Das auf KI-gestützte Präzisionsonkologie ausgerichtete Unternehmen Imagene AI hat am 18. August 2026 mitgeteilt, dass es der Partner-Allianz Proscia Ready beigetreten ist. Im Rahmen der Zusammenarbeit sollen die Bildanalyse-Werkzeuge von Imagene AI in die digitale Pathologieplattform Concentriq von Proscia eingebunden werden. Angaben zu finanziellen Konditionen oder zu einem Zeitplan für die technische Umsetzung machte das Unternehmen nicht.
Konkret geht es um zwei Bausteine: Werkzeuge für H&E-Schnitte und Analysefunktionen für Immunhistochemie. H&E steht für die Standardfärbung Hämatoxylin-Eosin, mit der Gewebeschnitte routinemäßig eingefärbt werden. Die Immunhistochemie (IHC) weist dagegen einzelne Proteine im Gewebe mit Antikörpern nach und dient in der Onkologie häufig als Grundlage für Biomarker-Bestimmungen. Nach Darstellung von Imagene AI sollen H&E-basierte Screening-Werkzeuge künftig dabei helfen, Entscheidungen über weitergehende molekulare Tests zu untermauern, während die IHC-Analytik die Entwicklung von Begleitdiagnostika unterstützen soll.
Begleitdiagnostik als Zielmarkt
Begleitdiagnostika – im Englischen Companion Diagnostics – sind Tests, die vor einer Therapie prüfen, ob ein Patient auf ein bestimmtes Medikament ansprechen dürfte. Ihre Entwicklung erfordert die Abstimmung mehrerer Akteure. Genau dort setzt die Kooperation an: Adressiert werden Pharmaunternehmen, Anbieter von Diagnostik-Assays und -Plattformen sowie Auftragsforschungsinstitute (CROs). Sie sollen einen einheitlichen Weg erhalten, IHC-basierte Programme zu entwickeln und in den Betrieb zu überführen.
Michael Hreczuck, Senior Vice President Business Development bei Imagene AI, ordnet den Schritt so ein:
„Die Entwicklung einer Begleitdiagnostik erfordert, dass Pharmaunternehmen, Diagnostikanbieter und CROs als ein verbundenes Ökosystem agieren.“
Durch den Beitritt zu Proscia Ready werde es einfacher, fortgeschrittene KI-Bildanalyse in bestehende Pathologie-Arbeitsabläufe einzubinden, so Hreczuck weiter.
Zentrale Datenhaltung statt verteilter Werkzeuge
Der praktische Nutzen soll aus der Bündelung entstehen: Kunden von Proscia erhalten Zugang zu den quantitativen Bildanalysefunktionen von Imagene AI, ohne die zentrale Bild- und Datenverwaltung zu verlassen. Die Integration soll Fragmentierung in den Arbeitsabläufen verringern und eine gleichmäßigere Ausführung über Forschung, klinische Entwicklung, Validierung und Einsatzumgebungen hinweg ermöglichen. Zugleich hält sich Imagene AI weitere gemeinsame Vorhaben mit Proscia offen.
Für die einzelnen Nutzergruppen beschreibt Imagene AI unterschiedliche Anwendungsfälle. Pharma-Sponsoren sollen quantitative Pathologie breiter in ihre Biomarker-Strategien und klinischen Entwicklungsprogramme einbinden können. Anbieter von Diagnostik-Assays und -Plattformen sollen ihre etablierten Gewebediagnostik-Angebote um KI-Bildanalyse ergänzen. CROs sollen die Funktionen in die globalen Laborprozesse einbetten, die sie für ihre Auftraggeber betreiben.
Was die IHC-Analytik leisten soll
Technisch zielt Imagene AI darauf, Biomarker-Expression und räumliche Merkmale zu quantifizieren, die mit herkömmlicher Befundung schwer zu erfassen sind. Genannt werden unter anderem eine hochauflösende Segmentierung auf Zell- und subzellulärer Ebene, Werkzeuge zur Identifikation von Merkmalskombinationen, die klinische Patientengruppen unterscheiden, kontinuierliche und erweiterte räumliche Scoring-Verfahren sowie Instrumente zur Stratifizierung von Patientenpopulationen. Über die Konzernangaben hinausgehende Belege zur Leistungsfähigkeit dieser Funktionen nennt die Mitteilung nicht.
Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit Biopharma-Organisationen entlang der Kette von der Biomarker-Strategie über die Entwicklung quantitativer KI-Assays, die Validierungsplanung und die Regulierungsstrategie bis zur Einsatzbereitschaft. Ein Referenzprodukt ist LungOI, laut Unternehmensdarstellung das erste KI-basierte Multigen-Biomarker-Panel für nicht-kleinzelligen Lungenkrebs mit PLA-Code und CMS-Vergütungssatz. PLA-Codes sind Abrechnungskennungen für proprietäre Labortests in den USA, CMS ist die zuständige US-Behörde für Medicare und Medicaid.
Concentriq als Verbreitungskanal
Für Imagene AI erweitert die Allianz die Reichweite erheblich. Proscia gibt an, dass Concentriq bei 16 der 20 größten Pharmaunternehmen im Einsatz ist, dazu bei führenden CROs in Wirkstoffforschung, klinischer Entwicklung und Begleitdiagnostik. Die Plattform stellt eine GxP-konforme Umgebung bereit – GxP fasst regulatorische Qualitätsanforderungen für Entwicklung und Produktion zusammen – in der Algorithmen erstellt und validiert und anschließend in globalen Studien ausgerollt werden können. Da Concentriq auch von Diagnostiklabors genutzt wird, die jährlich Millionen Patientenfälle bearbeiten, kann die Plattform validierte Tests von der Zulassung in die breite klinische Anwendung tragen.
Stephan Fromme, Head of Business Development bei Proscia, verweist darauf, dass Imagene AI das über Proscia Ready verfügbare Angebot an quantitativer Bildanalyse und Präzisionsonkologie-Kompetenz erweitere. Proscia Ready selbst ist ein Zusammenschluss von Lösungsanbietern, der Diagnostiklabors und Life-Sciences-Unternehmen den Ausbau der digitalen Pathologie erleichtern soll. Die Allianz kombiniert interoperable Technologien mit koordiniertem Kundensupport – mit dem Ziel, den Aufwand beim Betrieb von Lösungen mehrerer Anbieter zu senken.
Quelle: FinanzNachrichten.de: News
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