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US-Autohersteller legen den Rückwärtsgang ein und wollen mit Vollgas zurück aus der Elektro-Sackgasse. Viele Elektromodelle werden gestrichen, um finanziell in die Spur zu finden.
Als Ford im vergangenen Dezember eine Abschreibung in Höhe von 19,5 Milliarden US-Dollar für seine Verluste bei batterieelektrischen Fahrzeugen in den eigenen Büchern abschrieb, ging ein Schock durch die Autobranche. Im Februar legte Stellantis mit einem ähnlichen Verlust von mehr als 22 Milliarden Euro nach – insbesondere durch nicht verkaufte Elektroautos verursacht.
„Unsere Ergebnisse für das Gesamtjahr 2025 spiegeln die Kosten wider, die durch eine Überschätzung des Tempos der Antriebswende entstanden sind und durch die Notwendigkeit unserer geschäftlichen Neuausrichtung, um unseren Kunden die freie Wahl zwischen allen verfügbaren Antrieben zu bieten: von Elektro über Hybrid bis zum Verbrenner“, erläutert Stellantis-CEO Antonio Filosa.
Die Porsche-Probleme in Sachen Elektroautos sind bekannt und auch bei vielen deutschen Marken, die ihre Elektromodelle in die USA verkaufen, blinken längst alle Warnleuchten. Vergangene Woche legte Honda nach – in den Vereinigten Staaten einer der ganz großen Volumenhersteller und für seine solide Finanzsituation bekannt.
Stellantis
Bereits vor dem fest eingeplanten Marktstart wurden drei weitgehend fertig entwickelte Elektromodelle gestrichen. Honda befürchtet nach einem Verkaufsbeginn weitere nennenswerte Verluste. Dabei rechnet der Japan-Gigant, der seit Jahrzehnten einen großen Teil seiner Fahrzeuge in den USA absetzt, bereits jetzt mit einem gigantischen Verlust von 15,7 Milliarden US-Dollar. Erstmals in sieben Jahrzehnten Firmengeschichte ein negatives Jahresergebnis.
Die Notbremse war überfällig
Die amerikanische Autoindustrie fährt aktuell Vollgas zurück – der Notanker aus einer elektrischen Sackgasse, aus der es für sie nach entsprechenden Berechnungen keinen anderen Ausweg mehr gibt.
Das Teuerste, was einem Autohersteller passieren kann, ist ein fertig entwickeltes Fahrzeug, das dann doch nicht auf den Markt gebracht wird. Honda strich einen elektrischen Crossover, einen SUV auf gleicher Plattform und den Sportwagen RSX, der unter dem Markenableger Acura angeboten werden sollte.

Honda
„Angesichts der jüngsten Wachstumsverlangsamung des US-amerikanischen Marktes für Elektrofahrzeuge wird Honda seine Ressourcenverteilung neu bewerten und seine Hybridmodelle weiter stärken“, lässt Honda offiziell verlauten, „auch in anderen asiatischen Ländern wird Honda seine Wettbewerbsfähigkeit durch die Einführung von Hybridmodellen der nächsten Generation und eine Überprüfung der Ressourcenverteilung steigern.“
Die amerikanischen Hersteller ziehen den Stecker – viele wohl deutlich zu spät, denn dass der Elektromarkt in den USA nicht so anspringt wie seinerzeit proklamiert, ist seit langer Zeit zu beobachten. Der aktuelle Verkaufsanteil von Elektroautos in den Vereinigten Staaten beträgt aktuell rund sechs Prozent. In 2024 und Anfang 2025 lag der Anteil zwischenzeitlich bei rund zehn Prozent, doch entsprechende Steuervergünstigungen und Verkaufsanreize wurden in den vielen Bundesstaaten gestrichen und so greifen wieder mehr Autointeressenten zu Benzin- und Hybridvarianten. Gerade die großen SUV und Full-Size-Pick-Ups erfreuen sich als Dieselmodelle großer Beliebtheit.
Mehr Nachfrage als bei reinen Elektromodellen, denn der anfangs heiß begehrte Ford F- 150 Lightning steht längst schwer wie Blei in den Showräumen der Händler, während die Verbrennerversionen der F-Serie besser denn je laufen.
„Wir vollziehen einen kundenorientierter Wandel hin zu einem stärkeren, widerstandsfähigeren und profitableren Ford“, unterstreicht Ford-CEO Jim Farley, „die operative Realität hat sich verändert, und wir investieren unser Kapital in wachstumsstärkere Bereiche mit höherer Rendite: Ford Pro, unsere marktführenden Lkw und Transporter, Hybridfahrzeuge und margenstarke Geschäftsfelder.“ Heißt: mehr Bronco, F-150 und Mustang statt Lightning und Mach-E.
Trendmarken springen nicht an
Die Gründe für den Rückgang der Nachfrage allein in dem Zurücknehmen der Kaufanreize (u.a. Inflation Reduction Act) und entsprechender Ankündigungen der Trump-Regierung zu suchen, erscheint jedoch wenig zielführend. Bisher verkauften sich die Elektroautos vorrangig in den Küstenregionen an Atlantik und Pazifik.
Wer einmal in den Flächenstaaten oder dem endlosen Midwest unterwegs ist, sieht nur selten Elektroautos und wenn dann, ist es zumeist einen Tesla. Die Suche nach Schnellladesäulen wird nicht nur in Utah, Wyoming oder Iowa schnell zu einem Spießrutenfahren. Der Verkaufsanteil vom einstigen Imageprimus Tesla am Elektromarkt ging in den USA jedoch zuletzt von über 60 auf rund 40 Prozent zurück – Tendenz fallend.
Was Tesla fehlt, sind neue Produkte. Der polarisierende Cybertruck schlug nicht ein, Model X und Model S sind alte Autos und selbst die aktuellen Generationen von Model Y und Model 3 sind in die Jahre gekommen. Der Wettbewerb aus Europa und Asien hat längst auf- und überholt.

Ford-CEO Jim Farley / Bild: Ford
US-Elektromarken wie Lucid oder Rivian wurden zwar medial gehypt – bekommen aber deutlich weniger Fahrzeuge auf die Straße als allgemein erwartet. Ähnlich sieht es bei den großen Volumenherstellern aus, denn Ford, General Motors oder Stellantis mit seinen US-Marken haben aktuell kaum ein Elektromodell auf den US-Highways, das sich wirklich gut verkauft.
Bei den deutschen Importmarken sieht es kaum anders aus und auch Audi, BMW, Mercedes, Porsche oder Volkswagen bleiben auf dem gigantischen US-Markt mit Stecker deutlich hinter den ehemaligen Planungen zurück.
Um die Verluste nicht noch weiter anzuhäufen, sind nunmehr fast alle Marken, die auf dem US-Markt Fahrzeuge anbieten, zurückgerudert. Elektromodelle ja – aber eben nicht nur. Zuletzt hatte unter anderem der Hyundai-Entwicklungschef Manfred Harrer mehrfach unterstrichen, dass man zwar von der generellen Stoßrichtung Elektromobilität nicht abweiche, dass jedoch hybride Verbrenner und Range Extender (EREV) eine Rolle bei Zukunftsmodellen spielen würden.
Die erste Serienversion eines solchen EREV soll im kommenden Jahr auf den Markt kommen eine Reichweite von mehr als 900 Kilometern bieten. Der hauseigene Luxusableger Genesis wird EREV-, Hybrid- und BEV-Antriebe für die gesamte Modellpalette und damit auch den neuen GV90 anbieten.
Ähnlich sieht es auch bei der amerikanischen VW-Tochter Scout aus. Die neue Trend-SUV-Marke der Wolfsburger sollte ehemals mit rein elektrischen Pick-Ups und Geländewagen auf Kundenfang gehen. Nunmehr sind nach mehrmaliger Verzögerung insbesondere Range Extender geplant.
So wie Ram, die die Elektroversion des mächtigen Ram 1500 auf unbestimmte nach hinten geschoben haben. Stattdessen geht seit über einem Jahr der Ram 1500 REV auf Kundenfang, dessen 92-kWh-Batteriepaket über einen 130-kW-Generator vom bekannten 3,6-Liter-Pentastar-V6-Benziner gespeist wird. Am besten laufen jedoch die reinen Verbrenner – wie bei fast allen.
Von Stefan Grundhoff
Das Original zu diesem Beitrag „Zurück ins Verbrenner-Glück?“ stammt von AutoTest&Technik.
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6 Kommentare
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