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Öl steigt trotz Skepsis: Warum Angebot, Geopolitik und Nachfrage gerade eine neue Preisdynamik auslösen.
Noch vor wenigen Monaten galt Öl als Auslaufmodell. Die Mehrheit der Analysten erwartete für Brent zum Jahresende Preise um 60 US-Dollar. Überangebot, Energiewende, schwache Industrie, das Narrativ schien eindeutig. Doch der Markt hat begonnen, dieses zu korrigieren.
Brent-Öl notiert inzwischen deutlich über den damaligen Prognosen. Und dass trotz höherer OPEC+-Quoten und der Aussicht auf zusätzliche Liefermengen aus politisch neu geordneten Förderstaaten. Die entscheidende Frage lautet daher: Hat sich die Struktur des Ölmarktes verändert?
Förderquoten für Öl werden nicht ausgelastet
Auf den ersten Blick scheint ausreichend Öl vorhanden. Auf den zweiten Blick zeigt sich ein anderes Bild.
Die Internationale Energieagentur (IEA) weist darauf hin, dass mehrere OPEC+-Mitglieder ihre Förderquoten nicht vollständig auslasten. Gleichzeitig wird die russische Schattenflotte zunehmend sanktioniert.
Auch Saudi-Arabien hält Teile der Öl-Produktion zurück
Hunderte Tanker, die bislang unter Umgehung westlicher Preisdeckel agierten, geraten stärker unter Druck. Das reduziert effektiv das frei verfügbare Angebot.
Stefan Feulner verfügt über rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und ist heute Head of Content führender Finanzportale wie wallstreetONLINE.de. Zudem tritt er als Börsenexperte für Smartbroker+ auf. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Hinzu kommt die strategische Dimension. Die „US-Strategic Petroleum Reserve“ fiel laut US-Energieministerium von über 600 Millionen Barrel im Jahr 2021auf rund 350 Millionen Barrel und liegt aktuell erst wieder bei etwa 415 Millionen Barrel.
Auch Saudi-Arabien hält Teile seiner Produktion zurück. Offiziell zur Marktstabilisierung, faktisch jedoch als Angebotssteuerung. Der Markt wirkt damit weniger frei als früher und wird eher politisch gemanagt.
Globale Ölnachfrage wächst weiter
Parallel dazu stabilisiert sich die Industriekonjunktur. Einkaufsmanagerindizes unter anderem aus Südkorea, Japan und Deutschland signalisieren eine Erholung im verarbeitenden Gewerbe. Infrastrukturprogramme in den USA und Europa erhöhen den Energiebedarf zusätzlich.
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Laut IEA wächst die globale Ölnachfrage weiter, interessanterweise nicht mehr primär getrieben von China, sondern zunehmend von Indien und Südostasien. Das verschiebt zwar die Abhängigkeiten, senkt aber nicht den Verbrauch.
Öl bleibt Teil eines komplexen Energiegefüges
Ein strukturell unterschätzter Faktor ist zudem der massive Energiebedarf der digitalen Infrastruktur. Rechenzentren verbrauchen laut IEA bereits mehrere hundert Terawattstunden Strom jährlich.
Der Ausbau von KI-Anwendungen erhöht diesen Bedarf weiter. Zwar wird ein Großteil über Gas gedeckt, doch das verschiebt die Preisrelationen im Energiesystem insgesamt. Öl bleibt damit Teil eines komplexen Energiegefüges.
Investitionslücke trifft auf geopolitische Prämie
Der entscheidende Punkt liegt jedoch tiefer. Seit Jahren investieren Ölkonzerne zurückhaltender in neue Förderprojekte. Laut Daten von Bloomberg und EIA liegt das globale Upstream-Investitionsniveau noch unter den Werten der 2010er-Jahre. Gleichzeitig bleiben geopolitische Spannungen vom, Nahen Osten bis Osteuropa, hoch.
Dies wiederum bedeutet, dass die Angebotselastizität geringer geworden ist. Jeder Schock, zum Beispiel ein Angriff der USA auf den Iran, wirkt stärker und dürfte die Ölpreise in die Höhe schnellen lassen.
Öl war lange der Sektor, den niemand mehr wollte
Für Anleger entsteht daraus ein asymmetrisches Profil. Viele große Produzenten sind bilanziell robuster als im letzten Zyklus, die Verschuldung wurde reduziert, Dividenden und Aktienrückkäufe steigen. Gleichzeitig liegen die Bewertungsmultiplikatoren deutlich unter dem breiten Aktienmarkt.
Öl war lange der Sektor, den niemand mehr wollte. Doch genau in solchen Phasen entstehen oft die größten Neubewertungen. Die entscheidende Frage ist nicht, ob Öl kurzfristig schwanken wird. Die entscheidende Frage ist, ob wir am Beginn einer strukturellen Neubewertung stehen, ausgelöst durch Angebotsdisziplin, geopolitischen Risiken und einer robusteren Nachfrage als erwartet.
Vieles spricht dafür, dass das Comeback mehr ist als nur eine technische Erholung.
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6 Kommentare
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