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Der Goldpreis ist um 6 Prozent in nur einer Woche gesunken. Edelmetallexperte Sebastian Wieschowski erklärt, warum ausgerechnet Edelmetalle im Irankrieg nachgeben.
Wer in diesen Tagen auf den Goldpreis schaut, erlebt ein ungewohntes Bild. Statt als klassischer Krisengewinner durchzustarten, geriet das Metall rund um den 19. März 2026 deutlich unter Druck.
Warum Gold trotz Krise kein Inflationsschutz ist
Am Donnerstag fiel der Spotpreis zeitweise auf 4764 US-Dollar je Feinunze und damit auf den tiefsten Stand seit dem 6. Februar. Das ist bemerkenswert, weil sich der Krieg mit dem Iran zugleich zuspitzte, Öl über 110 US-Dollar je Barrel sprang und an den Märkten die Angst vor einem neuen Inflationsschub umging – und Gold gilt gemeinhin als perfekter Inflationsschutz.
Sebastian Wieschowski ist leidenschaftlicher Münzsammler und Fachmann für Numismatik und Edelmetalle. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Faktor 1: Starker US-Dollar belastet Goldpreis
Die naheliegende Erklärung für den Goldpreis-Rückkgang lautet: der starke US-Dollar. Tatsächlich ist das ein zentraler Teil der Geschichte, aber eben nicht die ganze. Der Greenback hat sich in dieser Krise selbst zum bevorzugten sicheren Hafen entwickelt, obwohl dem US-Dollar zuletzt noch der Abstieg drohte.
Reuters berichtete bereits am 18. März, der Dollarindex sei seit Beginn der Eskalation um 2,5 Prozent gestiegen. Für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert das Gold unmittelbar. Gleichzeitig verdrängt der US-Dollar in akuten Krisenphasen einen Teil jener Nachfrage, die sonst reflexartig in Gold geflossen wäre.
Faktor 2: Zinsen und Geldpolitik drücken Gold
Hinzu kommt ein zweiter, womöglich noch wichtigerer Belastungsfaktor: die Geldpolitik. Gold wirft keine laufenden Erträge ab. Deshalb leidet es besonders dann, wenn der Markt plötzlich wieder mit länger hohen Zinsen rechnet. Genau das geschah in der Woche um den 19. März.
Die US-Notenbank beließ den Leitzins am 18. März zwar unverändert, signalisierte aber weiterhin nur eine Zinssenkung für 2026. Zugleich hob sie ihre Inflationsprognosen an: Für 2026 erwartet die Fed nun 2,7 Prozent PCE-Inflation statt 2,4 Prozent im Dezember, bei der Kerninflation ebenfalls 2,7 statt 2,5 Prozent. Damit stieg die Opportunitätskosten-Logik gegen Gold erneut an.
Der eigentliche Mechanismus ist paradox: Der Krieg treibt den Ölpreis – und genau das bremst Gold. Denn steigende Energiepreise schüren die Sorge, dass die Inflation wieder hartnäckiger wird. Das wiederum macht Zinssenkungen unwahrscheinlicher und hält Renditen hoch.
Reuters meldete am 18. März einen überraschend starken Anstieg der US-Erzeugerpreise im Februar um 0,7 Prozent zum Vormonat; auf Jahressicht lagen sie 3,4 Prozent höher. Marktteilnehmer interpretierten das als Signal, dass der Inflationsdruck bereits vor der jüngsten Kriegseskalation unangenehm war – und durch den Ölpreisschock nun noch zäher werden könnte.
Faktor 3: Gewinnmitnahmen nach Rekordlauf
Für Gold ist das kurzfristig ein Problem, obwohl es langfristig oft gerade von Inflationsängsten profitiert. Dazu kommt ein dritter Punkt, der in hektischen Marktphasen häufig unterschätzt wird: Gewinnmitnahmen. Gold hatte bereits vor der jüngsten Eskalation einen außergewöhnlichen Lauf hinter sich und war Ende Januar erstmals über 5000 US-Dollar gestiegen.
Reuters zitierte Anfang März Händler und Analysten mit dem Hinweis, dass viele Marktteilnehmer nach den extremen Schwankungen Ende Januar vorsichtiger geworden seien. Nach kräftigen Vorab-Käufen im Vorfeld des Krieges setzte dann ein klassischer „buy the rumour, sell the fact“-Effekt ein: Diejenigen, die früh auf den Krisenmodus gesetzt hatten, nutzten die Eskalation nicht zum Nachkauf, sondern zum Kassemachen.
Auch die Positionierung spricht dafür, dass Gold zwar strukturell gesucht bleibt, taktisch aber überdehnt war. Der World Gold Council meldete für Februar zwar den neunten Monat in Folge Zuflüsse in goldgedeckte ETFs; allein im Februar flossen weltweit netto 5,3 Milliarden US-Dollar zu, die Bestände stiegen auf ein Rekordniveau von 4171 Tonnen.
Gleichzeitig gingen die COMEX-Netto-Long-Positionen im Februar jedoch um 21 Prozent auf 504 Tonnen zurück. Das deutet auf ein gespaltenes Bild hin: strategische Nachfrage bleibt intakt, kurzfristig orientierte Spekulanten reduzieren jedoch Risiko.
Faktor 4: Liquiditätsdruck an den Märkten
In fallenden Aktienmärkten kommt noch ein vierter Belastungsfaktor hinzu: Liquiditätsbedarf. Wenn Aktienkurse abrutschen und Margin Calls drohen, verkaufen Investoren oft nicht ihre schwächsten, sondern ihre liquidesten und profitabelsten Positionen. Reuters verwies Anfang März genau auf diesen Mechanismus.
Der Rückgang an den Aktienmärkten erhöhte demnach den Druck auf Gold, weil manche Anleger Gewinne aus dem Edelmetall realisierten, um Verluste oder Sicherheiten an anderer Stelle zu finanzieren. Gold wird in solchen Momenten nicht als Schutz verkauft, weil es fundamental unattraktiv wäre, sondern weil es sich gut verkaufen lässt.
Schließlich konkurriert Gold in dieser Krise nicht nur mit dem US-Dollar, sondern auch mit einem sehr direkten Inflationshedge: dem Energiesektor selbst. Reuters berichtete am 18. März von kräftigen Zuflüssen in Energiefonds. Allein im März seien global bereits 2,1 Milliarden US-Dollar in den Sektor geflossen, während der MSCI World Energy Index im Jahresverlauf um 29,5 Prozent zugelegt habe.
Für manche Investoren ist das die unmittelbarere Wette auf die Kriegsfolgen als Gold: Wer steigende Öl- und Gaspreise erwartet, kauft lieber Produzenten und Raffinerien als ein Metall ohne laufenden Ertrag.
Goldpreis fällt nicht nur wegen US-Dollar – mehrere Faktoren entscheidend
Das Fazit lautet deshalb: Nein, es liegt nicht nur am starken US-Dollar. Der US-Dollar ist der sichtbarste Auslöser, aber der Preisrückgang bei Gold in den Tagen um den 19. März 2026 ist das Ergebnis mehrerer Kräfte zugleich – und die langfristigen Aussichten bleiben weiter positiv, solange Anleger ein wenig Geduld mitbringen.
„Längerfristig bleibe ich für Gold positiv gestimmt und dann ist auch die Marke von 6000 US-Dollar je Unze wieder ein denkbares Ziel. Eine Rückkehr auf das langjährige Preisniveau zwischen 2000 und 3500 US-Dollar halte ich dagegen für nahezu ausgeschlossen“, sagt Wolfgang Wrzesniok-Roßbach, der seit über 30 Jahren in der Edelmetallbranche tätig ist und in der kommenden Woche die unabhängige Branchenkonferenz „ZukunftsForum Edelmetalle“, in Frankfurt ausrichtet.
„Falls sich der Iran-Krieg nicht deutlich verschlimmern sollte, erwarten ich zunächst eher eine Seitwärtsbewegung bei andauernd hoher Volatilität des Preises.“ Wrzesniok-Roßbach
Kurzfristig seien allerdings Preise von 4500 US-Dollar realistischer als ein schneller Anstieg auf 6000 US-Dollar je Unze.
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6 Kommentare
Interesting update on Finanzexperte erklärt
Vier Gründe, warum Gold als "Krisenmetall" ausgedient hat
Finanzen100
19. März. Looking forward to seeing how this develops.
Solid analysis. Will be watching this space.
Great insights on News. Thanks for sharing!
Good point. Watching closely.
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