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Inflationsschock aus Hormus: Warum Deutschland keine Kontrolle hat

Finanzen100Von Finanzen100vor 3 Stunden6 Kommentare603 Aufrufe
Inflationsschock aus Hormus: Warum Deutschland keine Kontrolle hat
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Eine Hängepartie mit Folgen. Wie stark Preise in Deutschland steigen, ob die Regierung entlasten kann – und ob die EZB bald die Zinsen erhöht.

Seit dem 28. Februar 2026 dauert der Konflikt zwischen den USA und dem Iran an – ohne Lösung, aber mit klaren Folgen: Der Nahostkrieg ist längst ein Inflationsfaktor für Europa. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, bleiben auch Energie-, Rohstoff- und Düngemittelpreise hoch – und damit der Druck auf Verbraucher und Unternehmen.

Carsten Stork ist Rohstoffexperte mit über 25 Jahren Erfahrung im institutionellen Trading. Er ist Teil unseres Expertennetzwerks EXPERTS Circle.

Die Straße von Hormus ist der zentrale Energie- und Rohstoffkorridor der Welt. Rund 20 Prozent des global gehandelten Öls, große Teile des LNG-Handels und wichtige Düngemittelströme laufen über diese Route. Wer Hormus kontrolliert, bewegt nicht nur den Ölpreis, sondern Gas, Agrarmärkte und globale Lieferketten – also das wirtschaftliche Nervenzentrum.

Die Lage ist eskaliert: Seit über 60 Tagen ist die Passage faktisch geschlossen. Die USA blockieren iranische Häfen, Iran bedroht den Transit. Der Schiffsverkehr ist eingebrochen, Reedereien weichen aus, Versicherungsprämien explodieren.

Für Deutschland hat das direkte Folgen. Öl bei rund 100 US-Dollar verteuert Energie, Transport und Produktion. Noch stärker wirkt Gas: Der europäische TTF-Preis hat sich seit Dezember 2025 zeitweise nahezu verdoppelt – ein direkter Durchschlag geopolitischer Risiken auf die Kosten.

Deutschland kann das kaum beeinflussen. Energiepreise entstehen global – und mit höherer Importabhängigkeit kommen steigende Öl- und Gaspreise nahezu ungefiltert bei Unternehmen und Verbrauchern an.

Die zweite Inflationswelle: Dünger wird zum nächsten Preistreiber

Was viele übersehen: Die Iran-Krise ist nicht nur ein Energie-, sondern auch ein Düngemittel- und damit ein Lebensmittelproblem. Ein großer Teil des globalen Urea- und Ammoniakhandels läuft über den Persischen Golf. Steigende Gaspreise und gestörte Lieferketten treiben die Düngerpreise nach oben.

Die Folge: Farmer düngen weniger oder teurer, Erträge bei Mais, Weizen und anderen Grundnahrungsmitteln sinken – und Lebensmittelpreise steigen, meist zeitverzögert, aber deutlich.

Damit entsteht ein zweiter Inflationskanal: nicht nur Energie, sondern auch Nahrungsmittel, Transport und Industrie werden teurer. Für Deutschland ist das besonders kritisch, weil die Wirtschaft bereits unter schwachem Wachstum und hohen Kosten steht.

Kann die Bundesregierung Verbraucher entlasten?

Kurzfristig ja – strukturell nein. Der Staat kann mit Steuersenkungen, Zuschüssen oder Transfers Druck rausnehmen. Politisch sind solche Maßnahmen schnell beschlossen. Doch sie wirken nur wie ein Pflaster – nicht wie eine Lösung. Denn das eigentliche Problem liegt außerhalb Deutschlands. Energie-, LNG- und Düngemittelpreise entstehen global – und genau dort eskaliert die Lage. Wenn diese Preise steigen oder physisch knapp werden, kann Berlin das nicht verhindern.

Hinzu kommt: Der finanzielle Spielraum ist begrenzt. Nach der Energiekrise 2022 sind dauerhafte Subventionen kaum tragbar. Jeder Entlastungsschritt kostet Milliarden – ohne das Problem zu lösen.

Am Ende bleibt eine unbequeme Realität: Der Staat kann Zeit kaufen, aber keine Preise kontrollieren. Wenn der globale Preisdruck anhält, kommt er unweigerlich bei Unternehmen und Verbrauchern an.

Muss die EZB die Zinsen wieder erhöhen?

Noch nicht – aber der Druck baut sich gefährlich auf. Die Inflation liegt mit rund drei Prozent klar über dem Ziel, getrieben durch explodierende Energiepreise infolge des Nahostkonflikts. Entscheidend ist nicht nur das Niveau, sondern die Dynamik: Je länger Energie teuer bleibt, desto größer wird das Risiko, dass sich die Inflation über Löhne, Dienstleistungen und die Kerninflation festsetzt.

Gleichzeitig schwächt sich die Konjunktur spürbar ab. Unternehmen investieren weniger, Konsumenten halten sich zurück, Unsicherheit nimmt zu. Genau diese Kombination – steigende Preise bei gleichzeitig schwächerem Wachstum – bringt die EZB in ein klassisches Stagflations-Dilemma.

Während die Notenbank noch abwartet, ist der Markt bereits weiter. Zinserhöhungen im Sommer gelten als wahrscheinlich, der Einlagensatz könnte von aktuell rund zwei Prozent in Richtung 2,5 Prozent steigen.

Kredite verteuern sich, Immobilienmärkte geraten unter Druck

Die Folgen wären spürbar: Kredite verteuern sich weiter, Investitionen werden unattraktiver, Immobilienmärkte geraten unter Druck. Für Verbraucher bedeutet das höhere Finanzierungskosten und anhaltend hohe Preise. Sparer profitieren zwar von höheren Zinsen, verlieren aber real weiter an Kaufkraft, solange die Inflation hoch bleibt.

Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob die EZB reagiert – sondern wann. Wenn sich der Energieschock in der Breite festsetzt, wird sie kaum eine Wahl haben.

Der Konflikt um Iran und Hormus trifft längst das Herz der globalen Versorgungsketten. Energie, Düngemittel und Lebensmittel werden gleichzeitig teurer. Für Deutschland heißt das: importierte Inflation, auf die wir kaum Einfluss haben – die Politik kann nur abfedern, nicht lösen.

Inflation frisst sich in die gesamte Wirtschaft

Mit jedem Tag ohne Lösung verschärft sich der Druck. Lieferketten bleiben gestört, Preise steigen weiter und die Inflation frisst sich in die gesamte Wirtschaft. Eine schnelle diplomatische Lösung könnte entlasten – doch aktuell spricht wenig dafür.

Damit wächst auch der Druck auf die EZB. Setzt sich der Energieschock in der Breite fest, wird sie reagieren müssen. Die größere Gefahr ist nicht der nächste Zinsschritt, sondern ein „Higher for Longer“: dauerhaft hohe Zinsen bei gleichzeitig hoher Inflation. Das Ergebnis: steigende Kosten, schwaches Wachstum und anhaltender Druck auf Unternehmen und Verbraucher.

Carsten Stork

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6 Kommentare ansehen

6 Kommentare

  1. Emma Fischer am Mai 5, 2026 10:54 p.m.

    Solid analysis. Will be watching this space.

    Antworten
    • Anna Q. Wagner am Mai 5, 2026 11:44 p.m.

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  2. Laura V. Hoffmann am Mai 5, 2026 10:57 p.m.

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  4. Emma Becker am Mai 5, 2026 11:02 p.m.

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  5. Emma Schneider am Mai 5, 2026 11:03 p.m.

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