Listen to the article
In der Vorwoche hat in den USA „offiziell“ die Quartalsberichtssaison begonnen; traditionell mit der Vorlage der Bilanzen der großen Banken und Finanzinstitute.
Erste Ergebnisse der US-Berichtssaison
In dieser Woche, die durch den Martin-Luther-King-Feiertag auch an der Börse verkürzt ist, bleibt die Zahlenflut zwar noch verhalten, aber ab der kommenden Woche geht es in die Vollen:
Bisher haben erst knapp 7 % der Unternehmen des S&P 500 ihre Zahlen vorgelegt; mehr als ein Drittel davon waren aus dem Finanzsektor. Und die Institute haben ihre Sache gut gemacht: Die Mehrzahl hat bei den Einnahmen und Gewinnen die Analystenerwartungen übertroffen.
Was die Analysten für die US-Konzerne erwarten
Das gilt auch für die anderen Konzerne, von denen bereits Zahlen vorliegen, sodass der Start in diese Berichtssaison geglückt ist. Und die Analysten rechnen stark damit, dass dies so bleibt:

Je nach Quelle sollen die Gewinne um 8,2 bis 9,0 % gegenüber dem Vorjahresquartal steigen, die Umsätze um 7,3 bis 8,2 %. Laut dem Datenanbieter Factset wäre dies das zehnte Quartal in Folge mit steigenden Gewinnen (was in guten Zeiten nicht allzu ungewöhnlich ist).
Factset verweist zudem darauf, dass während der Berichtssaison die Schätzungen in der Regel nach oben revidiert werden, weil die Unternehmen die Schätzungen meist übertreffen. (Ob zuvor die Unternehmen selbst oder die Analysten tiefstapeln, sei hier mal dahingestellt.)
Auf Basis der vergangenen vier, 20 bzw. 40 Quartale hat Factset daher diesen „Surprise Factor“ berechnet und ist dabei auf Werte von 5,7 bis 7,4 Prozentpunkte gekommen, die auf die obigen Werte im Durchschnitt noch aufgeschlagen wurden. Falls es also in der laufenden Berichtssaison einen ähnlichen Aufschlag auf die Schätzungen gibt, würde das Gewinnwachstum erneut zweistellig ausfallen. Das wäre dann laut Factset das fünfte Mal in Folge.
Steigender Optimismus
Die Chancen dafür stehen gut, denn auch laut den Daten von LSEG steigen die Gewinnschätzungen – und damit der Optimismus – schon seit geraumer Zeit:

Und wie fast immer sind die Analysten zuversichtlich, dass es in den kommenden Quartalen so weitergeht:

Die Lage in Europa (STOXX Europe 600)
Deutlich verhaltener beurteilen die Analysten wieder einmal die Aussichten für die europäischen Unternehmen im STOXX Europe 600:

Hier sollen Umsätze und Gewinne gegenüber dem Vorjahr sogar sinken – die deutsche und europäische Wachstumsschwäche lassen grüßen! Während in den USA nur für die Energieunternehmen Umsatzeinbußen und Gewinnrückgänge erwartet werden und nur ein paar andere Sektoren ihre Gewinne ebenfalls nicht halten dürften, kämpft in Europa die Mehrzahl der Sektoren mit geringeren, oft zweistellig niedrigeren Gewinnen, die zum Teil regelrecht einbrechen.
Zudem sind die positiven Werte – z.B. bei den Versorgern und Immobilienunternehmen – wohl eher auf Sondereffekte zurückzuführen (z.B. Bewertungsänderungen bei Immobilien und niedrige Vergleichswerte) als auf tatsächliche operative Erfolge.
Allein der Vergleich der Tech-Sektoren aus den USA und Europa spricht Bände: In den USA sollen die Unternehmen knapp 27 % mehr Gewinn bei gut 18 % höheren Umsätzen liefern, in Europa werden die Umsätze voraussichtlich nur weniger als 3 % „zulegen“, während die Gewinne wohl um fast 10 % (!) einbrechen.
Sinkende Erwartungen und verhaltener Optimismus
Kein Wunder, dass auch die Erwartungen für die laufende Berichtssaison abwärtsgerichtet sind …

… und sowohl die Ergebnisse der Vorquartale als auch die Erwartungen für den Rest dieses Jahres eher ernüchternd sind:

Immerhin: Bisher hat noch nicht mal eine Handvoll der STOXX-600-Unternehmen Zahlen vorgelegt. Gut, deren Ergebnisse sind bisher zwar durchwachsen, aber was ja nicht ist, kann ja noch werden. Vielleicht überraschen uns die europäischen doch noch positiv?
Bewertung und Fazit
Abwarten. Vorerst gilt also: Wenn es nach den Ergebnissen der Unternehmen und den Erwartungen der Analysten geht, sollten Anleger weiterhin (große) US-Werte gegenüber (großen) europäischen Werten bevorzugen. (Bei Mid und Small Caps sieht die Sache unter Umständen anders aus!)
Vorteile haben die STOXX-600-Aktien allerdings bei der Bewertung: Das Index-KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) auf Basis der nächsten vier Quartale liegt bei 15,4 im Gegensatz zu 22,2 beim S&P 500. Zwar liegen beide Werte über ihren historischen 10-Jahresdurchschnitten (STOXX 600: 14,2; S&P 500: 18,8), aber diese Überbewertung beträgt beim STOXX 600 „nur“ 8,5 %, bei S&P 500 sind es immerhin 18,1 %.
Fairerweise muss man aber dazu sagen, dass die Verhältnisse schon seit Jahren so sind. Und dennoch konnte der STOXX 600 seit 2008 keine nachhaltige charttechnische Stärke gegenüber dem S&P 500 entwickeln. Gut, das mag in jüngster Zeit an der Dominanz der US-Tech-Werte gelegen haben. Aber solange diese „Tech-Blase“ nicht platzt, sollte man allenfalls selektiv auf starke (!) europäische Aktien setzen.
PS: Apropos starke Aktien! Die zeigen meine Kollegen und ich in unseren Börsenbriefen. Und darin bieten wir eine große Auswahl – von kurzfristigen Trades bis zu langfristigen Investments.
Und das Beste: Mit unserer aktuellen Stockstreet-Neujahrsaktion kommst Du besonders günstig in den Genuss unseres Knowhows – denn Du erhältst fast alle unsere Börsenbriefe drei Monate lang zum Preis von einem Monat! Aber Achtung! Die Aktion läuft nur noch wenige Tage!

Den vollständigen Artikel hier lesen


27 Kommentare
Ein zweistelliges Gewinnwachstum, wie Factset prognostiziert, wäre das fünfte Mal in Folge – das ist eine bemerkenswerte Serie. Aber wie realistisch ist dieser ‚Surprise Factor‘ wirklich, wenn Unternehmen und Analysten tendenziell konservativ schätzen?
Die Erwähnung des Martin-Luther-King-Feiertags als Grund für die verkürzte Börsenwoche ist eine kleine, aber wichtige Detailinformation. Zeigt, dass auch Kalenderereignisse eine Rolle spielen.
Die Tatsache, dass die Finanzinstitute ihre Erwartungen übertroffen haben, ist positiv, aber auch nicht überraschend. Sie profitieren oft von steigenden Zinsen und einem aktiven Handel.
Mich wundert, dass in Europa die Mehrzahl der Sektoren mit Gewinnrückgängen kämpft, während in den USA nur die Energieunternehmen betroffen sein sollen. Liegt das an unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder an der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen?
Die Diskrepanz zwischen den US- und europäischen Gewinnerwartungen ist besorgniserregend. Europa muss dringend Maßnahmen ergreifen, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Absolut. Strukturelle Reformen und Investitionen in Innovation sind entscheidend, um das Wachstum in Europa anzukurbeln.
Die Aussage, dass die Analysten in den USA zuversichtlicher sind als in Europa, spiegelt die unterschiedliche wirtschaftliche Realität wider. Die USA scheinen besser in der Lage zu sein, mit den aktuellen Herausforderungen umzugehen.
Das stimmt. Die USA haben auch von einer stärkeren fiskalischen Unterstützung profitiert, während Europa stärker auf geldpolitische Maßnahmen setzen musste.
Die Tatsache, dass die Berichtssaison mit den großen Banken beginnt, ist traditionell, aber auch strategisch klug. Ihre Ergebnisse geben oft einen ersten Vorgeschmack auf die allgemeine Wirtschaftslage.
Die Aussage, dass positive Werte in Europa oft auf Sondereffekte zurückzuführen sind, klingt nach einer vorsichtigen Bewertung. Das wirft die Frage auf, wie nachhaltig diese positiven Ergebnisse wirklich sind.
Die Betonung auf die Bedeutung der Berichtssaison für die Einschätzung der Wirtschaftslage ist richtig. Die Zahlen der Unternehmen geben einen wertvollen Einblick in die tatsächliche Entwicklung.
Die Situation im STOXX Europe 600 klingt düster, mit erwarteten Umsatz- und Gewinnrückgängen. Das könnte sich negativ auf die Stimmung der europäischen Anleger auswirken.
Die Erwähnung der Energieunternehmen in den USA als einzige mit erwarteten Umsatzrückgängen ist bemerkenswert. Das könnte auf eine Korrektur der Ölpreise oder auf eine veränderte Nachfrage hindeuten.
Ich bin gespannt, wie sich die steigenden Gewinnerwartungen auf die Aktienkurse auswirken werden. Werden die Kurse die Erwartungen bereits im Vorfeld einkalkulieren oder erst nach der Veröffentlichung der Zahlen reagieren?
Die Prognose von Factset, dass die Gewinne in den USA bereits zum zehnten Quartal in Folge steigen, ist beeindruckend. Das deutet auf eine anhaltend starke wirtschaftliche Dynamik hin.
Es ist interessant zu sehen, wie Factset den ‚Surprise Factor‘ berechnet und auf die Gewinnprognosen aufschlägt. Diese Methode scheint zu implizieren, dass Unternehmen systematisch Erwartungen unterschreiten, um später zu überraschen.
Ich bin skeptisch, ob die Analysten wirklich so zuversichtlich sein können, dass die positiven Trends der letzten Quartale anhalten. Externe Faktoren wie geopolitische Spannungen könnten schnell für unerwartete Wendungen sorgen.
Die Diskrepanz zwischen den erwarteten Gewinnen in den USA (8,2-9,0%) und Europa ist deutlich. Die deutsche und europäische Wachstumsschwäche scheinen sich hier stark auszuwirken, wie im Artikel erwähnt.
Die Tatsache, dass die Berichtssaison mit den Banken beginnt, ist ein guter Indikator für die Gesundheit des Finanzsystems. Wenn die Banken gut abschneiden, ist das oft ein positives Zeichen für die gesamte Wirtschaft.
Die Betonung auf die Revision der Schätzungen nach oben während der Berichtssaison ist wichtig. Investoren sollten nicht nur die aktuellen Zahlen betrachten, sondern auch die Entwicklung der Erwartungen.
Wenn die Gewinne tatsächlich um 8,2 bis 9,0 % steigen, wäre das ein starkes Signal für die US-Wirtschaft. Aber wie sieht es mit der Inflation aus? Wird das Gewinnwachstum durch steigende Kosten ausgeglichen?
Ich frage mich, ob die Energieunternehmen in den USA wirklich die einzigen sind, die mit Umsatzrückgängen rechnen müssen. Die Volatilität der Ölpreise könnte auch andere Sektoren beeinflussen.
Die Tatsache, dass bisher nur 7% der S&P 500 Unternehmen ihre Zahlen vorgelegt haben, lässt wenig Rückschlüsse auf die Gesamtentwicklung zu. Ich bin gespannt, ob sich der positive Trend der Finanzinstitute auf andere Sektoren übertragen lässt.
Die Berechnung des ‚Surprise Factors‘ durch Factset ist ein interessanter Ansatz, um die Genauigkeit der Analystenschätzungen zu bewerten. Es zeigt, dass es Raum für Verbesserungen gibt.
Die Betonung auf die Sondereffekte bei den positiven Ergebnissen in Europa ist ein Warnsignal. Investoren sollten diese Ergebnisse kritisch hinterfragen und nicht blindlings darauf vertrauen.
Die Tatsache, dass die Analysten in den USA zuversichtlich bleiben, ist ein Zeichen von Optimismus. Aber es ist wichtig, auch die Risiken im Auge zu behalten, wie z.B. eine mögliche Rezession.
Ein guter Punkt. Zu viel Optimismus kann zu Fehleinschätzungen führen.