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Desinflation und Energie
Die Weltwirtschaft hat sich zum Jahresbeginn 2026 grundsätzlich in guter Verfassung präsentiert, sieht sich aber aktuell mit einer massiven geopolitischen Belastungsprobe konfrontiert. Die Eskalation im Nahen Osten hat die Energiemärkte in Aufruhr versetzt und droht, den mühsam erkämpften Desinflationspfad zu unterminieren. Während die fundamentalen Wachstumsmotoren – insbesondere der KI-Sektor und der US-Fiskalimpuls – intakt bleiben, fungieren die Energiepreise aktuell als das größte Abwärtsrisiko für die globalen Märkte.
Zusätzlich zu dieser akuten Eskalation verbergen sich unter der Oberfläche weitere bedeutende Spannungsfelder: ein sich abkühlender Arbeitsmarkt in den USA, der Ukrainekrieg und eine strukturelle Wachstumsschwäche in Europa. Auch die bereits als abgehakt geglaubte Zollproblematik ist mit dem Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA erneut ein Thema und sorgt für Unruhe. Das globale Wachstum wird 2026 voraussichtlich bei rund 2,8 % liegen und damit das Vorjahr replizieren – und die Konsenserwartungen von 2,5 % übertreffen.
Weltkonjunktur: Wachstumsmotor läuft, aber ungleich verteilt
Trotz der verschärften Lage im Nahen Osten bleibt das fundamentale Bild der Weltkonjunktur vorerst von einer bemerkenswerten Resilienz geprägt – wenngleich sich die Dynamik regional höchst ungleich verteilt.
Die USA erweisen sich weiterhin als zentraler Wachstumsmotor. Wir rechnen für 2026 mit einem BIP-Wachstum von ca. 2,6 %, womit die US-Wirtschaft die Konsensprognosen von 2,0 % hinter sich lässt. Getrieben wird die Entwicklung durch fiskalische Impulse aus dem „One Big Beautiful Bill Act“ und lockerere Finanzierungsbedingungen. Allerdings stellt der aktuelle Ölpreis einen Belastungstest auch für den US-Konsumenten dar. Ein anhaltender Preisschock an den Zapfsäulen könnte die Kauflaune dämpfen und den sich ohnehin bereits abkühlenden Arbeitsmarkt (Arbeitslosenquote zuletzt bei 4,5 %) zusätzlich unter Druck setzen.
China wächst dem Konsens nach mit rund 4,5–4,8 % und bleibt wegen seiner Exportdominanz bei strategischen Gütern, Seltenen Erden und Industriegütern robust. Gleichzeitig verharrt die Binnennachfrage auf einem schwachen Niveau, und der Immobiliensektor belastet das Wachstum weiterhin mit ca. einem Prozentpunkt. Der anhaltend steigende Leistungsbilanzüberschuss Chinas – der mittelfristig auf fast 1 % des globalen BIP zielt – erhöht den Wettbewerbsdruck auf die Eurozone.
Europa wächst 2026 moderat mit rund 1,3 %. Strukturelle Schwächen (hohe Energiekosten, demografischer Druck und Überregulierung) werden durch den deutschen Fiskalimpuls aus dem Infrastruktur-Sonderfonds und eine zunehmend robuste Verbrauchernachfrage in Südeuropa teilweise kompensiert. Frankreich bleibt ein Sorgenfall: Politische Unsicherheit, ein hohes Budgetdefizit und steigende Arbeitslosigkeit belasten das Investitionsklima nachhaltig. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe der Eurozone hat im Februar erstmals seit August wieder die Wachstumsschwelle von 50 überschritten – ein erster, wenn auch noch fragiler Lichtblick. Die aktuelle Eskalation im Iran trifft Europa aufgrund seiner Energieabhängigkeit empfindlicher als die USA, was den gerade erst gestiegenen Index wieder gefährden könnte.
Inflation: Rückkehr zur Normalität – mit regionalen Unterschieden
Die globale Desinflation, die bis Februar 2026 das bestimmende Thema war, steht nun vor einer Bewährungsprobe. Bisher war sie mit unterschiedlichem Tempo vorangeschritten. Die Dauer der Eskalation im Nahen Osten wird daher eine entscheidende Rolle für den Inflationspfad im Jahr 2026 spielen.
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6 Kommentare
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