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Eine Eskalation an der Straße von Hormus könnte Öl- und Gaspreise weltweit treiben – und auch in Deutschland Strom, Heizung und Sprit deutlich verteuern.
Die Straße von Hormus ist eines der wichtigsten Nadelöhre der Weltwirtschaft. Rund ein Fünftel des global gehandelten Öls passiert in normalen Zeiten täglich die schmale Meerenge zwischen Iran und Oman. Auch wenn Deutschland nur einen begrenzten Anteil seines Öls direkt aus der Golfregion bezieht, entscheidet letztlich der Weltmarkt. Fällt ein großer Teil des Angebots aus, steigen die Preise weltweit – entlang nahezu aller Produktionsketten. Energie ist die Grundlage moderner Volkswirtschaften. Wird sie knapp, verteuert sich fast alles.
Besonders angespannt ist die Lage beim Gas. Deutschland hat seine Energieversorgung nach der Abkehr von russischen Lieferungen neu ausgerichtet und setzt verstärkt auf Flüssiggasimporte, unter anderem aus den USA und Katar.
Steigende Preise für Strom, Kraftstoffe und Heizung zu erwarten
Genau dieses System gerät nun unter Druck. Katar zählt zu den wichtigsten LNG-Exporteuren weltweit. Kommt es hier zu Einschränkungen, treten große Abnehmer wie Japan, Südkorea oder Indien verstärkt als Konkurrenten um US-Gas auf – mit entsprechendem Preisdruck für Europa.
Stefan Piasecki ist Professor für Soziologie, Medien- und Politikwissenschaften und wurde habilitiert in Religionspädagogik. Er lehrt im In- und Ausland und betreut promovierende Doktoranden. Er prüft Filmmedien bei der FSK und beschäftigt sich bevorzugt mit den Wechselwirkungen von Medien, Religion, Kultur und Gesellschaft. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Die Folgen wären unmittelbar spürbar: steigende Preise für Strom, Kraftstoffe und Heizung sowie höhere Produktionskosten in energieintensiven Industrien. Branchen wie Chemie, Stahl oder Glas – tragende Säulen der deutschen Wirtschaft – geraten zusätzlich unter Druck. Gleichzeitig verteuern sich Transporte, was sich wiederum auf die Preise für Konsumgüter auswirkt. In einer ohnehin angespannten wirtschaftlichen Lage kann sich dieser Effekt schnell zu einer breiten Belastung für private Haushalte ausweiten.
Noch weniger im Fokus steht eine zweite, potenziell gravierendere Dimension: die globale Lebensmittelversorgung. Ein erheblicher Teil der Düngemittelproduktion hängt direkt oder indirekt an günstigen Gaslieferungen. Wird Energie knapp, sinkt die Produktion. Bereits während der Corona-Pandemie und infolge des Ukraine-Krieges hat sich gezeigt, wie empfindlich dieses System ist.
Deutschland träfe diese Entwicklung doppelt
Eine längere Störung durch eine Blockade der Straße von Hormus könnte ähnliche oder noch stärkere Effekte auslösen. Besonders betroffen wären Länder in Afrika, Südasien und Teilen Lateinamerikas.
Sinkende Ernteerträge würden dort nicht nur wirtschaftliche Probleme verursachen, sondern existenzielle Krisen. Hunger und Versorgungsengpässe könnten zunehmen, neue Fluchtbewegungen wären wahrscheinlich.
Deutschland träfe diese Entwicklung doppelt: zum einen durch steigende Preise für Energie und Lebensmittel, zum anderen durch die indirekten Folgen globaler Instabilität. Migration und wirtschaftlicher Druck könnten auf einen ohnehin angespannten Arbeits- und Sozialmarkt treffen.
Für deutsche Politik ergibt sich klarer doppelter Handlungsdruck
In einer Phase wachsender sozialer Ungleichheit und steigender Arbeitslosigkeit bergen zusätzliche Belastungen erhebliche politische Sprengkraft. Soziale Verteilungskämpfe und politische Verwerfungen könnten wahrscheinlicher werden.
Für die deutsche Politik ergibt sich daraus ein klarer doppelter Handlungsdruck.
- Außenpolitisch sollte Deutschland auf Deeskalation hinwirken. Als enger Partner der USA und Israels, aber auch mit Beziehungen in die islamische Welt, verfügt die Bundesrepublik über Einflussmöglichkeiten. Diplomatische Initiativen und eine klare Haltung gegenüber militärischen Eskalationen sind entscheidend, um die globale Versorgungslage nicht weiter zu gefährden. Dabei könnten auch neue regionale Initiativen eine Rolle spielen. Vorschläge für Friedenspläne aus der Region selbst könnten – sofern sie ernsthaft auf Stabilität und Kooperation abzielen – als Ausgangspunkt für Dialoge dienen. Historische Beispiele wie die europäische Integration zeigen, dass wirtschaftliche Zusammenarbeit langfristig stabilisierend wirken kann.
- Innenpolitisch muss die Bundesregierung verhindern, dass externe Schocks in soziale Krisen umschlagen. Entlastungsmaßnahmen für Haushalte, insbesondere für einkommensschwache Gruppen, sind ebenso notwendig wie die Stabilisierung zentraler Industrien. Kurzfristig könnten etwa Energiesteuern gesenkt werden, um die Belastung abzufedern.
Langfristig wird es darauf ankommen, außenpolitische Abhängigkeiten zu reduzieren, Lieferketten zu diversifizieren und die Widerstandsfähigkeit der eigenen Versorgungssysteme zu stärken.
Auch eine breitere Debatte über Energiequellen wird notwendig sein. Die aktuelle Situation zeigt deutlich, wie eng globale Konflikte und nationaler Wohlstand miteinander verknüpft sind – und dass Deutschland auf die kommenden Verwerfungen bislang nur unzureichend vorbereitet ist.
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6 Kommentare
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