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Die Liste ist nicht lang, aber sie wird länger: Mit Vincorion ist eine weitere deutsche Rüstungsfirma an der Börse, andere sind schon da. Es geht um Panzer, Schiffe, Munition und Meerestechnik.
Mit dem Zulieferer Vincorion wagt eine weitere deutsche Rüstungsfirma den Sprung auf das Börsenparkett. Für Freitag ist der erste Handelstag mit Anteilsscheinen des Unternehmens aus Wedel bei Hamburg vorgesehen.
Seit Beginn des Ukraine-Krieges boomt die Branche, die Nachfrage nach Waffen und Rüstungsgütern ist groß. Das macht den Markt auch für Investoren attraktiv. Aber welche deutsche Waffenschmiede ist überhaupt an der Börse? Ein Überblick.
Marcus Brandt/dpa
Der Debütant: Vincorion
Der Firmenname ist ein Kunstwort, zusammengesetzt aus dem lateinischen vincere (siegen) und dem Sternbild Orion. Als unrealistischen Griff nach den Sternen möchte das Management den Börsengang nicht verstanden wissen, zu Höherem berufen sieht sich die Führungsriege des nicht allzu großen Unternehmens mit 900 Beschäftigten aber durchaus.
2025 kam Vincorion auf einen Umsatz von 240 Millionen Euro, zum Gewinn wurden keine Angaben gemacht. Der Gesamtauftragsbestand lag zum Jahreswechsel bei rund 1,1 Milliarden Euro. Von dem Börsengang verspricht sich die Firma eine größere Bekanntheit auch unter Investoren.
Die Firma gehörte bis 2022 zum Thüringer Technologiekonzern Jenoptik, dann übernahmen britische Investoren namens Star Capital das Unternehmen. Für die Briten war das ein gutes Timing, da die Nachfrage nach Rüstungsgütern rasant anstieg.
Nun machen sie Kasse. Star Capital bleibt Hauptaktionär. Vincorion stellt Mechatronik, Generatoren und andere Energielösungen her, die Teile sind etwa in Panzern und Flugabwehr-System verbaut.

Julian Stratenschulte/dpa
Der Branchenprimus: Rheinmetall
Deutschlands größte Waffenschmiede hat einen steilen Wachstumskurs hinter sich, die Auftragsbücher sind prallvoll. Ob Umsatz, Auftragsbestand oder Betriebsergebnis – ein Höchstwert der Düsseldorfer Firma folgt dem anderen.
Rheinmetall verkauft Panzer, Artillerie, Munition, Militär-Lkw und Drohnen. Das Produktportfolio wurde erweitert, nach Zukäufen und Firmengründungen hat es inzwischen auch Schiffe, Satelliten und Rumpfteile für den US-Tarnkappenbomber F35 im Sortiment.
Bis 2030 möchte Rheinmetall seinen Umsatz auf 50 Milliarden Euro verfünffachen, die Beschäftigtenzahl soll von 33.000 auf 70.000 mehr als verdoppelt werden.
Die steigenden Firmenzahlen kommen an der Börse gut an: War eine Rheinmetall-Aktie kurz vor Beginn des Ukraine-Krieges noch knapp unter 100 Euro wert, so sind inzwischen mehr als 1500 Euro fällig.
Die Erwartungen von Finanzanalysten sind inzwischen aber so hoch, dass selbst gute Zahlen zuletzt für etwas Ernüchterung sorgten und der Aktienkurs sank.

Peter Kneffel/dpa
Die Traditionsfirma: Renk
Die Augsburger Firma mit 4400 Mitarbeitern schwimmt ebenfalls auf der Erfolgswelle und freut sich über Firmenhöchstwerte beim Umsatz (1,4 Milliarden 2025, ein Fünftel mehr als ein Jahr zuvor) und beim Auftragsbestand (6,7 Milliarden Euro, ein Drittel mehr).
Die 1873 gegründete Traditionsfirma fertigt Getriebe, die in Panzern und Artillerie-Fahrzeugen verbaut werden. Das Wachstum soll weitergehen. Seit seinem Börsenstart vor gut zwei Jahren hat sich der Wert einer Renk-Aktie in etwa vervierfacht.
Allerdings ging es auch für Renk – ähnlich wie für Rheinmetall – in den vergangenen Monaten wieder etwas runter. Dennoch bleibt das Kursniveau hoch.

Daniel Karmann/dpa
Der Elektroniker: Hensoldt
Die frühere Sicherheitselektronik-Sparte von Airbus ist schon seit 2020 an der Börse. Zunächst hielten sich Anleger doch eher zurück, zu Beginn des Ukraine-Krieges lag der Börsenkurs in etwa so hoch wie beim Börsenparkett-Debüt.
Doch die russische Bedrohung und die damit verbundene Aufrüstung von Nato-Staaten führten auch bei Hensoldt zu guten Geschäften.
Inzwischen ist ein Anteilsschein etwa sechsmal so viel wert wie zu Kriegsbeginn. Hensoldt stellt Radarsysteme und Sensoren für Flugabwehr-Systeme, Flugzeugen, Drohnen und Schiffe her. Die Technik soll eine nahende Bedrohung frühzeitig erkennen, um Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Die Firmenzentrale von Hensoldt ist in Taufkirchen im Münchner Umland.

Daniel Karmann/dpa
Der Börsenwitz: Heckler & Koch
Der Sturmgewehr-Hersteller Heckler & Koch aus dem Schwarzwald ist ebenfalls börsennotiert, sein Aktienkurs ist aber rein gar nicht aussagekräftig. Letztlich ist die Börsennotierung von H&K nur ein Treppenwitz der Börsengeschichte: Im vergangenen Jahrzehnt wollte die angeschlagene Firma an die Börse, um sich finanziellen Rückenwind zu holen.
In einem ersten Schritt erfüllte die Firma eine Mindestanforderung der Pariser Börse und gab 2015 einen winzigen Anteil von 0,03 Prozent der Stimmrechte an Kleinanleger aus, danach sollten mehr folgen.
Das aber passierte nicht, der Börsengang wurde abgebrochen – die Geschäftszahlen waren zu schlecht, als dass sie als Lockmittel für Anleger geeignet gewesen wären.
Einige Pazifisten erkannten ihre Chance und kauften sich Aktien, die sie in den Folgejahren als Eintrittskarte für die Hauptversammlungen nutzten. Dabei geigten sie dem Management ausführlich ihre Meinung. Ihr Wunsch, dass Heckler & Koch Kriegsgeräten abschwört und auf die Produktion ziviler Bauteile umsattelt, hat sich nicht erfüllt – es bleibt bei wirkungslosen Wortsalven.
Zum Glück, könnte sich der Mehrheitsaktionär, der französische Napoleon-Nachfahre Nicholas Walewski, sagen: Die Nachfrage nach Handfeuerwaffen ist gestiegen, H&K macht seit einigen Jahren wieder hochprofitable Geschäfte.

Christian Charisius/dpa
Mit Tiefgang: ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS)
Die Kieler Schiffbau-Tochter des Industriekonzerns Thyssenkrupp ist seit vergangenem Oktober an der Börse. Am ersten Abend schnellte ein Anteilsschein steil nach oben, danach beruhigte sich die Nachfrage. Auch diese Firma vermeldet Höchstwerte, etwa beim Auftragsbestand von 18,7 Milliarden Euro.
Thyssenkrupp hält noch 51 Prozent der Anteile an dem Unternehmen, das rund 9100 Beschäftigte hat und Fregatten und U-Boote herstellt. In Wismar baut es eine Werft um, damit dort künftig U-Boote gebaut werden können – bis zu 1500 Arbeitsplätze könnten dort entstehen, schätzt die Firma.
Unlängst konnte sich TKMS darüber freuen, dass Norwegen seine Bestellung von vier U-Booten um zwei zusätzliche erweitert hat. Für die Deutsche Marine möchte TKMS vier Fregatten bauen, damit diese ihre Fähigkeit zur U-Boot-Jagd verbessert – im Buhlen um diesen Großauftrag kommt die Firma etwas voran.

Arne Dedert/dpa
Der Börsenzwerg: Gabler
Das Lübecker Unternehmen Gabler ist erst seit etwa zwei Wochen an der Börse, mit nur 240 Beschäftigte kam es 2025 auf einen Umsatz von 70 Millionen Euro.
Es stellt Ausfahrgeräte sowie Steuerungssysteme von U-Booten her. Gabler verkauft auch andere Meerestechnik, die etwa an Öl-Plattformen sowie von der Wissenschaft genutzt wird.

Daniel Karmann/dpa
Der nächste Debütant: KNDS
Der Rüstungskonzern KNDS plant ungeachtet der Verzögerungen beim geplanten deutsch-französischen Kampfpanzer MGCS noch dieses Jahr seinen Börsengang. „Die Vorbereitungen laufen planmäßig“, sagte Konzernchef Jean-Paul Alary kürzlich in München.
Streng genommen wäre es kein Börsengang einer deutschen Waffenfirma, da die Firma hälftig Deutschen und Franzosen gehört.
KNDS ging 2015 aus der Fusion des deutschen Panzerherstellers Krauss-Maffei Wegmann und des staatlichen französischen Rüstungsunternehmens Nexter hervor – damals unter anderem bedingt durch die Kürzungen in den Verteidigungsetats Deutschlands und vieler weiterer europäischer Länder.
Sitz der Holding ist Amsterdam, die 4000-Mitarbeiter-Firma KNDS Deutschland hat ihre Zentrale in München. Die deutsche Firma KNDS Deutschland stellt Panzer, Artillerie und Flugabwehr her. Die Schwesterfirma KNDS France hat rund 4500 Beschäftigte, ihr Produktportfolio ist ähnlich.
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6 Kommentare
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Great insights on News. Thanks for sharing!
Solid analysis. Will be watching this space.
Interesting update on Rüstungsboom an der Börse: Wer jetzt alles mitmischt. Looking forward to seeing how this develops.
Good point. Watching closely.