Listen to the article
Die Debatte um künstliche Intelligenz in der Buchhaltung ist weit fortgeschritten – in der Praxis jedoch oft erstaunlich
zögerlich. „Wir befinden uns gerade an einem Übergangspunkt“, sagt Enes Witwit von uiAgent,
der die Automatisierung von Finanzprozessen aus der Umsetzungsperspektive kennt. Seine Beobachtung: Die Technologie ist da, doch viele Unternehmen nutzen sie nur punktuell. Was bremst die
Entwicklung? Wo liegen die größten Hebel? Und wie verändert sich die Rolle der Finanzabteilung, wenn Maschinen Routine übernehmen und Menschen entscheiden müssen?
Herr Witwit, viele Unternehmen sprechen aktuell über KI in der Buchhaltung. Wo stehen wir Ihrer Einschätzung nach heute
wirklich? Eher am Anfang oder schon mitten in der Umsetzung?
Enes Witwit: Wir befinden uns gerade an einem Übergangspunkt. Die technologischen Möglichkeiten sind bereits weit
fortgeschritten, viele Unternehmen nutzen sie aber noch nicht konsequent genug. In der Buchhaltung gibt es eine Vielzahl standardisierter Prozesse, die sich sehr gut automatisieren lassen. Erste
Unternehmen setzen KI hier bereits produktiv ein und erzielen deutliche Effizienzgewinne. Gleichzeitig sehen wir im Markt noch viel ungenutztes Potenzial. Insgesamt kann man daher sagen, dass wir
nicht mehr am Anfang sind, aber noch sehr viel Potenzial besteht im Hinblick auf Automatisierung innerhalb der Branche.
Welche konkreten Prozesse in der Buchhaltung profitieren aktuell am stärksten von KI-gestützter Automatisierung und wo
liegen Ihrer Meinung nach die größten Effizienzpotenziale für Unternehmen?
Enes Witwit: Besonders gut geeignet sind alle Prozesse, die klaren Regeln folgen und in hoher Frequenz stattfinden.
Dazu gehören etwa die Verarbeitung von Eingangsrechnungen, die Kontenabstimmung oder das Zusammenführen von Daten aus unterschiedlichen Systemen. Genau hier entstehen heute viele manuelle Aufwände.
KI kann diese Aufgaben weitgehend übernehmen und so den operativen Aufwand erheblich reduzieren. In vielen Fällen sehen wir Einsparpotenziale von bis zu 70 Prozent bei Routineprozessen. Der größte
Hebel liegt dabei weniger in einzelnen Tätigkeiten als in der durchgängigen Automatisierung ganzer Prozessketten.
Inwiefern verändert sich durch KI die Rolle der Finanzabteilung insgesamt? Entwickelt sie sich stärker vom operativen
Bereich hin zu einer strategischen Steuerungseinheit?
Enes Witwit: Diese Entwicklung ist bereits klar erkennbar. Wenn repetitive Aufgaben wegfallen, verschiebt sich der
Fokus automatisch. Finanzabteilungen beschäftigen sich dann weniger mit Datenerfassung und Fehlerkorrekturen, sondern stärker mit Analyse, Planung und Steuerung. Das bedeutet konkret, dass
schnellere Abschlüsse, bessere Entscheidungsgrundlagen und insgesamt mehr Transparenz im Unternehmen erreicht werden können. Die Finance-Funktion entwickelt sich dadurch vom reinen Abwickler hin zu
einem aktiven Sparringspartner für das Management.
Welche Bedeutung hat das Thema Automatisierung aus Ihrer Sicht für CFOs und die Unternehmensführung
insgesamt?
Enes Witwit: Für CFOs ist Automatisierung längst kein reines Effizienzthema mehr, sondern ein strategischer Hebel.
Es geht nicht nur darum, Kosten zu senken, sondern vor allem darum, schneller und fundierter entscheiden zu können. Das ist vor allem heute und in der schnelllebigen Finanzbranche unumgänglich. Wer
seine Finanzprozesse automatisiert, gewinnt Zeit und Datenqualität zugleich. Das wirkt sich direkt auf Themen wie Liquiditätsplanung, Forecasting oder Risikomanagement aus. Entsprechend rückt das
Thema auch stärker in den Fokus der gesamten Unternehmensführung.
Viele Unternehmen zögern noch bei der Einführung von KI-Lösungen. Was sind aus Ihrer Erfahrung die größten Hürden und
wie lassen sich diese überwinden?
Enes Witwit: Die größte Hürde ist oft weniger die Technologie als vielmehr die Unsicherheit im Umgang damit. Viele
Unternehmen fragen sich, wie zuverlässig KI arbeitet oder wie aufwendig die Integration in bestehende Systeme ist. Hinzu kommen Themen wie Datenschutz oder interne Prozesse. Wichtig ist hier, mit
klar abgegrenzten Anwendungsfällen zu starten und erste Erfolge sichtbar zu machen. Sobald Unternehmen sehen, dass KI nicht nur analysiert, sondern tatsächlich operative Aufgaben übernehmen kann,
steigt auch die Akzeptanz deutlich.
Wie wird die Buchhaltung in fünf Jahren aussehen, und welche Rolle spielt KI dann im Tagesgeschäft und in der
Unternehmenssteuerung?
Enes Witwit: In fünf Jahren wird KI ein fester Bestandteil der Buchhaltung sein. Viele der heute noch manuellen
Tätigkeiten werden dann automatisiert im Hintergrund laufen. KI-Systeme werden nicht nur Daten verarbeiten, sondern eigenständig Aufgaben übernehmen und Prozesse steuern. Für Mitarbeitende bedeutet
das vor allem eine Veränderung ihrer Rolle: Weg von operativer Routine, hin zu Interpretation, Beratung und strategischer Arbeit. Unternehmen, die diesen Wandel frühzeitig gestalten, werden klare
Vorteile haben, sowohl in der Effizienz als auch in der Qualität ihrer Entscheidungen.
Den vollständigen Artikel hier lesen


6 Kommentare
Solid analysis. Will be watching this space.
I’ve been following this closely. Good to see the latest updates.
Great insights on ETF-News. Thanks for sharing!
Interesting update on Automatisierung in der Buchführung ist möglich – genutzt wird sie selten. Looking forward to seeing how this develops.
Good point. Watching closely.
This is very helpful information. Appreciate the detailed analysis.