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FRANKFURT (dpa-AFX) – Der Einstieg des chinesischen Konzerns Anta Sports bei Puma
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Der Markt reagiert laut Analyst Jie Zhang von Baader Europe „mit einiger Enttäuschung“ darauf, dass Anta eine vollständige Übernahme zum jetzigen Zeitpunkt explizit ausgeschlossen und sich für eine unabhängige Unternehmensführung ausgesprochen hat. Für Minderheitsaktionäre ergebe sich aus dem Einstieg somit kein unmittelbarer Gewinn, erklärte er. Zhang glaubt aber, dass dieser starke strategische Aktionär Pumas langfristige Sanierung und Neupositionierung, insbesondere in China, unterstützen könnte.
Anta Sports, zu dem Marken wie Atomic, Fila, Jack Wolfskin, Salomon oder Wilson gehören, will den 29-prozentigen Anteil der französischen Milliardärsfamilie Pinault für insgesamt rund 1,5 Milliarden Euro übernehmen. Je Aktie sind dies 35 Euro – der Preis liegt fast 62 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Montag.
Eine vollständige Übernahme würde Anta deutlich stärker belasten als die mit Puma vereinbarte Beteiligung, so Zhang. Er erinnerte daran, dass Antas letzter großer Zukauf, Amer Sports, über ein Konsortium mit Tencent und anderen Finanzpartnern realisiert wurde. Wichtiger aber sei, dass Puma auf diese Weise eine „europäische Marke mit einer starken Tradition“ bleibe. „Der Erhalt der europäischen Identität und der Börsennotierung dürfte sich positiv auf das Marken-Storytelling und die internationale Entwicklung auswirken, primär in China“, erwartet der Baader-Europe-Analyst.
Die Experten von „Bernecker Börsenbriefe“ sehen in dem Anteilskauf sogar einen „Befreiungsschlag“ für das MDax
Anta habe das Potenzial, Puma „wieder auf den richtigen Weg zu bringen“, schrieben die Experten. Fila, Amer Sports und Descente seien die historischen Belege dafür. Zudem setzten die Chinesen mit ihrem Kaufpreis für den 29-prozentigen Anteil „eine neue Bewertungsmarke“, auch wenn kein Pflichtangebot ausgelöst werde. Anta sei in der Vergangenheit außerdem bislang kein Kurzfristinvestor gewesen, sondern gehe häufig schrittweise vor. Der Konzern „integriert operativ und stockt später auf“.
Die Puma-Aktie hatte seit Jahresbeginn wegen erneut aufgekeimter Übernahmegerüchten wieder Auftrieb erhalten. Auslöser für derlei Spekulationen war im August 2025 ein Artikel der Nachrichtenagentur Bloomberg gewesen. Unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertrauten Personen wurde berichtet, dass Pinault den Ausstieg erwäge und dabei auch einen Verkauf in Betracht ziehe.
Seither wurde Pumas Aktienkurs immer wieder kräftig von Spekulationen hochgetrieben, bevor er wieder deutlich absackte. Zuletzt war dieses kräftige Auf und Ab am Freitag und Montag zu beobachten gewesen. Ein Bericht der „Platow Börse“, dass Gespräche über einen Einstieg durch Anta Sports „vorerst vom Tisch“ seien, hatte die Puma-Aktie vor dem Wochenende um rund 14 Prozent gedrückt. Direkt am Montag dann waren diese Verluste nach neuerlichen Übernahmefantasien bereits wettgemacht worden./ck/gl/jha/
Quelle: dpa-AFX
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16 Kommentare
Die 1,5 Milliarden Euro für 29% sind eine Hausnummer. Das zeigt, dass Anta Puma wirklich ernst nimmt, auch wenn es ’nur‘ eine strategische Beteiligung ist.
Die Experten von ‚Bernecker Börsenbriefe‘ nennen den Anteilskauf einen ‚Befreiungsschlag‘. Ist diese Bezeichnung gerechtfertigt, oder ist sie zu optimistisch?
Die Tatsache, dass die Puma-Aktie seit 2021 fast nur noch an Wert verloren hat, bis sie 2025 einen Boden fand, unterstreicht die Notwendigkeit einer Neupositionierung, die Anta möglicherweise unterstützen kann.
Die Aussage, dass eine vollständige Übernahme Anta stärker belasten würde als die Beteiligung, ist nachvollziehbar, besonders wenn man bedenkt, wie sie Amer Sports über ein Konsortium finanziert haben.
Die Tatsache, dass Anta Sports bereit ist, 35 Euro pro Aktie zu zahlen, fast 62 Prozent über dem Xetra-Schlusskurs vom Montag, zeigt ein erhebliches Vertrauen in Pumas Potenzial, auch wenn keine vollständige Übernahme geplant ist.
Ich bin etwas skeptisch, ob Anta wirklich kein Kurzfristinvestor ist. Die schrittweise Aufstockung des Anteils könnte auch ein Mittel sein, den Preis zu kontrollieren und langfristig doch eine vollständige Übernahme zu ermöglichen.
Es ist gut zu hören, dass der Erhalt der Börsennotierung als positiv für das Marken-Storytelling angesehen wird. Das könnte Puma helfen, seine Identität zu bewahren und gleichzeitig zu wachsen.
Die Tatsache, dass Anta bereits Marken wie Atomic und Salomon besitzt, könnte zu Synergieeffekten mit Puma führen, aber auch zu Wettbewerb innerhalb des eigenen Konzerns.
Es ist interessant, dass der Artikel betont, Puma bleibe eine ‚europäische Marke mit einer starken Tradition‘. Wird diese Betonung tatsächlich die internationale Entwicklung, besonders in China, fördern, wie Zhang erwartet?
Ich finde es bemerkenswert, dass Analyst Jie Zhang von Baader Europe die Enttäuschung des Marktes hervorhebt, da keine unmittelbaren Gewinne für Minderheitsaktionäre entstehen – ist das nicht typisch für solche strategischen Beteiligungen?
Mich wundert, dass der Artikel nicht näher auf die möglichen Auswirkungen des Einstiegs auf die Konkurrenzsituation im Sportartikelmarkt eingeht. Wird es zu Verschiebungen kommen?
Die Reaktion des Marktes mit einem anfänglichen Kursprung von über 21 Prozent und dem späteren Rückgang auf 8,8 Prozent zeigt die hohe Volatilität und Unsicherheit rund um diese Transaktion.
Obwohl keine vollständige Übernahme erfolgte, bietet der Einstieg von Anta Sports doch eine wichtige Stabilisierung für Puma, nachdem die Aktie so lange gelitten hat.
Die Erwähnung des Bloomberg-Artikels im August 2025 als Auslöser für Übernahmegerüchte zeigt, wie schnell sich die Wahrnehmung einer Aktie ändern kann, selbst bei vagen Andeutungen.
Ich frage mich, ob die ’starke Tradition‘ von Puma in der Marketingstrategie in China eine Rolle spielen wird, oder ob diese eher in den Hintergrund tritt, um den lokalen Markt besser zu bedienen.
Der Vergleich von Puma mit Fila, Amer Sports und Descente durch die Experten von ‚Bernecker Börsenbriefe‘ deutet auf eine optimistische Zukunft hin, aber diese Marken sind in ihrem jeweiligen Marktsegment auch stark unterschiedliche Fälle.