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Startseite»News»Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen
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Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

Finanzen100Von Finanzen100vor 1 Monat13 Kommentare4.1k Aufrufe
Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen
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„America first“ verspricht Donald Trump – und lässt kaum einen Stein auf dem anderen. Seine Zollpolitik hat schwere Folgen für Deutschland. Dem obersten US-Gericht kommt nun eine zentrale Rolle zu.

Ob aus Gründen der „nationalen Sicherheit“ oder als Strafmaßnahme: Kaum ein Druckmittel war und ist für US-Präsident Donald Trump so wichtig wie Zölle, die er wiederholt als sein „Lieblingswort“ bezeichnete. Gegen die EU, China, Brasilien oder Kanada: Im ersten Jahr seiner zweiten Amtszeit spielten Zölle eine wesentliche Rolle. 

Und das ganz aktuell auch im Grönland-Konflikt: Trump kündigte am Samstag Zölle gegen Deutschland sowie Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland an. Sie würden zunächst ab dem 1. Februar 10 Prozent auf sämtliche Waren betragen. Ab 1. Juni sollen sie auf 25 Prozent klettern. Dieser Zoll sei fällig, bis eine Einigung über den „vollständigen und umfassenden Kauf Grönlands“ erzielt sei. 

Trump besteht darauf, dass die ressourcenreiche Arktisinsel wegen der nationalen Sicherheit in den Besitz der USA übergehen müsse. Die Ankündigung Trumps kam nur kurz vor Unterzeichnung des Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur, der den Abbau von Zollbarrieren vorsieht. 

Ein Jahr nach Trumps Amtsantritt wird klar, dass die Negativfolgen für die deutsche Wirtschaft von Dauer sind. Zwar haben sich die EU und die USA im Sommer 2025 auf ein Abkommen geeinigt, das für die meisten EU-Importe einen Zollsatz von 15 Prozent vorsieht. Doch Brüssel musste große Zugeständnisse machen – etwa den zollfreien Import von amerikanischen Autos nach Europa. 

Das Ifo-Institut rechnet mit jahrelangen Belastungen für die deutsche Wirtschaft. Eine Bilanz, wie sich Trumps Zölle bereits heute auswirken. 

Dauer-Schock für die Konjunktur 

„Die US-Zölle sind ein negativer Schock für die deutsche Wirtschaft und treffen sie gleich dreifach“, sagte Lisandra Flach, Leiterin des Ifo-Zentrums für Außenwirtschaft. „Erstens, weil Deutschland weniger in die USA exportiert und zweitens, weil die Zölle Chinas Wirtschaft treffen und damit die Nachfrage nach deutschen Waren sinkt. Drittens, weil China wegen Trumps Zöllen nach neuen Märkten sucht und Waren verstärkt nach Europa umgelenkt werden, was Deutschland Konkurrenz macht.“ 

Schwere Last für Exporteure 

Die hohen US-Zölle treffen die deutschen Exporteure auf ihrem wichtigsten Exportmarkt. Das Geschäft mit den Vereinigten Staaten, in die 2024 deutsche Waren im Wert von 161 Milliarden Euro gingen, ist im vergangenen Jahr eingebrochen, im November lag es laut Statistischem Bundesamt sogar um fast ein Viertel unter Vorjahresniveau. Der Rückgang im US-Geschäft lastet schwer auf dem gesamten deutschen Export, der 2025 das dritte Jahr in Folge schrumpfte. Von ihm hängt fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland ab. 

Christian Charisius/dpa

Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

Die Zölle unter Trump dämpften dem Ifo zufolge das Wachstum der deutschen Wirtschaft 2025 um 0,3 Prozentpunkte, dieses Jahr sollen es 0,6 Prozentpunkte sein. Das klingt wenig, entspricht aber etwa dem Effekt, den das Ifo aus den riesigen Staatsausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie weiterer Entlastung für die Wirtschaft erwartet. Als wäre das nicht genug, hat der Dollar seit Trumps Amtsantritt kräftig an Wert verloren, was deutsche Waren auf den Weltmärkten verteuert. 

Autobranche leidet 

Gerade die deutsche Autobranche wird von Trumps Zöllen belastet. Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Und die Zölle trafen die Branche härter und früher als andere: Zunächst mit 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. 

Foto

Hendrik Schmidt/dpa

Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

In der Folge brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA ein. „Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen“, sagt Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden. „Für unsere exportorientierte Autoindustrie ist das ein völliges Erodieren ihres klassischen Geschäftsmodells. Für die Arbeitsplätze in Europa, in Deutschland, ist das natürlich Gift.“ 

Maschinenbau und Stahl unter Druck 

Besonders hoch sind die US-Zölle auf Stahl mit 50 Prozent. In den ersten zehn Monaten 2025 sind die Stahlexporte in die USA nach Branchenangaben um elf Prozent zum Vorjahreszeitraum geschrumpft. Die Stahlzölle berechnen die Amerikaner zudem auf den Stahlanteil in Maschinen, was den deutschen Maschinenbau belastet. Dort ist die Produktion laut Branchenverband VDMA das dritte Jahr nacheinander geschrumpft, die Folge sind Jobabbau und Kurzarbeit in vielen Betrieben. 

Nur wenige Ausnahmen 

Nur wenige Bereichen bleiben von Trumps Zöllen verschont, sagt Ifo-Ökonomin Flach. Ausnahmen seien etwa Dienstleister, da sie nicht betroffen seien, und der deutsche Agrarsektor. Er profitiere von Vorteilen im Handel mit China, da US-Produkte mit dem Zollstreit zwischen den beiden Großmächten teurer geworden seien. „Diese beiden Effekte auf die deutsche Wirtschaft sind aber minimal.“ 

Folgen für Patienten? 

Da Trump die Arzneipreise in den USA senken will, hat er auch den Gesundheitsmarkt ins Visier genommen. Als Zugeständnis haben eine Reihe von Pharmakonzernen angekündigt, Milliarden in den USA zu investieren und Arzneien mit Rabatt über den von Trump initiierten Direktvertrieb „TrumpRX“ zu verkaufen. 

Doch müssen Arzneihersteller die Preise im lukrativen US-Markt senken, dürften sie versuchen, höhere Preise woanders durchzusetzen. Kurzfristige Preissprünge in Deutschland sind aber nicht zu erwarten, denn der Markt für verschreibungspflichtige Medikamente ist streng reguliert und viele Lieferverträge sind langfristig angelegt. 

Foto

Daniel Reinhardt/dpa

Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

Konzerne knicken vor Trump ein 

Einige Unternehmen haben auf Trumps Druck reagiert. So sagte der Pharmakonzern Merck zu, Behandlungen für künstliche Befruchtungen in den USA deutlich günstiger anzubieten. Im Gegenzug soll der Dax-Konzern von Pharmazöllen befreit bleiben. Bedingung ist, dass er in die Produktion und Forschung in Amerika investiert. Einem ähnlichen Abkommen mit der Trump-Regierung schloss sich kürzlich Boehringer Ingelheim an. Auch VW-Chef Oliver Blume mühte sich um einen Deal mit den USA – und lockte mit Investitionen.

Was die Zölle den USA bringen 

Die Zölle auf Importe aus aller Welt bringen den USA riesige Einnahmen. Sie liegen nach Angaben des Weißen Hauses bei umgerechnet rund 200 Milliarden Euro. Damit bleibt die Summe hinter Erwartungen zurück: Im Juli hatte US-Finanzminister Scott Bessent noch 300 Milliarden Dollar bis Jahresende in Aussicht gestellt. 

Foto

Mark Schiefelbein/AP/dpa

Ein Jahr Trump: Wie US-Zölle die deutsche Wirtschaft treffen

Wo neue Zölle drohen 

Auch wenn es einen Deal mit der EU gibt: Vor Trumps wankelmütiger Zollpolitik kann sich kaum eine Branche sicher fühlen. Bangen müssen etwa Hersteller von Polstermöbeln, Küchenschränken und Waschtischen. Trump hatte zunächst eine Zollerhöhung für den 1. Januar 2026 angepeilt, diese aber an Silvester um ein Jahr verschoben.

Funkt das oberste US-Gericht Trump dazwischen? 

Aber nicht alle in den USA sind von Trumps Zöllen angetan. Jene, die Trump unter Berufung auf ein Notstandsgesetz von 1977 gegen Dutzende Handelspartner verhängte, werden vor dem Obersten Gericht der USA verhandelt. Die Frage ist, ob Trump seine Kompetenz überschritten hat. 

Dabei geht es auch um die Zölle auf EU-Produkte, die in die USA exportiert werden. Eine Entscheidung des Supreme Court steht noch aus. Unklar ist, welchen konkreten Einfluss der Prozessausgang auf den Zolldeal zwischen EU und USA hat – etwa, ob die US-Zölle dann gekippt werden könnten. 

Selbst wenn der Supreme Court gegen Trump entscheide, bedeute das aber nicht zwingend das Ende seiner Zollpolitik, meint Adam Hersh, Ökonom am Economic Policy Institute in Washington. Denn Trump habe noch andere gesetzgeberische Wege, um Zölle durchzusetzen – auch weiter ohne Zustimmung des Kongresses.

dpa

FOCUS-online-Redaktion

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13 Kommentare

  1. Lea Wagner am Januar 18, 2026 3:02 p.m.

    Es ist beunruhigend, dass das Ifo-Institut jahrelange Belastungen für die deutsche Wirtschaft durch die US-Zölle prognostiziert. Welche konkreten Branchen werden am stärksten betroffen sein, laut Ifo-Analyse?

    Antworten
  2. Peter Wagner am Januar 18, 2026 3:02 p.m.

    Die EU musste also zollfreien Import von amerikanischen Autos akzeptieren, um ein Abkommen zu erzielen. Ist das nicht ein gefährlicher Präzedenzfall, der andere Industrien unter Druck setzen könnte, ähnliche Zugeständnisse zu machen?

    Antworten
    • Lea Fischer am Januar 18, 2026 4:10 p.m.

      Absolut, das könnte eine Kettenreaktion auslösen und die europäische Industrie insgesamt schwächen.

      Antworten
  3. Lea G. Weber am Januar 18, 2026 3:02 p.m.

    Die Ankündigung von Zöllen auf Waren aus Deutschland, gekoppelt an den Grönland-Kauf, erscheint doch recht bizarr – ist das wirklich eine ernsthafte Verhandlungstaktik oder eher ein Ablenkungsmanöver?

    Antworten
    • Jonas Schneider am Januar 18, 2026 3:17 p.m.

      Ich denke, es ist eine Kombination aus beidem. Trump nutzt gerne unkonventionelle Methoden, um Aufmerksamkeit zu erregen und Druck aufzubauen.

      Antworten
  4. Laura W. Müller am Januar 18, 2026 3:04 p.m.

    Die Tatsache, dass die Zölle auch gegen Länder wie Dänemark und Schweden verhängt werden sollen, obwohl diese nicht direkt mit dem Grönland-Konflikt zu tun haben, zeigt doch, wie willkürlich Trumps Handelspolitik ist.

    Antworten
  5. Peter Weber am Januar 18, 2026 3:06 p.m.

    Ich frage mich, ob das Freihandelsabkommen mit Mercosur die negativen Auswirkungen der US-Zölle wirklich kompensieren kann. Der Abbau von Zollbarrieren in Südamerika klingt zwar gut, aber reicht das aus?

    Antworten
  6. Lukas Fischer am Januar 18, 2026 3:07 p.m.

    Die Eskalation im Grönland-Konflikt und die damit verbundenen Drohungen mit Zöllen sind wirklich bemerkenswert. Dass Trump die „nationale Sicherheit“ als Begründung anführt, wirkt in diesem Zusammenhang eher vorgeschoben.

    Antworten
  7. Emma Weber am Januar 18, 2026 3:09 p.m.

    161 Milliarden Euro Warenexport nach den USA im Jahr 2024 – das ist eine enorme Summe, die nun gefährdet ist. Wie bewertet die Bundesregierung die langfristigen Auswirkungen dieses Einbruchs?

    Antworten
    • Anna Müller am Januar 18, 2026 3:45 p.m.

      Die Regierung versucht, durch Diversifizierung der Exportmärkte gegenzusteuern, aber das ist ein langwieriger Prozess.

      Antworten
  8. Peter Schäfer am Januar 18, 2026 3:11 p.m.

    Lisandra Flach vom Ifo-Zentrum für Außenwirtschaft spricht von einem dreifachen Schock. Dass die chinesische Wirtschaft durch die Zölle geschwächt wird und dadurch auch die Nachfrage nach deutschen Gütern sinkt, ist ein Aspekt, den man oft übersieht.

    Antworten
  9. Hans V. Weber am Januar 18, 2026 3:14 p.m.

    Trump bezeichnet Zölle als sein „Lieblingswort“. Das sagt doch schon alles über seine Verhandlungsstrategie aus – es geht weniger um wirtschaftliche Logik als vielmehr um Machtdemonstration.

    Antworten
  10. Emma Müller am Januar 18, 2026 3:16 p.m.

    Die Aussage, dass fast jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland vom Export abhängt, unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Situation. Ein Rückgang der Exporte um fast ein Viertel im November, wie das Statistische Bundesamt meldet, ist ein deutliches Warnsignal.

    Antworten
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