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Der Irankrieg sorgt für einen Run auf Solaranlagen. Worauf müssen Verbraucher achten? Dr. Filip Thon, CEO von E.ON Energie Deutschland, klärt auf.
Noch immer ist die wichtige Wasserstraße von Hormus blockiert. Wichtige Energielieferungen aus den Golfstaaten können sie nicht passieren. Eine schnellere Energiewende würde gewährleisten, dass Verbraucher in solchen Situationen vom Energiemarkt unabhängig sind. FOCUS online hat mit Dr. Filip Thon, CEO von E.ON Energie Deutschland, über den Status Quo der Energiewende und die Folgen der Irankrise gesprochen.
FOCUS online: Herr Thon, müssen wir wegen des Irankriegs mit einer neuen Energiekrise rechnen?
Filip Thon: Ich glaube, dass die Auswirkungen für die deutschen Verbraucher nicht direkt vergleichbar mit der Ukraine-Krise sind. Die Heizsaison ist bald vorbei. Außerdem kommen mit längeren Sonnenzeiten pro Tag mehr Erneuerbare ins Stromnetz. Ist mehr Sonne da, haben wir mehr Energie. Physisch gesehen haben wir da kein Problem.
Trotzdem steigen die Spotpreise am Gasmarkt rapide. Die sogenannten TTF-Frontkontrakte lagen zwischenzeitig bei über 55 Euro pro Megawattstunde.
Thon: Ja, aber das sind die kurzfristigen Preisbewegungen für Energiehändler, die für den nächsten Monat kaufen müssen. Bei den langfristigen Preisen für das Jahr 2027 sehen wir zwar ebenfalls einen Anstieg, dieser fällt bislang aber deutlich geringer aus. Natürlich kann das niemand genau vorhersagen. Wir können an der Stelle unsere Kunden beruhigen: Wir haben Strom und Gas langfristig eingekauft und halten die Preise für unsere Bestandskunden in den kommenden Monaten stabil.
Weil Sie eben die Erneuerbaren angesprochen haben: Wie schätzen Sie den Fortschritt der Energiewende in Deutschland ein?
Thon: Wir haben bisher schon viel erreicht. Auf der Erzeugerseite hatten wir 2025 einen Stromerzeugungsanteil aus den erneuerbaren Energien von fast 60 Prozent. Wir sehen ein stetiges Wachstum, hauptsächlich aus der Photovoltaik und aus den Windkraftanlagen. Das sorgt allerdings für Volatilität, zum Beispiel, wenn es zu wenig Sonne oder zu viel Wind gibt.
Und wie sieht es bei den Kunden aus?
Thon: Dort steht das Thema E-Auto im Vordergrund, vor allem wegen der neuen Förderungen. Im Jahr 2025 haben wir zum ersten Mal bei Elektroautos die Zwei-Millionen-Marke geknackt. Diese Entwicklung sehen wir auch bei E-LKW und E-Transportern. Die gesamte Mobilität bewegt sich stufenweise in Richtung elektrisch.
Ebenso wächst die Ladeinfrastruktur stetig. Aktuell gibt es in Deutschland an die 200.000 öffentliche Ladepunkte und über eine Million Wallboxen fürs Laden zuhause, ohne die funktioniert natürlich keine Elektromobilität. Gleichzeitig sehen wir eine Weiterentwicklung der Technologie. Mittlerweile kann man zum Beispiel unterwegs in 25-30 Minuten ordentlich die Batterie aufladen und weiterfahren.
Das heißt, Sie sind zufrieden mit dem Tempo beim Ausbau der Ladeinfrastruktur? Man liest oft, das gehe zu langsam.
Thon: Das geht aktuell Hand in Hand mit der steigenden Anzahl der Fahrzeuge. Ich würde sagen, das passt. Wo noch Ausbaubedarf besteht, ist das bidirektionale Laden.
Was steckt dahinter?
Thon: Das wäre eine Möglichkeit für Personen, die ein Haus mit Solaranlage in Kombination mit einem Elektroauto besitzen: Sie könnten ihr Auto flexibel per Wallbox aufladen und den Strom entweder in Netz zurückspeisen oder aus dem Auto ins Haus leiten. Aktuell ist es noch so, dass derjenige, der Energie aus dem Netz ins Auto leitet, Umlagen und Steuern darauf zahlt. Wenn diese Energie zurück ins Netz geleitet und von jemand anderem abgenommen wird, zahlt dieser wiederum Umlagen und Steuern – auf Energie, für die diese Kosten bereits beglichen wurden. Diese doppelten Lasten sollte es nicht geben.
Sie haben gerade Wallboxen erwähnt – wie hat sich die Nachfrage nach Wallboxen, Wärmepumpen und ähnlicher Zukunftstechnologien entwickelt?
Thon: Im Jahr 2023 gab es einen absoluten Höhepunkt bei der Zahl von PV-Installationen. Das lag einerseits an der Energiekrise und andererseits daran, dass sich viele Verbraucher unabhängiger machen wollten. Nach einem Einbruch im Jahr 2024 sehen wir jetzt wieder eine normale Steigerungsrate. PV-Anlagen sind wieder gefragt, insbesondere solche mit Solarspeicher, also Batterie im Keller. Übrigens: In den vergangenen Tagen wurden wir von Photovoltaik-Anfragen überrannt. Wir haben daher unsere Solarteams aufgestockt und die Erreichbarkeit verlängert. In geopolitisch unruhigen Zeiten zeigt sich wie unter einem Brennglas: Wenn es drauf ankommt, sehen die Kunden in den Erneuerbaren die Lösung, um preislich und physisch ein bisschen unabhängiger zu sein.
Nun geht das Gerücht um, dass die Bundesregierung die Förderung für PV kippen will – inwiefern riskiert das den Hochlauf von PV-Anlagen?
Thon: An den Spekulationen will ich mich gar nicht beteiligen. Eine intelligent gesteuerte PV-Anlage mit Batterie lohnt sich, egal, ob mit oder ohne Förderung. Wichtig ist, dass Verbraucher so viel Energie aus ihrer PV-Anlage wie möglich selbst nutzen und sich damit zum Beispiel die Netzentgelte sparen.
Stichwort intelligent gesteuert: Für eine solche Steuerung sind sogenannte Smart-Meter notwendig. Hier hört man auch, dass der Ausbau stockt. Welche Hürden gibt es da?
Thon: Beim Smart-Meter gibt es einen Pflicht-Rollout und einen Zählereinbau auf Kundenwunsch. Beides funktioniert. Die Zielausstattungsquote gab vor, dass wir im Konzern bis zum 31. März 2025 mindestens 20 Prozent der gesetzlichen Pflichteinbauten für intelligente Messsysteme einbauen mussten. Das haben alle E.ON-Netzbetreiber erfüllt. Jetzt ist aber wichtig, dass diejenigen Betreiber, die es nicht erfüllt haben, entweder sanktioniert werden oder dazu incentiviert werden, die Quote zu erfüllen.
Wie kann das zum Beispiel aussehen?
Thon: Da kann ich nicht für die Regulierungsbehörden sprechen. Wichtig ist, dass diese Methode einen Effekt hat. Die Verbraucher müssen schnell und unbürokratisch mit Smart-Metern ausgestattet werden.
Wo liegt für Verbraucher denn konkret der Vorteil beim Smart-Meter?
Thon: Folgendes Szenario: Ein Kunde schafft sich ein komplettes System aus PV-Anlage mit Speicher, Wärmepumpe und Wallbox an. Smart-Meter sind das Vehikel, um die erneuerbare Energie intelligent zu nutzen. Zum Beispiel können sie Ladevorgänge steuern und dafür sorgen, dass das Auto nicht um 20 Uhr geladen wird, wenn alle gerade nach der Arbeit nach Hause kommen und so den Strompreis hochtreiben, sondern um zwei oder drei Uhr morgens. Dann ist der Strom billiger. Damit kann man auch steuern, wie viel Energie aus der PV-Anlage ins eigene Haus geht, wie viel in die Batterie oder wie viel verkauft wird. Das alles geschieht vollautomatisch, das übernehmen wir im Hintergrund.
Wie können Verbraucher bei den flexiblen Ladevorgängen noch Geld sparen?
Thon: Da kann man eine Vielzahl von Dingen tun. Zum Beispiel gibt es die Möglichkeit, nicht nur die perfekte Ladezeit auszunutzen, sondern auch mit der nachts geladenen Energie zu handeln. Das heißt: Wir sehen, wann das Auto geladen ist, und wir wissen, wann Verbraucher ihr Auto geladen brauchen. In der Zwischenzeit ziehen wir dann Energie aus dem Auto, verkaufen sie ins Netz und kaufen sie wieder zurück.
e.on
Könnte man mit dem Strom aus dem E-Auto das Haus versorgen?
Thon: Es wäre eine Lösung für Krisenfälle, aber dafür wäre eben das bidirektionale Laden notwendig – und eine spezielle Wallbox, die dafür ausgerüstet ist.
Wenn Sie das Auto in der Nacht aufladen und dann wenig für den Strom bezahlen, mit dem Sie dann das Haus betreiben, wäre das doch ein Hack für billigen Strom.
Thon: Dabei müssen Sie aber bedenken, dass Sie das Auto zwischendurch vielleicht brauchen. Wenn Sie einen Plan haben, das Auto zwei bis drei Tage nicht zu fahren, dann können Sie entsprechend optimieren.
Fahren Sie privat auch elektrisch? Welche Geräte der Energiewende benutzen Sie zu Hause?
Thon: Ich nutze ausschließlich Ökostrom. Das ist schon Standard bei all unseren Haushaltskunden. Außerdem fahre ich halbelektrisch – das nächste Auto wird vollelektrisch. Zuletzt prüfe ich das Thema Balkon-Photovoltaik.
Zum Abschluss ein Blick nach vorn. Auf welche Trends sollten Verbraucher bei erneuerbaren Energien im laufenden Jahr noch achten?
Thon: Der Trend geht in Richtung Elektrofahrzeuge, bidirektionales Laden, Wärmepumpe. Kurz: in Richtung Strom und Elektrifizierung -das bleibt ein unumkehrbarer Megatrend. Das bestätigt, dass es auch für Verbraucher und für Haushalte immer besser ist, sich in Richtung Elektrifizierung und nachhaltige Energiequellen zu orientieren.
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5 Kommentare
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Interesting update on E.ON-Chef im Interview
Solar-Boom wegen des Irankriegs: "Von Anfragen überrannt"
Finanzen100
11:32. Looking forward to seeing how this develops.