschäftigt mittlerweile auch die Justiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ehemalige Vorstände wegen des Verdachts der falschen Darstellung der Finanzlage im Jahresabschluss 2023. Auch die amtierende Vorständin Marlen Wienert ist betroffen, wenngleich ihr Vertrag kürzlich verlängert wurde. Parallel dazu prüfen die Finanzaufsicht BaFin und die Abschlussprüferaufsicht Apas die Bilanzen und die Rolle der Wirtschaftsprüfer von PwC.
In den Fokus der Kritik gerät zunehmend auch der Aufsichtsrat selbst. Investoren monieren, dass das Gremium weitgehend mit denselben Personen besetzt ist, die den riskanten Expansionskurs der Vergangenheit durchgewunken haben. Prominente Mitglieder wie die CSU-Politikerin Monika Hohlmeier oder Bauernverbandspräsident Joachim Rukwied gehören dem Aufsichtsrat seit 2013 an. Auf der letzten Hauptversammlung fand Daniela Bergdolt von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) drastische Worte für diese Beharrungskräfte: „Die Aufsichtsräte sitzen auf ihren Stühlen wie mit Pattex festgeklebt.“
Fazit
Ein Vorstandschef auf Abruf und ein Aufsichtsrat, der sich nicht zu einer klaren Entscheidung durchringen kann, sind für die ohnehin fragile Reputation des Konzerns am Kapitalmarkt nicht gerade ideal. Schnelle Entscheidungen sind jetzt nötig. Die minimalistische Kommunikation hätte man sich eigentlich schenken können. Eine Ad-hoc-Mitteilung dafür, dass man mitteilt, man hat sich zusammengesetzt und nichts entschieden, und dann schreibt man nicht mal, worum es genau geht? Braucht niemand.
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17 Kommentare
Mich wundert, dass die Aufarbeitung der Finanzlage 2023 bis zur Staatsanwaltschaft reicht. Das wirft ein schlechtes Licht auf die vorherige Geschäftsführung und könnte die Aktie weiter belasten, trotz des aktuellen Gewinns.
Der Fokus auf vier Kernsäulen – Agrarhandel, Landtechnik, Bauwesen und Energiehandel – klingt nach einer sinnvollen Strategie. Aber ist BayWa überhaupt in der Lage, sich so radikal zu verändern und gleichzeitig wettbewerbsfähig zu bleiben?
Die Tatsache, dass der Aufsichtsrat Frank Hiller das Vertrauen verweigert hat, obwohl er noch einen dreijährigen Vertrag hat, deutet auf eine sehr ernste Situation hin. Wie kann ein Konzernumbau erfolgreich sein, wenn die Führungsperson bereits so geschwächt ist?
Hiller, der vorher Chef von Deutz war, scheint mit seiner Forderung nach einer ’schonungslosen Aufarbeitung der Vergangenheit‘ einige Leute im Aufsichtsrat verärgert zu haben. Das ist ein interessanter Aspekt.
Ich frage mich, welche konkreten ‚Dissonanzen‘ zwischen Hiller und Baur herrschen. Der Artikel erwähnt Streit um Zuständigkeiten, aber das ist sehr vage. Mehr Details wären hier hilfreich.
Es ist bemerkenswert, dass Michael Baur von Alix in den Vorstand entsandt wurde. Das deutet darauf hin, dass der Aufsichtsrat die Situation als besonders kritisch einschätzt und externe Expertise benötigt.
Der Artikel erwähnt, dass der Sanierungsplan bis Ende 2028 umgesetzt werden soll. Das ist ein langer Zeitraum. Kann BayWa so lange stabil bleiben, um diesen Plan zu realisieren?
Ich bin gespannt, welche ‚rechtlichen Anforderungen‘ die BayWa AG bezüglich der Veröffentlichung weiterer Informationen erfüllen muss. Transparenz ist jetzt wichtiger denn je.
Die Betonung des Artikels auf die ‚Schrumpfkur‘ ist deutlich. Ist BayWa bereit, sich von Geschäftsbereichen zu trennen, um die Kernkompetenzen zu stärken?
Die Situation erinnert an einen klassischen Machtkampf in einem Konzern. Es bleibt abzuwarten, wer am Ende als Sieger hervorgeht und welche Auswirkungen das auf die BayWa-Aktie hat.
Ein Verkauf mit 25% Gewinn ist natürlich schön, aber die interne Zerrissenheit bei BayWa macht mich als Aktionär trotzdem nervös. Die Zukunft des Unternehmens scheint ungewiss.
Die Tatsache, dass der Aufsichtsrat ‚ergebnisoffen‘ berät, klingt nicht sehr beruhigend. Es deutet darauf hin, dass es keine klare Vision für die Zukunft des Unternehmens gibt.
Das stimmt. ‚Ergebnisoffen‘ kann auch bedeuten, dass man sich noch nicht festlegen will, um alle Optionen offen zu halten, was für Aktionäre wenig Vertrauen schafft.
Die Tatsache, dass Marlen Wienert trotz der Ermittlungen einen Vertragsverlängerung erhalten hat, ist überraschend. Das wirft Fragen nach der Transparenz der Entscheidungen im Aufsichtsrat auf.
Die Tatsache, dass der Aufsichtsrat mit 16 Mitgliedern nicht einig ist, zeigt, wie komplex die Lage bei BayWa ist. Ein klarer Kurs fehlt offenbar, was die Umsetzung des Sanierungsplans erschwert.
Die Untersuchung der BaFin und Apas bezüglich der Bilanzen ist ein wichtiger Schritt. Wenn sich der Verdacht der falschen Darstellung der Finanzlage bestätigt, könnte das erhebliche Konsequenzen für die Verantwortlichen haben.
Es ist riskant, einen CEO nach nur zehn Monaten im Amt so zu schwächen. Das könnte zu einem Verlust an Fachwissen und einer Verlangsamung der Entscheidungsfindung führen.