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Verkaufen will der Unitedhealth-Konzern noch im ersten Quartal sein Geschäft in Europa. In der zweiten Jahreshälfte solle das Geschäft in Südamerika folgen, sagte Finanzchef Wayne DeVeydt. Zudem soll die Zahl der Optum-Standorte und der betreuten Patienten um 20 Prozent sinken. Damit fallen 550 Filialen weg. Sie sollen geschlossen oder an andere Betreiber wie Krankenhäuser verkauft werden.
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Optum Health war in den vergangenen Jahren der Gewinntreiber des Konzerns. Die Sparte kaufte Arztpraxen, Operationszentren und andere Einrichtungen der Gesundheitsbranche auf und sollte Patienten des staatlichen Medicare-Programms versorgen. Aber die Gewinne in diesem Segment sind geschrumpft, und neue Regeln der US-Regierung sollen die Zahlungen an Versicherer senken.
Für das laufende Jahr erwartet das Management konzernweit einen Umsatz von mehr als 439 Milliarden US-Dollar (370 Mrd Euro). Das wären zwei Prozent weniger als im Vorjahr, weniger als von Analysten im Schnitt erwartet – und laut Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg der erste Umsatzrückgang seit dem Jahr 1989. Der um Sonderposten bereinigte Gewinn je Aktie soll jedoch von zuletzt 16,35 Dollar auf mehr als 17,75 Dollar steigen.
Im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz von Unitedhealth um 12 Prozent auf 447,6 Milliarden Dollar. Der Überschuss sank jedoch um 16 Prozent auf knapp 12,1 Milliarden Dollar. Dies lag auch an Sonderbelastungen von insgesamt 1,6 Milliarden Dollar nach Steuern. Darin enthalten sind die Folgen eines Cyberangriffs sowie Kosten für den Konzernumbau, abgefedert von Gewinnen aus dem Verkauf von Beteiligungen.
Unitedhealth war 2025 wiederholt ins Visier staatlicher Ermittlungen geraten. Im April kappte das Management zunächst seine Jahresziele und strich sie im Mai wegen unerwartet hoher Kosten für medizinische Behandlungen komplett. Zugleich holte der Konzern seinen früheren Chef Hemsley zurück an die Spitze, um die Krise zu beenden. Dieser gab später deutlich bescheidenere Ziele aus als sein Vorgänger.
Der Aktienkurs der Unitedhealth-Group brach vorbörslich um mehr als 16 Prozent ein. Das lag aber nicht an den Geschäftszahlen, sondern vor allem an einer staatlichen Entscheidung, der auf der gesamten Branche lastete. So hatte die zuständige Bundesbehörde Centers for Medicare & Medicaid Services angekündigt, die Zahlungen an private Medicare-Versicherungen für die von den Konzernen betreuten sogenannten Advantage-Pläne im nächsten Jahr um lediglich 0,09 Prozent zu erhöhen und damit quasi unverändert lassen zu lassen. Analysten hatten hingegen einen Anstieg von bis zu 6 Prozent erwartet./stw/mne/mis/jha
Quelle: dpa-AFX
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22 Kommentare
Ein Rückgang des Überschusses um 16 Prozent ist alarmierend, selbst unter Berücksichtigung der Sonderbelastungen. Wie plant UnitedHealth, die Rentabilität in den kommenden Jahren wieder zu steigern?
Die Veräußerung von Beteiligungen hat zwar zu Gewinnen geführt, aber das ist keine nachhaltige Strategie. UnitedHealth muss neue Wachstumstreiber finden.
Die Fokussierung auf das staatliche Medicare-Programm durch Optum scheint sich nicht wie erhofft auszuzahlen. War das ein Fehlkalkulation des Managements?
Ich bin gespannt, wie sich der Aktienkurs von UnitedHealth in den kommenden Wochen und Monaten entwickeln wird. Die Reaktion des Marktes auf diese Nachrichten ist deutlich.
Es ist bemerkenswert, dass UnitedHealth seit 1989 nicht mehr mit einem Umsatzrückgang gerechnet hat. Die neuen Regeln der US-Regierung bezüglich der Medicare-Zahlungen scheinen ein entscheidender Faktor zu sein.
Die angekündigte geringe Erhöhung der Zahlungen an private Medicare-Versicherungen um nur 0,09 Prozent ist wirklich minimal. Das wird die gesamte Branche belasten.
Der Cyberangriff hat offenbar auch zu den Sonderbelastungen von 1,6 Milliarden Dollar beigetragen. Wurden die Sicherheitsmaßnahmen seitdem verbessert, um zukünftige Angriffe zu verhindern?
Die Erwartung eines Gewinns pro Aktie von über 17,75 Dollar trotz Umsatzrückgang deutet auf aggressive Kostensenkungsmaßnahmen hin. Sind diese nachhaltig und ohne negative Auswirkungen auf die Mitarbeiter?
Das ist eine wichtige Frage. Kostensenkungen können kurzfristig den Gewinn steigern, aber langfristig zu Qualitätseinbußen führen.
Die Reduzierung der betreuten Patienten bei Optum um 20 Prozent ist ein signifikanter Schritt. Wird sich das auf die Qualität der angebotenen Dienstleistungen auswirken?
Ein Umsatzwachstum von 12 Prozent im Vorjahr ist beeindruckend, aber der darauffolgende Rückgang zeigt, wie schnell sich die Rahmenbedingungen ändern können. Das Unternehmen muss sich anpassen.
Der Verkauf des Geschäfts in Europa und Südamerika scheint ein klarer Fokus auf den US-Markt zu signalisieren. Ist das ein strategischer Vorteil oder eine Einschränkung des Wachstumspotenzials?
Die Schließung von 550 Optum-Filialen klingt drastisch. Wird es dadurch zu einer schlechteren medizinischen Versorgung in den betroffenen Regionen kommen, oder können die Patienten anderweitig versorgt werden?
Es ist interessant zu sehen, wie UnitedHealth versucht, durch Effizienzsteigerungen und Kostensenkungen den Gewinn zu erhöhen, während der Umsatz sinkt. Das ist ein riskantes Unterfangen.
Ich frage mich, ob die staatlichen Ermittlungen, denen UnitedHealth wiederholt ausgesetzt war, eine Rolle bei dieser strategischen Neuausrichtung spielen. Gibt es hier einen Zusammenhang?
Optum Health war bisher der Gewinntreiber. Wenn die Gewinne in diesem Segment schrumpfen, wie sieht dann die zukünftige Wachstumsstrategie von UnitedHealth aus?
Der vorbörsliche Kurssturz von über 16 Prozent ist heftig, aber nicht direkt durch die Geschäftszahlen verursacht. Die Entscheidung der Centers for Medicare & Medicaid Services scheint also weitreichende Folgen zu haben.
Die Tatsache, dass die Jahresziele bereits zweimal gekappt wurden, lässt wenig Gutes erahnen. Wie transparent ist das Management gegenüber den Aktionären in dieser Situation?
Die Entscheidung, Geschäftsteile im Ausland zu verkaufen, könnte darauf hindeuten, dass UnitedHealth Schwierigkeiten hat, in diesen Märkten profitabel zu sein. Stimmt das?
Es ist möglich, dass die regulatorischen Hürden und die Wettbewerbssituation in Europa und Südamerika zu hoch sind.
Ein Umsatzrückgang von 2 Prozent auf über 439 Milliarden US-Dollar – das ist zwar ein Rückgang, aber immer noch eine enorme Summe. Wie bewertet das Management die langfristigen Auswirkungen dieser Strategie auf den Marktanteil?
Die Rückkehr von Hemsley als CEO deutet auf eine ernsthafte Krise hin. Welche konkreten Veränderungen hat er bereits eingeleitet, um die Situation zu stabilisieren?