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Der Fall des Klägers John Durnell war ursprünglich im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt worden. Die Geschworenen waren der Auffassung, dass das Unternehmen zu einer Krebswarnung verpflichtet gewesen wäre, und sprachen dem Kläger eine hohe Entschädigung zu. Bayer hatte diesen Fall dann später für einen Gang vor den obersten US-Gerichtshof ausgewählt, um ein Grundsatzurteil zu erzielen.
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Bayer argumentiert, dass die US-Umweltbehörde EPA in dem Mittel keine Gesundheitsrisiken sieht, wenn es entsprechend der Vorschriften angewendet wird. Die EPA hatte das Produktlabel entsprechend ohne Warnung genehmigt. Daher sollten laut Bayer auch Schadenersatzansprüche „basierend auf dem Recht einzelner Bundesstaaten vor Gericht keinen Bestand haben.“
Anfang Dezember hatte der sogenannte Solicitor General – eine Art Generalanwalt der US-Regierung – den Antrag des Konzerns auf Prüfung des Falls „Durnell“ durch den US Supreme Court unterstützt. Der Aktienkurs war damals schon nach oben gesprungen. Nach der nun erfolgten Annahme dürften die Richter bis Ende Juni in dem Fall entscheiden, denn um diesem Zeitraum herum endet die aktuelle Sitzungsperiode des US Supreme Court.
Im Herbst hatte Bayer im Zuge der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal die Rückstellungen in Sachen Glyphosat erhöht. Konzernchef Bill Anderson begründete das mit Vergleichsvereinbarungen sowie einem moderaten Anstieg der eingereichten Glyphosatklagen. Per Stand 15. Oktober sprach Bayer von 197.000 angemeldeten Ansprüchen, von denen rund 132.000 verglichen wurden oder die Vergleichskriterien nicht erfüllten.
Insgesamt hat sich Anderson, der das Ruder in Leverkusen im Juni 2023 übernommen hatte, neben einer operativen Trendwende auch auf die Fahnen geschrieben, die US-Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 signifikant einzudämmen. Diese hatte sich Bayer 2018 mit der Übernahme des US-Agrarchemiekonzerns Monsanto ins Haus geholt, die Andersons Vorgänger Werner Baumann durchgeboxt hatte. Nach einer ersten Niederlage in einem Glyphosat-Prozess stiegen dann die Klägerzahlen, der Aktienkurs ging auf eine jahrelange Talfahrt. Eine nennenswerte Erholung läuft nun seit April 2024.
Neben der Hoffnung auf ein positives Supreme-Court-Urteil spielen dabei auch Vergleiche eine Rolle, wenn diese aus Sicht des Unternehmens vorteilhafter sind als anhaltende Rechtsrisiken und etwaige Prozesse mit den Klägern, die Glyphosat für ihre Krebserkrankung verantwortlich machen. Zudem hatte Bayer die Lobbyarbeit in US-Bundesstaaten intensiviert, um Gesetzesänderungen zu erwirken. Wie im Fall „Durnell“ geht es auch hier darum, ob Bundesrecht über dem Recht von Bundesstaaten steht./mis/men/nas
Quelle: dpa-AFX
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21 Kommentare
Wenn Bayer Vergleiche als vorteilhafter gegenüber anhaltenden Rechtsrisiken ansieht, bedeutet das dann, dass sie Zweifel an ihrem Sieg vor dem Supreme Court haben?
Die 197.000 angemeldeten Ansprüche sind eine enorme Zahl. Selbst wenn 132.000 bereits beigelegt wurden, bleiben noch über 65.000 offene Fälle, die ein erhebliches Risiko darstellen.
Ich frage mich, ob ein Urteil zugunsten von Bayer die Kläger dazu bewegen wird, andere Rechtswege zu suchen, beispielsweise Klagen gegen die EPA selbst.
Ich finde es bemerkenswert, dass die Entscheidung des Gerichts bis Ende Juni erwartet wird, da die aktuelle Sitzungsperiode dann endet. Das deutet auf eine hohe Priorität hin.
Die Begründung der Geschworenen, dass Bayer zu einer Krebswarnung verpflichtet gewesen wäre, ist ein schwerwiegender Vorwurf. Welche Beweise gab es dafür?
Die Tatsache, dass der Fall bereits im Oktober 2023 in St. Louis verhandelt wurde, zeigt, wie lange dieser Rechtsstreit schon andauert. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht.
Bill Anderson hat sich das Ziel gesetzt, die Rechtsstreitigkeiten bis Ende 2026 deutlich zu reduzieren. Ist das realistisch, oder ist das ein zu optimistischer Zeitplan?
Angesichts der Anzahl der offenen Fälle und der Komplexität der Rechtslage erscheint mir das sehr ambitioniert. Es wird auf das Urteil des Supreme Court ankommen.
Die Entscheidung des Supreme Court wird wahrscheinlich nicht nur für Bayer, sondern für die gesamte Agrarchemie-Industrie von Bedeutung sein.
Das stimmt. Ein Urteil, das die Verantwortung der Unternehmen für die Sicherheit ihrer Produkte stärkt, könnte branchenweite Auswirkungen haben.
Bayer hat die Rückstellungen für Glyphosat-Klagen im dritten Quartal erhöht – wie hoch war dieser Anstieg konkret? Das könnte ein Indikator für die erwarteten Kosten sein, selbst bei einem positiven Urteil.
Die Hoffnung auf ein positives Urteil ist verständlich, aber Bayer sollte sich auch auf alternative Szenarien vorbereiten, falls das Gericht anders entscheidet.
Die jahrelange Talfahrt des Aktienkurses und die erst seit April beobachtbare Erholung zeigen, wie stark das Unternehmen von diesen Rechtsstreitigkeiten belastet wurde.
Es ist interessant, dass der Fall Durnell ausgewählt wurde, um ein Grundsatzurteil zu erreichen. Welche spezifischen Aspekte dieses Falls machten ihn für Bayer so wichtig?
Es ist gut zu sehen, dass Bayer versucht, die Rechtsstreitigkeiten einzudämmen, aber die hohen Rückstellungen deuten darauf hin, dass dies ein teurer Prozess sein wird.
Die Aussage, dass die EPA keine Gesundheitsrisiken sieht, wenn das Produkt vorschriftsmäßig angewendet wird, ist entscheidend. Aber was bedeutet ‚vorschriftsmäßig‘ in der Praxis, und wie wird das Gericht das interpretieren?
Ich bin gespannt, wie das Gericht die Frage der Vorherrschaft des Bundesrechts gegenüber dem Recht der Bundesstaaten interpretieren wird. Das hat weitreichende Konsequenzen.
Die Übernahme von Monsanto im Jahr 2018 scheint Bayer immer noch Kopfschmerzen zu bereiten. War die Risikobewertung vor der Übernahme ausreichend?
Die Erhöhung der Rückstellungen im dritten Quartal und die gleichzeitige Unterstützung durch den Solicitor General scheinen widersprüchlich. Was steckt dahinter?
Die Tatsache, dass der Solicitor General den Fall unterstützt hat, deutet auf eine ernsthafte Prüfung durch den Supreme Court hin. Wird das Gericht wirklich die EPA-Zulassung als maßgeblich ansehen, wie Bayer hofft?
Der Anstieg der Aktie um vier Prozent nachbörslich ist bemerkenswert, aber wie nachhaltig ist diese Reaktion? Viel hängt von der Entscheidung des Gerichts ab.