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SAP-Chef Christian Klein verspricht sich von Künstlicher Intelligen große Produktivitätsgewinne. Die könnten auch Krisen-Branchen wie der Autoindustrie helfen, erklärt er im Interview.
Keiner verkörpert so wie er die Modernität der deutschen Wirtschaft und ihre Ambition, im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz die Souveränität nicht zu verlieren: Christian Klein ist nicht nur Vorstandschef des wertvollsten europäischen Softwareunternehmens SAP, sondern auch der deutsche Joker im KI-Poker mit China und den USA.
Als Werkstudent angefangen, ist er mit 39 Jahren zum Vorstandsvorsitzenden berufen worden – und hat den Aufsichtsrat überzeugt. Kleins Vertrag wurde vorzeitig bis April 2030 verlängert.
ThePioneer
Am Mittwoch war der SAP-Chef – begrüßt von Chelsea Spieker – bei „The Pioneer“ zu Gast. Entstanden ist ein 60-minütiges Gespräch über den Zustand der SAP und die Zukunftsvision des Vorstandschefs. Das Gespräch in voller Länge hören Sie hier.
Seit April 2020 sind Sie CEO der SAP. Knapp fünf Jahre später lag die SAP-Aktie 140 Prozent im Plus und ist seitdem allerdings um knapp 40 Prozent gefallen. Was ist da los?
Christian Klein: Wir sind derzeit in der Penalty Box, in der Bestrafungszone. Wir befinden uns in guter Nachbarschaft mit anderen, die Cloud-Software entwickeln. Trotzdem gefällt mir das nicht, weil sich die große Frage stellt: Da gibt es jetzt neue KI-Anbieter wie Anthropic oder OpenAI, können sie vielleicht auch Software und braucht es die SAP noch in Zukunft? Diese Befürchtung spiegelt sich im Aktienkurs wider.
Sie haben neulich gesagt: „Wir müssen unsere Strategie unabhängig vom Kapitalmarkt umsetzen.“ Ein mutiger Satz: Können Sie als Angestellter Ihre Strategie wirklich unabhängig vom Kapitalmarkt umsetzen?
Klein: Wir brauchen ein bisschen Zeit, dann wird die Kurve wieder in die andere Richtung gehen. Es ist gar nicht so einfach, so einen Riesentanker zu transformieren, und allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu sagen: Jetzt geht es in eine komplett neue Welt.
Beschreiben Sie diese komplett neue Welt.
Klein: Was wir benötigen, um diese Kurve umzudrehen, sind KI-Agenten, die im Bereich Finanzen, Personalwesen, in den Lieferketten, im Frontoffice, im Vertrieb und beim Marketing so intelligent sind, dass man irgendwann seine Bücher schließen kann als Unternehmen und sagt: Wir kreieren das autonome Unternehmen und am Ende braucht man vielleicht nur noch einen Buchhalter.
Und dann?
Klein: Wenn die KI-Agenten das schaffen, dann haben wir gewonnen. Dann geht diese Kurve wieder nach oben.
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Die versprochenen Effizienzgewinne der Künstlichen Intelligenz gibt es vor allem in den Ankündigungen der Firmen, oder materialisieren sie sich schon irgendwo im wahren Leben?
Klein: Absolut. Nehmen Sie die Softwareentwicklung der SAP. Wir entwickeln 20 Prozent mehr Code mit der gleichen Anzahl an Entwicklerinnen und Entwicklern. Abhängig von der Industrie werden wir Produktivitätssteigerungen von 30, 40, 50 Prozent sehen.
Ist das die Rettung für ein Land wie Deutschland, das ein demografisches Problem hat?
Klein: Wenn man sich unsere Automobilindustrie und die Chemieindustrie anschaut, werden diese Industrien nicht wettbewerbsfähiger durch hohe Energiepreise und steigende Lohnkosten. Was sie brauchen, ist angewandte KI.
Digitalminister Karsten Wildberger will die Kapazität der Rechenzentren bis 2030 in Deutschland verdoppeln. Brauchen wir diese Kapazität überhaupt?
Klein: Wir müssen achtgeben, dass wir keine Rechenzentren bauen, die am Ende nicht genutzt werden. Die großen Large-Language-Modelle der Welt treiben den hohen Rechenleistungsbedarf. Nur sind die nicht hier. Keiner wird hier in Deutschland ein KI-Modell wirklich intensiv trainieren, wegen der Energiekosten. Das wird woanders passieren.
Wo Sie Hoffnung sehen beim Thema KI, weisen andere auf die Risiken hin. Der israelische Zukunftsphilosoph Yuval Noah Harari sagte bei seinem Besuch auf der „Pioneer Two“: „Früher hatten wir die Möglichkeit, Dinge zu korrigieren. Nun gibt es zum ersten Mal etwas auf diesem Planeten, das nicht menschlich ist, das nicht einmal organisch ist, und wir können das nicht per Knopfdruck wieder stoppen.“
Klein: Deswegen braucht KI Regulierung. Wir brauchen aber keine Überregulierung, wir sollten auch nicht in 27 Mitgliedstaaten unterschiedliche Regularien haben, aber die KI braucht Regulierungen.
Warum genau?
Klein: Weil die KI sehr selbständig Entscheidungen treffen kann. Es ist wichtig, dass da am Ende immer ein Mensch sitzt.
Hararis Dystopie besagt nicht, dass demokratisch regierte Staaten die Kontrolle verlieren, sondern dass die Menschheit die Kontrolle verliert.
Klein: Ich hoffe, dass alle Politiker und Politikerinnen der Welt sehen, dass es Grenzen gibt und die KI zerstörend wirken kann. KI braucht deshalb Regulierung, aber eben keine Überregulierung. Wenn ich Überregulierung bekomme, dann kann ich als SAP nicht mehr mithalten. Wir müssen die Innovation an die erste Stelle setzen.
Und der CEO der SAP wird immer ein Mensch und keine Maschine sein?
Klein: Das halte ich zu 100 Prozent für gesichert.
Und SAP wird unterwegs in die Zukunft nicht von einem größeren Konzern geschluckt?
Klein: Mein Ziel ist es, dass die SAP selbständig bleibt und der Aktienkurs neue Höhen erreicht. Deswegen sind wir zum Erfolg verdammt.
Vielen Dank, Herr Klein, für dieses Gespräch.
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5 Kommentare
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