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Wir sind maximal Abhängig von der KI-Übermacht der USA. Doch dagegen können und müssen wir etwas tun, fordert Change-Experte Kishor Sridhar
Öl entschied im 20. Jahrhundert über Macht. Das Öl des 21. Jahrhunderts ist die künstliche Intelligenz, und wir hängen am Haken der USA. Doch Deutschland und die EU sind nicht machtlos. Deutsche Unternehmen, die EU, aber auch jeder Nutzer selbst kann etwas tun, damit wir uns von der Abhängigkeit befreien.
Europa kann bohren aber es kontrolliert die Leitungen noch nicht
Fast jeder nutzt inzwischen KI-Lösungen, die in den USA beheimatet sind. Dabei gibt es in Europa vielversprechende Lösungen. Uns mangelt es nicht an Talenten.
Die bekanntesten sind wohl das deutsche Aleph Alpha, das große Sprachmodelle entwickelt, oder der französische Anbieter Mistral AI, sowie der weltweit führende Anbieter für KI-Übersetzungen DeepL aus Köln.
Oder auch Black Forest Labs, das erfolgreich an generativer Bild-KI arbeitet. Spannend ist zudem das französische Start-up LightOn, das KI-Lösungen für Wissensarbeit entwickelt, die sich besonders für interne Unternehmensdaten eignen. Wachstum in Unternehmen entsteht jedoch vor allem durch die sinnvolle Einbettung in Produktionsprozesse.
Genau das macht Edge AI. Edge AI ist KI, die direkt in Maschinen oder Geräten läuft. Wie eine kleine Raffinerie am Förderort bleiben Daten im System, statt durch internationale Pipelines zu fließen.
Das ist wirkungsvolle und sichere Anwendung von KI, und Unternehmen wie der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf, die Deutsche Bahn mit intelligenter Zustandsüberwachung von Zügen und Infrastruktur oder der Automatisierungsspezialist Festo machen es erfolgreich vor.
Kishor Sridhar ist angesehener Berater, Keynote-Speaker und Autor, spezialisiert auf Change Management, Führung und Digitalisierung. Er unterstützt Führungskräfte bei Transformationsprozessen und lehrt an der ISM in München. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Deutschland und die EU müssen jetzt konkret handeln
In Deutschland und Europa können wir also KI. Doch wenn wir in Europa unabhängiger werden wollen, dürfen wir Entwicklungen nicht verschlafen. Wir brauchen wirtschafts- und industriepolitische Maßnahmen.
1. Eine EU-first-Beschaffungslogik etablieren
Die EU muss Nachfrage schaffen. Öffentliche Auftraggeber sollten bei Ausschreibungen stärker Kriterien wie Datensouveränität, europäische Rechtsbindung und Sicherheitsarchitektur einfordern. So entsteht ein Nachfrageimpuls für Anbieter, die europäische Standards erfüllen.
2. Rechenleistung massiv ausbauen
Wir brauchen Hochleistungsrechner mit gebündelter Rechenkapazität. Gemeinschaftlich finanzierte Programme wie EuroHPC und geplante europäische AI Factories sind ein erster Schritt und sollten weiter ausgebaut werden.
3. Wachstumskapital sichern
Durch gezielte Wachstumsfonds können wir verhindern, dass vielversprechende KI-Unternehmen frühzeitig in die USA abwandern statt sich in Europa zu entwickeln.
4. Weniger Regulierung und trotzdem Schutz
Die EU schützt uns vor Wildwuchs. Das bremst aber Innovationen aus. Deswegen benötigen wir regulatorische Sandboxes, also rechtlich definierte Experimentierräume, in denen Unternehmen neue Technologien unter behördlicher Aufsicht zeitlich begrenzt testen können, bevor alle regulären Vorschriften greifen.
Das kann jeder von uns tun
Aber auch jeder von uns kann privat dazu beitragen, uns von der Abhängigkeit von den USA zu lösen. Man kann den gleichen Fünf-Stufen-Plan anwenden, den wir in deutschen Unternehmen nutzen, um sich bei KI unabhängiger aufzustellen:
1. Verschaffen Sie sich Transparenz
Machen Sie eine Checkliste: Welche KI-Dienste nutzen Sie regelmäßig? Wo werden Ihre Daten verarbeitet? Wer seine digitale Infrastruktur kennt, kann bewusster entscheiden.
2. Testen Sie europäische Alternativen aktiv
Nutzen Sie DeepL bewusst für Übersetzungen. Probieren Sie Chat-Interfaces, Textassistenten oder Unternehmenslösungen aus, die auf Basis von Mistral oder Aleph Alpha laufen.
3. Betreiben Sie ein lokales Modell
Mit Tools wie Ollama oder LM Studio lassen sich KI-Modelle direkt auf dem eigenen Rechner betreiben. So betreiben Sie eine kleine KI-Raffinerie im eigenen Haus, und sensible Daten verlassen Ihr System nicht.
4. Überprüfen Sie Ihre Cloud-Nutzung
Setzen Sie nicht ausschließlich auf US-amerikanische Cloud-Dienste wie Google Drive, iCloud oder OneDrive, sondern verlagern Sie einen Teil Ihrer Daten bewusst zu einem europäischen Cloud-Anbieter.
5. Diversifizieren Sie Such- und Browserstruktur
Die üblichen Suchmaschinen und Browser sind inzwischen KI-Datenkraken geworden. Google und Co. sind nicht alles. Nutzen Sie bewusst europäische Anbieter mit besserem Datenschutz. Jeder einzelne Schritt trägt zu mehr Unabhängigkeit bei.
Das KI-Rennen ist (noch) nicht verloren
In Europa und vor allem in Deutschland verfügen wir also über ausreichende industrielle Tiefe, starke Mittelständler und eine enorme Forschungskompetenz bei künstlicher Intelligenz. Im Gegensatz zum Öl verfügen wir also über das Potenzial direkt hier bei uns.
Das KI-Rennen werden wir in Europa jedoch verlieren, wenn wir zu bequem oder zu langsam sind. Es ist eine Frage der Entscheidung und Entschlossenheit auf allen Ebenen, ob wir uns in eine fatale Abhängigkeit von den USA begeben wollen oder unser Potenzial für eine freiheitliche Zukunft nutzen.
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6 Kommentare
Great insights on News. Thanks for sharing!
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Solid analysis. Will be watching this space.
Good point. Watching closely.
Interesting update on Europa hängt am KI-Haken der USA – was jetzt passieren muss. Looking forward to seeing how this develops.
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