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DAVOS (dpa-AFX) – Der Zerfall des transatlantischen Wirtschaftsraums wäre nach Einschätzung von
Während häufig über eine wirtschaftliche Entkopplung von China diskutiert werde, bereite ihm vor allem ein Auseinanderdriften Europas und der Vereinigten Staaten Sorgen. Die Kombination beider Wirtschaftsräume sei entscheidend für globales Gewicht. In einer Welt, die sich von einer regelbasierten hin zu einer stärker machtbasierten Ordnung entwickle, seien europäische Unternehmen auf ein starkes Europa angewiesen, um international bestehen zu können.
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„Europa muss sich auf Stärken besinnen“
Um zu vermeiden, von US-Präsident Donald Trump angezählt zu werden, sollten sich die Europäer auf ihre Stärken besinnen und ihrer Schwächen bewusster werden, sagte Berninger. So sei es zum Beispiel gut, dass Europa dabei ist, in der Landwirtschaft Biotechnologie voranzutreiben. „Das wird uns tatsächlich helfen, in Europa stärker zu werden.“
Bei der Einführung von durch Genom-Editierung veränderten Lebensmitteln habe sich die gesellschaftliche Debatte zuletzt spürbar verändert. „Die Sorge der Menschen, was Nahrungsmittelpreise angeht, ist deutlich größer als die Frage nach der Technologie selbst“, sagte der frühere Grünen-Bundestagsabgeordnete. Im Vergleich zu den 2000er-Jahren sei die Diskussion deutlich weniger aufgeheizt.
Entscheidend sei nun, ob Europa neue agrarbiotechnologische Verfahren tatsächlich zulasse. Ohne diese Technologien drohten langfristig erhebliche Produktionsverluste, insbesondere beim Weizen. „Europa wird im Weizen ohne diese Technologie nicht in der Lage sein, sich an den Klimawandel anzupassen“, sagte der Manager. Das hätte nicht nur für Europa, sondern auch für Teile Afrikas „massive negative Folgen“.
„Dann gehen die Lichter aus“
Sollten regulatorische Hürden für die Genom-Editierung so hoch gesetzt werden, dass neue Technologien wirtschaftlich nicht mehr einsetzbar seien, gefährde das die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Landwirtschaft insgesamt. „Wenn Europa diesen Weg geht, dann werden im Weizenbereich die Lichter ausgehen“, warnte er.
Der Agrarchemiekonzern Bayer ist sowohl in Europa als auch in Nordamerika stark vertreten, 2018 kauften die Leverkusener den US-Konkurrenten Monsanto. Dessen Unkrautvernichter Glyphosat ist umstritten, eine große Menge an Glyphosat-Klagen in den USA kosteten Bayer Milliarden. Zuletzt gab es in den Rechtsstreitigkeiten aber positive Entwicklungen, die dem Aktienkurs Auftrieb gaben. Berninger gab sich optimistisch, die Glyphosat-Altlasten bis zum Ende dieses Jahres signifikant zu reduzieren./bvi/DP/zb
Quelle: dpa-AFX
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14 Kommentare
Berningers Warnung, dass ‚im Weizenbereich die Lichter ausgehen‘ könnten, wenn die regulatorischen Hürden zu hoch sind, ist drastisch, aber nachvollziehbar, wenn man die Notwendigkeit der Anpassung an den Klimawandel bedenkt.
Die Betonung auf die Notwendigkeit, sich auf europäische Stärken zu besinnen, ist richtig. Aber welche konkreten Stärken meint Berninger, abgesehen von der Biotechnologie in der Landwirtschaft?
Gute Frage! Der Artikel geht darauf nicht detailliert ein, aber es impliziert, dass Europa seine Innovationskraft und technologischen Fortschritt nutzen muss.
Es ist wichtig, dass Europa die Chancen der Biotechnologie in der Landwirtschaft nutzt, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Berningers Hinweis darauf ist ein Weckruf.
Die Entwicklung hin zu einer stärker machtbasierten Weltordnung, die Berninger anspricht, ist besorgniserregend. Europa muss sich darauf vorbereiten und seine Interessen verteidigen.
Die Erwähnung von Bayer und dem Glyphosat-Skandal zeigt, wie komplex die Lage ist. Die Altlasten von Glyphosat-Klagen belasten das Unternehmen, aber positive Entwicklungen geben Hoffnung auf Besserung.
Es ist bemerkenswert, dass sich die gesellschaftliche Debatte über genomeditierte Lebensmittel verändert hat. Dass die Sorge um die Nahrungsmittelpreise jetzt größer ist als die Technologie selbst, zeigt eine Verschiebung der Prioritäten.
Ja, das deutet darauf hin, dass die Menschen die praktischen Konsequenzen stärker berücksichtigen als abstrakte technologische Bedenken.
Berningers Aussage, dass ein Zerfall des transatlantischen Wirtschaftsraums eine der größten Gefahren für Europa wäre, erscheint mir sehr realistisch. Die Abhängigkeit von den USA ist in vielen Bereichen größer, als man vielleicht denkt, und eine Entkopplung wäre ein Schock.
Absolut. Gerade die Stärke der Kombination beider Wirtschaftsräume im globalen Kontext wird oft unterschätzt, wie er betont.
Ich finde es gut, dass Berninger optimistisch ist, die Glyphosat-Altlasten bis Ende des Jahres zu reduzieren. Das wäre ein wichtiger Schritt für Bayer und das Vertrauen in die Agrarchemie.
Die Aussage, dass Europa ohne genomeditierte Technologien im Weizenbereich nicht mehr an den Klimawandel angepasst werden kann, ist alarmierend. Das bedeutet eine massive Bedrohung für die Ernährungssicherheit, nicht nur in Europa, sondern auch in Afrika.
Mich wundert, dass die Diskussion um die wirtschaftliche Entkopplung von China weniger dringlich erscheint als die Gefahr eines Auseinanderdriftens mit den USA. Berninger scheint das Risiko im Westen deutlich höher einzuschätzen.
Das ist ein interessanter Punkt. Vielleicht liegt es daran, dass die USA ein traditionellerer Handelspartner sind und die Auswirkungen einer Trennung direkter spürbar wären.