Ein weiterer Wachstumstreiber für die Optikbranche ist der kontinuierliche Wechsel auf immer höhere Übertragungsstandards. Nach der breiten Einführung von 400G-Systemen setzt sich nun die nächste Ausbaustufe durch.
800G-Module bilden aktuell den Industriestandard in den großen KI-Rechenzentren. Doch auch diese Kapazität scheint bereits an ihre Grenzen zu stoßen. Für die weitere Entwicklung der optischen Netzwerkbranche dürfte daher vor allem eine Frage entscheidend sein: Wie geht es nach 800G weiter?
Die Antwort zeichnet sich bereits ab: der Übergang zu 1.6-Terabit-Übertragungsstandards, dem doppelten Tempo von 800G. Dieser neue Standard befindet sich bei mehreren Hyperscalern bereits in der Qualifizierungsphase, das heißt, sie testen ihn derzeit in eigenen Rechenzentren, bevor er im großen Stil zum Einsatz kommt. Läuft dieser Prozess wie geplant, könnte dies zu einer höheren Nachfrage nach entsprechenden Netzwerkkomponenten führen (Dataintelo, 2026).
Parallel dazu rücken sogenannte Co-Packaged Optics in den Vordergrund. Dabei werden die optischen Komponenten nicht mehr als separates Steckmodul, sondern direkt neben dem Rechenchip platziert. Dieser Ansatz ließe sich als logische Weiterentwicklung verstehen, denn er würde den Energieverbrauch pro übertragene Bit nochmals spürbar senken. Dies ist ein Aspekt, der angesichts des enormen Strombedarfs von Rechenzentren an Bedeutung gewinnen dürfte. Jeder Technologiesprung könnte die Anforderungen an optische Module, Transceiver, Laser, photonische Chips und Netzwerkkomponenten erhöhen. Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette könnten dadurch von wiederkehrenden Investitionszyklen profitieren. Ob und in welchem Umfang sich daraus wirtschaftliche Vorteile ergeben, ist jedoch von zahlreichen Faktoren abhängig.
Wie ungleich der globale Energiebedarf schon heute verteilt ist, zeigt sich am regionalen Stromverbrauch: Asien lag 2024 mit rund 13 812 Terawattstunden deutlich vor Nordamerika und Europa mit 4 709 respektive 3 293 Terawattstunden (Statista, 2026), ausgerechnet dort, wo ein großer Teil der neuen Rechenzentrumskapazitäten entsteht.
Den potenziellen Chancen stehen jedoch reale Risiken gegenüber. Auf der Angebotsseite gelten Engpässe bei vorgelagerten Komponenten wie Indium-Phosphid-Lasern als möglicher Flaschenhals, der die Skalierung der Branche bremsen könnte. Hinzu kommt eine gewisse Kundenkonzentration: Viele Unternehmen hängen von einer überschaubaren Zahl großer Hyperscaler-Kunden ab, was einzelne Titel anfällig für Verschiebungen in deren Investitionsplänen macht. Auch die Visibilität der kurzfristigen Umsatzentwicklung ist eingeschränkt, da ein erheblicher Teil der Auftragsbestände erst im kommenden Geschäftsjahr abgearbeitet werden soll. Falls sich die Abarbeitung der Auftragsbestände verzögern sollte, könnte dies die Erwartungen des Marktes belasten.
Den vollständigen Artikel hier lesen

