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Strukturbruch statt Tarifstreit: Lufthansa wickelt CityLine ab und stellt 2200 Mitarbeiter frei. Hohe Kerosinkosten und Streiks zwingen den Konzern zu diesem radikalen Schritt.
Mitten im Streik bei der Lufthansa ist jetzt eine Nachricht geplatzt, die für die streikenden Flugkapitäne und die Besatzung die Situation drastisch verändert: Die Lufthansa-Führung kündigt an, dass sie den Betrieb ihrer bestreikte Tochterfirma CityLine einstellen will – und zwar sofort. Es gibt keine Übergangsphase, kein langsames Auslaufen. Was eigentlich erst für 2028 geplant war, wird vorgezogen. Damit ist aus einem Tarifkonflikt ein Strukturbruch geworden. Er zeigt, wie schnell sich strategische Entscheidungen verschieben, wenn wirtschaftlicher Druck und Arbeitskonflikte zusammenkommen.
Die Folgen sind unmittelbar. Intern wurde den Beschäftigten mitgeteilt, dass sie „widerruflich freigestellt“ werden. Für rund 2200 Mitarbeiter im Cockpit und in der Kabine bedeutet das: keine Einsätze mehr, kein Flugbetrieb, keine klare Perspektive. Der Betrieb steht dauerhaft still und damit ist die Zukunft vieler Beschäftigter unklar.
Wirtschaftlicher Druck und Kerosinpreise als Auslöser
Die Lufthansa begründet diesen Schritt mit einer wirtschaftlichen Situation, die ungemütlich ist. Sie kämpft mit massiv steigenden Kosten, vor allem beim Kerosin, das sich wegen des Irakkriegs verteuert und manchmal gar nicht mehr zu bekommen ist. In dieser Situation wirkt ein Streik wie ein Brandbeschleuniger.
Die operative Marge des Konzerns liegt bei rund 4,9 Prozent, und damit deutlich unter dem eigenen Ziel von 8 bis 10 Prozent. Die Lufthansa reagiert, wo sie kann: Kapazitäten werden reduziert, 27 Flugzeuge wurde aus dem Verkehr gezogen, Strecken angepasst. Till Streichert, Finanzvorstand der Lufthansa sagt: „Das Paket zur beschleunigten Umsetzung von Flotten- und Kapazitätsmaßnahmen ist angesichts der stark gestiegenen Kerosinkosten und der geopolitischen Instabilität unumgänglich.“
Lufthansa müsse „wettbewerbsfähig bleiben“
Auch an der Börse zeigt sich die Unsicherheit. In den vergangenen drei Monaten bewegte sich die Lufthansa-Aktie volatil, ohne klaren Aufwärtstrend. Immer wieder Rücksetzer, zuletzt ein Minus von mehr als 3,5 Prozent an einem Tag. Die Botschaft des Marktes ist eindeutig: Die Lufthansa ist nichts für Investoren, die auf Kursgewinne setzen. Konzernchef Carsten Spohr ist deswegen gefordert. Er betont bei jeder Gelegenheit, man müsse „wettbewerbsfähig bleiben“.
Und Personalvorstand Michael Niggemann hatte die Richtung bereits vorgezeichnet: „Jeder Streik verkleinert die betroffenen Fluggesellschaften.“ Ein Satz, der nun wie die Vorwegnahme der CityLine-Entscheidung wirkt.
Kritik der Gewerkschaften am radikalen Kurswechsel
Die Arbeitskämpfe waren dennoch angelaufen. Dass der Konzern die Stilllegung jetzt vorzieht, greift die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit scharf an. Ihr Präsident Andreas Pinheiro nennt die Begründung „nicht überzeugend“ und wirft dem Management vor, „erhebliche operative und wirtschaftliche Schäden in Kauf“ zu nehmen. Die Fakten liegen damit nebeneinander. Auf der einen Seite eine strategisch geplante und betriebswirtschaftlich naheliegende Stilllegung. Auf der anderen ein laufender Streik die damit zusammenhängende Entscheidung, den Plan vorzuziehen.
Für die Mitarbeiter ist es ein Bruch. Sie wechseln von einem laufenden Betrieb in eine unklare Zukunft. Ein Teil könnte in neuen Einheiten wie City Airlines landen. Ob und zu welchen Bedingungen ist offen. Für die Passagiere soll die Lage handhabbar bleiben: Lufthansa will umbuchen, Flüge verlagern, das Netz stabil halten. Womit klar ist: Operativ soll die Entscheidung nach außen möglichst wenig sichtbar werden.
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6 Kommentare
Solid analysis. Will be watching this space.
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Interesting update on Lufthansa schließt Cityline sofort: Radikales Aus für 2200 Jobs. Looking forward to seeing how this develops.
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