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Gold eilt von Rekord zu Rekord: Geopolitische Spannungen, neue Investoren und asiatische Nachfrage treiben den Preis – und machen das Edelmetall wieder salonfähig.
Schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten für den Goldpreis. Inzwischen gilt das sogar für gute Nachrichten. Als US-Präsident Donald Trump seine Drohungen gegen Europas Verbündete verschärfte, legte der Goldpreis kräftig zu. Und selbst als er davon wieder abrückte, stieg er weiter.
Seit Jahresbeginn liegt Gold bereits mehr als 17 Prozent im Plus und überschritt am 26. Januar erstmals die Marke von 5000 Dollar je Unze. Dabei ist es noch nicht einmal Februar – viele Prognosen für Ende 2026 hat das Edelmetall bereits jetzt übertroffen.
Gold steht im Zentrum des sogenannten „Debasement Trades“. Investoren, die sich vor ausufernder Staatsverschuldung, geopolitischen Spannungen und dem Erodieren institutioneller Regeln sorgen, verkaufen Anleihen und Dollar und greifen zu einem der ältesten Schutzwerte überhaupt.
Auffällig: Gold profitiert auch von steigenden Aktienmärkten
Seit Trump am 2. April vergangenen Jahres seine globalen Zollpläne vorgestellt hat, fiel der S&P-500-Index an 27 Tagen um mehr als ein Prozent. An diesen Tagen stieg der Goldpreis im Schnitt um 0,6 Prozent.
Auffällig ist jedoch: Gold profitiert auch von steigenden Aktienmärkten. An den 24 Tagen, an denen der S&P 500 um mehr als ein Prozent zulegte, gewann Gold im Schnitt 0,2 Prozent.
Weltweit halten Gold-ETFs inzwischen mehr als 4000 Tonnen des Metalls
In den vergangenen Jahren wurde die Rally vor allem von Zentralbanken in Schwellenländern angeheizt, allen voran von China. Diese besonders konservativen Investoren setzen wieder verstärkt auf physisches Gold als Absicherung gegen geopolitische Risiken.
Gleichzeitig zeigen die Zuflüsse in Gold-ETFs, dass eine neue Investorengruppe dazukommt – weniger aus Sicherheitsgründen, sondern wegen Rendite und Diversifikation. Weltweit halten Gold-ETFs inzwischen mehr als 4000 Tonnen des Metalls. Ihr Bestand wuchs 2025 um 25 Prozent und ist inzwischen über 650 Milliarden Dollar wert.
Einer der größten Vermögensverwalter Asiens investiert 25 Prozent seines Vermögens in Gold
Besonders aktiv sind asiatische Investoren. In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Goldbestände asiatischer ETFs auf 460 Tonnen mehr als verdreifacht. Im letzten Quartal 2025 verzeichnete der chinesische Huaan Yifu Gold ETF die zweitgrößten Zuflüsse aller Goldfonds – übertroffen nur vom Flaggschiff-Fonds von State Street, dessen Volumen allerdings elfmal größer ist. Auch große Fonds in Japan und Südkorea meldeten deutliche Zuwächse.
Cheah Cheng Hye, Milliardär und Mitgründer von Value Partners, einem der größten Vermögensverwalter Asiens, erklärte kürzlich, er investiere inzwischen 25 Prozent seines Vermögens in Gold – nach 15 Prozent im Jahr zuvor.
Professionelle Anleger stehen Edelmetallen oft skeptisch gegenüber
Auch institutionelle Investoren öffnen sich zunehmend. Indiens staatliches Rentensystem erlaubt es Pensionsfonds inzwischen, bis zu ein Prozent ihres Gesamtvermögens von 175 Milliarden Dollar in Edelmetall-ETFs anzulegen. Anfang 2025 startete zudem ein Pilotprojekt, das zehn chinesischen Versicherern erlaubt, einen ähnlichen Anteil ihres Vermögens in Gold zu investieren.
Traditionell stehen viele professionelle Anleger Edelmetallen skeptisch gegenüber. Gold wirft keine laufenden Erträge ab und lässt sich daher nicht wie Aktien oder Anleihen anhand künftiger Zahlungsströme bewerten. Vermögenswerte, deren Preis allein von der Zahlungsbereitschaft anderer abhängt, gelten als problematisch.
Es braucht keinen asiatischen Rausch, dass Gold weiter steigt
Doch ein Asset, das in Krisenzeiten stabilisiert und ansonsten moderat zulegt, wird zunehmend attraktiv. Laut einer Analyse des Finanzdatenanbieters MSCI hätte ein klassisches Portfolio aus 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen im vergangenen Jahr seine Rendite um vier Prozentpunkte steigern können, wenn die Hälfte der Anleihen durch Gold ersetzt worden wäre – bei kaum höherer Volatilität.
Trotzdem spielt Gold in den großen institutionellen Portfolios des Westens bislang kaum eine Rolle. Nach Angaben von Goldman Sachs macht das Edelmetall nur 0,17 Prozent des in Aktien und Anleihen gebundenen Vermögens der US-Amerikaner aus. Dabei hätte schon ein Anstieg dieses Anteils um 0,01 Prozentpunkte das Potenzial, den Goldpreis um rund 1,4 Prozent nach oben zu treiben. Es braucht also keinen asiatischen Goldrausch, damit der Preis weiter steigt.
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24 Kommentare
Die Korrelation zwischen Trump’s Ankündigungen und dem Goldpreis ist deutlich erkennbar. Das zeigt, wie stark der Markt auf politische Ereignisse reagiert.
Der Artikel wirft wichtige Fragen über die Stabilität des Finanzsystems auf und wie Gold als sicherer Hafen fungiert. Es ist eine komplexe Situation.
Den Fokus auf die geopolitischen Spannungen als Treiber für den Goldpreis halte ich für extrem wichtig. Das ist eine langfristige Entwicklung, die Gold weiterhin unterstützen wird.
Die Tatsache, dass professionelle Anleger Edelmetallen oft skeptisch gegenüberstehen, ist verständlich angesichts fehlender Zinserträge. Aber die aktuelle Situation scheint sie umzudenken.
Ich bin etwas besorgt über die steigende Staatsverschuldung, die im Artikel als treibende Kraft für den Goldpreis genannt wird. Das ist ein Teufelskreis, der uns alle betrifft.
Die Auflistung der Zuflüsse in speziell den chinesischen Huaan Yifu Gold ETF zeigt, dass das Interesse auch außerhalb der etablierten Märkte wächst.
Ich habe selbst kürzlich einen kleinen Teil meines Portfolios in Gold investiert, nachdem ich von ähnlichen Trends gelesen habe. Die Unsicherheit ist einfach zu groß, um es zu ignorieren.
Die Tatsache, dass Cheah Cheng Hye, ein großer asiatischer Vermögensverwalter, seinen Goldanteil von 15 auf 25 Prozent erhöht hat, ist ein starkes Signal. Er scheint die langfristigen Aussichten für Gold sehr positiv zu sehen.
Ein Anstieg von 25 Prozent der Goldbestände in ETFs im Jahr 2025 ist beeindruckend. Das spricht für einen starken Vertrauensverlust in traditionelle Anlageklassen.
Über 4000 Tonnen Gold, die weltweit von Gold-ETFs gehalten werden – das ist eine enorme Menge. Könnte diese Konzentration ein eigenes Risiko darstellen, wenn diese ETFs plötzlich größere Mengen verkaufen?
Die Tatsache, dass Gold bereits im Januar über 5000 Dollar pro Unze gestiegen ist, während viele Prognosen erst Ende 2026 einen solchen Wert erwarteten, ist wirklich bemerkenswert. Das deutet auf eine sehr starke und unerwartete Nachfrage hin.
Mich wundert, dass Gold auch bei steigenden Aktienmärkten profitiert hat – im Durchschnitt um 0,2 Prozent an Tagen, an denen der S&P 500 über 1 Prozent zulegte. Das widerspricht doch der üblichen Annahme, dass die beiden Anlageklassen negativ korrelieren.
Indien erlaubt jetzt staatlichen Rentensystemen, in Gold zu investieren. Das könnte den langfristigen Bedarf und damit den Preis zusätzlich stützen.
Der ‚Debasement Trade‘, bei dem Anleihen und Dollar verkauft werden, um in Gold zu investieren, scheint sich aktuell stark auszuzahlen. Die Sorge vor Staatsverschuldung ist offenbar ein entscheidender Faktor.
Ich frage mich, ob der Anstieg des Goldpreises nicht auch eine Art ‚Fear of Missing Out‘ (FOMO) befeuert. Viele Investoren wollen jetzt dabei sein, bevor es zu spät ist.
Die Entwicklung des Goldpreises parallel zu Trumps Zollplänen im April des letzten Jahres – ein Anstieg um 0,6 Prozent an Tagen, an denen der S&P 500 über 1 Prozent fiel – zeigt die Reaktion des Marktes auf Unsicherheit.
Es wäre interessant zu wissen, welche anderen Faktoren neben den genannten im Artikel die Nachfrage nach Gold beeinflussen könnten. Gibt es verborgene Kräfte?
Es ist interessant zu sehen, dass die Goldbestände in asiatischen ETFs sich in den letzten zwei Jahren mehr als verdreifacht haben, auf 460 Tonnen. Welche spezifischen Gründe, neben geopolitischen Risiken, treiben diese Entwicklung an?
Die Verlagerung hin zu physischem Gold als Absicherung gegen geopolitische Risiken durch Zentralbanken in Schwellenländern ist eine kluge Strategie. Man kann sich aktuell auf wenig verlassen.
Die Aussage, dass ’schlechte Nachrichten gute Nachrichten für den Goldpreis sind‘ ist zwar bekannt, aber die Tatsache, dass *auch* gute Nachrichten den Preis steigen lassen, ist neu und deutet auf eine fundamentale Verschiebung hin.
Es ist bemerkenswert, dass selbst ein Fond mit elfmal größerem Volumen als der Huaan Yifu Gold ETF nur knapp mehr Zuflüsse verzeichnete. Das zeigt das wachsende Interesse speziell in China.
650 Milliarden Dollar Wert in Gold-ETFs – das ist eine enorme Kapitalmenge, die im Edelmetall gebunden ist. Ich bin gespannt, wie sich das weiterentwickelt.
Die Verschiebung der Goldnachfrage weg von Zentralbanken hin zu privaten Investoren, die nach Rendite und Diversifikation suchen, ist ein wichtiger Trend. Wie wird sich das auf die Preisvolatilität auswirken?
Die Betonung, dass die Zukunft des Goldrauschs *nicht* in Asien entschieden wird, ist provokant. Aber die Daten über ETF-Zuflüsse und die Investitionen von Value Partners zeigen, dass Asien eine Schlüsselrolle spielt.