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Lange umstritten, jetzt gefragt wie nie: Deutschlands Rüstungsindustrie profitiert vom geopolitischen Wandel – und wird zunehmend als Sicherheitsgarant gesehen.
Die deutsche und vor allem die bayerische Rüstungsindustrie gehört zu den weltweit innovativsten und erfolgreichsten der Welt. Das ist schon lange so, lief aber vor dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine weitestgehend unter dem Radar. Die Rüstungsbranche hatte hierzulande kein attraktives Image.
Politiker, die Unternehmen der Verteidigungsindustrie besuchten und sich dabei für Maßnahmen der Öffentlichkeitsarbeit ablichten ließen, gab es eher selten. Rüstungsgüter galten als nicht nachhaltig, entsprachen nicht den Kriterien sozial-ökologischer Investments.
Genehmigungen für Waffenexporte wurden eher restriktiv erteilt. Gleichzeitig gab es auch im heimischen Markt nur wenige Impulse. Die Beschaffung von Rüstungsgütern blieb viele Jahre hinter dem Bedarf zurück.
Bertram Brossardt war in leitenden Funktionen im bayerischen Wirtschaftsministerium und im Staatsministerium für Wirtschaft, Verkehr und Technologie tätig. Seit 2005 ist er Hauptgeschäftsführer von vbw, BayME und VBM. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Trotzdem haben es die deutsche und bayerische Rüstungsindustrie geschafft, in den langen „dürren“ Jahren ihre Innovationskraft zu erhalten. Davon profitieren wir heute in Zeiten neuer geopolitischer Bedrohungen. Unsere Unternehmen stehen heute für Hochtechnologie bei Waffen und Ausrüstung.
In der Öffentlichkeit ändert sich der Blick auf Rüstung
Die Branche ist gut aufgestellt, um von der weltweit und national stark wachsenden Nachfrage nach Verteidigungsgütern zu profitieren. Vor dem Hintergrund der internationalen Bedrohungssituation hat sich auch die Sichtweise auf die Branche fundamental geändert.
In der Öffentlichkeit setzt sich immer mehr die Erkenntnis durch, dass die Rüstungsbranche einen zentralen Beitrag leistet, um unseren Frieden und unsere Freiheit gegen die internationalen Bedrohungen zu sichern.
Der Experterfolg der deutschen Rüstung beruht auf zwei Säulen
Zugleich wird anerkannt, dass die Branche wertvolle und gut bezahlte Arbeitsplätze schafft und mit ihren Innovationen generell einen großen Beitrag zur wirtschaftlichen Zukunft unseres Landes leistet.
Der aktuelle Exporterfolg der deutschen und bayerischen Rüstungsindustrie beruht auf zwei Säulen: Einerseits dem Russland-Ukraine-Krieg. Deutsche und bayerische Unternehmen liefern wichtige Technologien und Systeme an die Ukraine, damit sich diese gegen Russland verteidigen kann.
Andererseits die stark wachsende Nachfrage von Ländern der Nato. Alle Nato-Länder haben sich dazu verpflichtet, ihre Verteidigungsausgaben massiv zu steigern. Gründe sind zum einen die deutlich gestiegenen geopolitischen Risiken und zum anderen die klaren Forderungen der USA, dass die restlichen Nato-Länder mehr für ihre eigene Sicherheit tun müssen.
Europa hat sich in seiner Sicherheitsarchitektur zu lange auf andere verlassen und muss nun zügig in einen Zustand der Verteidigungsfähigkeit versetzt werden.
Exportiert wird nur, was auch leistungsfähig ist. Hier haben Deutschland und Bayern viel zu bieten. Allein Bayerns Wehrtechniksektor umfasst rund 200 Firmen mit etwa 50.000 Beschäftigten. Diese erwirtschaften eine Wertschöpfung von 9,5 Milliarden Euro pro Jahr – Tendenz: stark wachsend.
Der bayerische Verteidigungssektor profitiert im Freistaat von einem einzigartigen, über viele Jahre gewachsenen Netzwerks, in dem Forschung, Industrie, Bayerische Staatsregierung und Bundeswehr eng kooperieren. Neben „alteingesessenen“ Unternehmen mit klassischen Produkten der Verteidigungsindustrie verfügt Bayern über eine einmalige Landschaft an jungen High-Tech Unternehmen – etwa mit Blick auf Drohnen.
Impulse aus der militärischen Forschung komment für zivile Nutzung in Frage
Wir dürfen aber nicht den Fehler machen, zivile Industrie und Rüstungsindustrie gedanklich und planerisch zu trennen. Damit würden wir unser industrielles Potenzial nicht ausschöpfen. So kommen Impulse aus der militärischen Forschung und Entwicklung häufig auch für eine zivile Nutzung in Frage.
Insbesondere bei KI, Robotik und Materialwissenschaften entstehen Synergieeffekte, aber auch der gesamten bayerischen Wirtschaft bieten sich attraktive Möglichkeiten. Gleichzeitig kann die zivile Wirtschaft auch wichtige Beiträge zur Stärkung der Verteidigungsindustrie leisten, etwa mit Blick auf die jetzt anstehende Skalierung der Produktionszahlen von Rüstungsgütern.
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6 Kommentare
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