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Berlin, 15. Januar 2026
Immer mehr Seniorinnen und Senioren sind online. Sie sind weit überwiegend aufgeschlossen gegenüber neuen digitalen Technologien, fordern sogar mehr Tempo bei der Digitalisierung. Gleichzeitig schätzen sie die eigene Digitalkompetenz nur als mittelmäßig ein. Fast alle wünschen sich Unterstützungsangebote, um digitale Fähigkeiten zu erlernen und auszubauen. Das sind Ergebnisse einer Studie im Auftrag des Digitalverbands Bitkom, für die 1.004 Personen ab 65 Jahren in Deutschland repräsentativ befragt wurden. Während vor fünf Jahren erst knapp die Hälfte (48 Prozent) der Seniorinnen und Senioren in Deutschland online waren, nutzen inzwischen rund drei Viertel (74 Prozent) der Deutschen ab 65 Jahren das Internet. Senioren (78 Prozent) sind eher online als Seniorinnen (70 Prozent).
Mit zunehmendem Alter sinkt dabei erwartungsgemäß der Anteil der Internetnutzerinnen und Internetnutzer: Während von den 65- bis 69-Jährigen mit 98 Prozent fast alle online sind, nutzen unter den 70- bis 74-Jährigen 85 Prozent das Internet und unter den 75- bis 79-Jährigen noch rund zwei Drittel (64 Prozent). Unter den Ältesten ab 80 Jahren ist nur knapp die Hälfte (49 Prozent) online.
Insgesamt 74 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer ab 65 Jahren können sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen. 91 Prozent finden im Internet Freizeitaktivitäten, 78 Prozent nutzen das Netz, um gedanklich fit zu bleiben. 72 Prozent haben dank des Internets mehr Kontakt zu Freunden und Familie. „Deutschlands Seniorinnen und Senioren sind viel digitaler als gedacht. Sie erkennen die Chancen, wünschen sich mehr und schnelleren Fortschritt – und wollen dabei mitgenommen werden“, so Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
„Immer mehr Menschen über 60 nutzen digitale Angebote. Damit digitale Technologien den Alltag von Senioren noch besser unterstützen können, braucht es neben guten Lösungen vor allem verständliche Begleitung und verlässliche Zugänge, insbesondere in ländlichen Regionen. Digitalisierung kann Selbstständigkeit, Sicherheit und soziale Teilhabe bis ins hohe Alter stärken, etwa durch Gesundheitsangebote, Online-Banking oder den Kontakt zu Familie und Freunden. Diese Chancen müssen für alle gleichermaßen zugänglich sein. Mit Initiativen wie dem DigitalPakt Alter und dem Projekt ‚Digitaler Engel‘ bringen wir Beratung und Schulungsangebote direkt zu den Menschen – auch in kleinere Städte und ländliche Räume. Der Austausch zwischen Jung und Alt spielt dabei eine wichtige Rolle. Unser Ziel ist klar: den digitalen Wandel so zu gestalten, dass alle ihn selbstbestimmt nutzen können“, so Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Karin Prien bei der Vorstellung der Studie.
Mehr Tempo, aber auch mehr Teilhabe an der Digitalisierung gefordert
Grundsätzlich steht die Generation 65+ der Digitalisierung mehrheitlich positiv gegenüber: Insgesamt 81 Prozent der Seniorinnen und Senioren sehen die Digitalisierung als Chance für die Gesellschaft, nur 17 Prozent als Gefahr. Den meisten geht es sogar nicht schnell genug: Zwei Drittel (66 Prozent) der Menschen über 65 Jahren wünschen sich, dass die Digitalisierung schneller vorangetrieben wird. Gleichzeitig sollte die Politik nach Meinung von 80 Prozent dabei mehr an ältere Menschen denken.
Mailing, Banking, Shopping – wozu ältere Menschen das Netz nutzen
Im Internet steht für die Seniorinnen und Senioren Kommunikation und Unterhaltung ganz vorne: 92 Prozent der Internetnutzerinnen und -nutzer ab 65 Jahren schreiben Mails, 88 Prozent Textnachrichten, 60 Prozent nutzen soziale Netzwerke und die Hälfte (50 Prozent) telefoniert per Videoanruf. Auch Hobbies und News stehen hoch im Kurs: 88 Prozent suchen online Infos zu persönlichen Interessen, 81 Prozent informieren sich im Internet über Nachrichten beziehungsweise das aktuelle Zeitgeschehen. Auch abseits davon nutzen Seniorinnen und Senioren das Netz für alltägliche Organisationsaufgaben. 80 Prozent verwenden Online-Banking, 76 Prozent kaufen online ein. 57 Prozent nutzen das Internet zur Navigation, 52 Prozent planen Reisen ganz oder teilweise im Netz. 47 Prozent verwenden Gesundheits- oder Fitnessapps.
Hinter Offline-Leben steckt vor allem fehlendes Wissen, weniger fehlendes Interesse
Fehlendes Wissen oder Ressourcen, Bedenken oder schlichtweg kein Interesse – die Gründe, das Internet nicht zu nutzen, sind vielfältig. Mit 26 Prozent ist etwa ein Viertel der Seniorinnen und Senioren nicht online. Von ihnen sagen 47 Prozent, sie kennen sich mit dem Internet nicht aus. 15 Prozent haben niemanden, der ihnen in der Online-Welt helfen könnte. Sorgen machen sich diejenigen, die offline sind, vor allem bezüglich der Sicherheit: 40 Prozent nutzen das Internet aus Bedenken vor der Sicherheit ihrer Daten bzw. der Angst vor Viren nicht. 8 Prozent haben Sorge vor gesundheitlichen Folgen durch die Internetnutzung, 6 Prozent können das Internet wegen eigener gesundheitlicher Einschränkungen nicht nutzen. Bei 4 Prozent rät das Umfeld von der Internetnutzung ab.
Grundsätzlich würden die meisten jedoch gerne online sein: Nur eine Minderheit von 41 Prozent der Nicht-Nutzer gibt an, kein Interesse oder keinen Bedarf am Internet zu haben. 26 Prozent sagen, sie wollen sich in ihrem Alter damit nicht mehr beschäftigen. Rund einem Drittel (35 Prozent) fehlt nach eigenen Angaben eine technische Möglichkeit, überhaupt ins Internet zu gehen. 18 Prozent sind die Geräte und ein Internetanschluss zu teuer. Wintergerst: „Die Mehrheit älterer Menschen möchte online sein. Doch einige stoßen noch auf Hürden. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, dafür zu sorgen, dass sie an der digitalen Welt teilhaben können.“
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24 Kommentare
91 Prozent nutzen das Internet für Freizeitaktivitäten, das ist fantastisch! Welche konkreten Freizeitaktivitäten sind bei den Senioren am beliebtesten? Geht es hauptsächlich um soziale Medien oder auch um Online-Spiele oder Kurse?
Die Studie zeigt, dass 74% der über 65-Jährigen sich kein Leben mehr ohne Internet vorstellen können – das ist eine enorme Zahl und deutet auf eine tiefgreifende gesellschaftliche Veränderung hin. Wie wirkt sich diese Abhängigkeit auf die Lebensqualität aus, wenn beispielsweise die Internetverbindung mal ausfällt?
Die Studie zeigt, dass Männer (78%) häufiger online sind als Frauen (70%). Gibt es hier spezifische Gründe, beispielsweise unterschiedliche Interessen oder eine geringere Affinität zu Technologie bei Frauen?
Die Aussage, dass Digitalisierung Selbstständigkeit und Sicherheit stärken kann, stimmt absolut. Online-Banking und Gesundheitsangebote können die Lebensqualität im Alter deutlich verbessern, wenn sie zugänglich sind.
Es ist positiv, dass die meisten Senioren die Digitalisierung als Chance sehen. Aber es ist auch wichtig, ihre Bedenken ernst zu nehmen und ihnen zu helfen, mit den Veränderungen umzugehen.
Die Betonung auf ’selbstbestimmte Nutzung‘ durch Ministerin Prien ist entscheidend. Es geht nicht darum, Senioren zu zwingen, digitale Technologien zu nutzen, sondern ihnen die Möglichkeit zu geben, es in ihrem eigenen Tempo und nach ihren Bedürfnissen zu tun.
Die Herausforderung besteht darin, die digitale Kluft zu überwinden und sicherzustellen, dass alle Senioren von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren können, unabhängig von ihrem Alter, Geschlecht oder Wohnort.
Die Studie erwähnt, dass vor fünf Jahren nur 48% der Senioren online waren. Das ist ein enormer Sprung auf 74% in so kurzer Zeit! Was hat zu dieser schnellen Entwicklung beigetragen?
Ich frage mich, ob die steigende Zahl an Online-Nutzern bei Senioren auch zu einer Zunahme von Betrugsversuchen im Internet führt. Es ist wichtig, dass sie sich der Risiken bewusst sind und sich entsprechend schützen können.
Ich bin gespannt, wie sich die Zahlen in den nächsten Jahren entwickeln werden. Werden wir eine Generation von ‚digital natives‘ im Alter erleben, oder wird es weiterhin Unterschiede geben?
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit, digitale Technologien barrierefreier zu gestalten. Viele Senioren haben Schwierigkeiten mit kleinen Bildschirmen, komplizierten Menüs oder schlechter Lesbarkeit.
Die Studie zeigt, dass die Digitalisierung nicht mehr nur eine Frage der jüngeren Generation ist. Es ist wichtig, dass Unternehmen und Behörden ihre Angebote an die Bedürfnisse von Senioren anpassen.
Ich finde es gut, dass die Bundesministerin Prien Initiativen wie den DigitalPakt Alter und den ‚Digitalen Engel‘ erwähnt. Gerade in ländlichen Regionen ist die Unterstützung vor Ort entscheidend, um niemanden zurückzulassen.
Die Tatsache, dass fast alle 65- bis 69-Jährigen online sind, zeigt, dass die Digitalisierung bereits in dieser Altersgruppe weit verbreitet ist. Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.
Ich finde es gut, dass der Austausch zwischen Jung und Alt gefördert wird. Oft können jüngere Generationen ihren älteren Familienmitgliedern helfen, sich im digitalen Raum zurechtzufinden.
Die Aussage von Bitkom-Präsident Dr. Wintergerst, dass Senioren die Chancen erkennen und mehr Fortschritt wünschen, finde ich sehr wichtig. Es darf aber nicht vergessen werden, dass viele eine verständliche Begleitung benötigen, um diese Chancen auch wirklich nutzen zu können.
Es wäre interessant zu wissen, welche Art von Unterstützungsangeboten sich die Senioren konkret wünschen. Sind es eher Einzelcoachings oder Gruppenkurse? Oder vielleicht auch spezielle Apps oder Tutorials?
Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die Digitalisierung ein wichtiger Faktor für die soziale Teilhabe im Alter ist. Es ist daher unerlässlich, dass wir weiterhin in entsprechende Angebote investieren.
Es ist beruhigend zu lesen, dass 72% der Senioren durch das Internet mehr Kontakt zu Freunden und Familie haben. Das ist ein wichtiger Beitrag gegen die soziale Isolation, die im Alter leider oft vorkommt.
Die Diskrepanz zwischen der positiven Einstellung zur Digitalisierung (81%) und der selbst eingeschätzten mittleren Digitalkompetenz ist interessant. Das deutet darauf hin, dass viele Senioren sich unsicher fühlen, obwohl sie die Vorteile sehen.
Ich finde es gut, dass die Studie auch die unterschiedlichen Nutzungsmuster innerhalb der Altersgruppe berücksichtigt. Die Bedürfnisse der 65-69-Jährigen sind natürlich anders als die der über 80-Jährigen.
Es ist bemerkenswert, dass der Anteil der Internetnutzer mit zunehmendem Alter sinkt, von 98% bei den 65-69-Jährigen auf nur 49% bei den über 80-Jährigen. Liegt das hauptsächlich an fehlenden digitalen Kompetenzen oder an körperlichen Einschränkungen bei der Bedienung der Geräte?
Die Tatsache, dass 78% der Senioren das Internet nutzen, um gedanklich fit zu bleiben, zeigt, wie wichtig digitale Angebote für die Lebensqualität im Alter sein können. Gibt es bestimmte Apps oder Programme, die hier besonders empfohlen werden?
Die Fokussierung auf verlässliche Zugänge, besonders in ländlichen Regionen, ist ein wichtiger Punkt. Ohne eine stabile Internetverbindung können alle Bemühungen zur Förderung der digitalen Kompetenz wenig ausrichten.